Kitesurfen: Wie aus Angst (gesunder) Respekt wird

Kitesurfen wird heutzutage meist als „Funsport“ bezeichnet. Es macht also Spaß. Für mich stimmt das zu 100 Prozent – klar, sonst würde ich es ja nicht machen. Was leider noch viele unterschätzen: dass Kitesurfen unter bestimmten Bedingungen trotzdem noch das ist, was es in seinen Anfangsjahren war – nämlich Extremsport. Und Extremsport ist – no na – gefährlich. Oder kann gefährlich sein, wie man’s nimmt.

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Um Stürze kommt wohl kein Kiter herum – erst recht nicht, wenn es ums Erlernen neuer Tricks geht. Da muss man eben durch. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Auch, wenn moderne Safety-Systeme nicht mehr mit denen von früher vergleichbar sind (Depower war einst ein Fremdwort – und Quickrelease? Naja …), gibt es doch immer wieder Meldungen von tragischen Unfällen, bei denen Kiter schwer verletzt wurden oder gar ums Leben gekommen sind. Das macht verständlicherweise vielen Angst – und kann dazu führen, dass man erst gar nicht in Erwägung zieht, es mal mit Kiten zu probieren. Obwohl es einen prinzipiell schon in den Fingern jucken würde.

Aber mal ehrlich … sollte man sich die Chance, das unglaublich geile Kitefeeling zu erleben, aus Angst entgehen lassen? Das wäre doch richtig schade. Denn wie auch schon bei der Sache mit den Bienen und den Blumen, über die uns entweder die Eltern oder die Frau Lehrerin einst aufgeklärt hat, gilt auch fürs Kiten: Wissen schützt vor unangenehmen Überraschungen. Zwar nicht zu hundert Prozent – aber das Risiko, dass was passiert, kann enorm reduziert werden, wenn man weiß, was man tut. Dann ist Kiten im Grunde genommen ein sehr sicherer Sport.

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Gerade Mädels sind oft unsicher, ob sie mit dem Kiten beginnen sollen. Nach dem ersten Kurs sind viele dann unheilbar kitesüchtig. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

In Sachen „Kiten-soll ich?“ gibt es ganz unterschiedliche Typen, sowohl in der „Ja“- als auch in der „Nein“-Fraktion. In der „Nein“-Fraktion gibt es diejenigen, denen Kiten einfach zu aufwendig erscheint – das ganze Material, die viele Kohle, das dauernde Herumgefahre, das ewige Auf-den-Wind-warten, der immense Zeitaufwand und und und.
Bei den anderen steht die Angst im Vordergrund. Achtung, Klischee-Alarm: Das betrifft sehr oft Frauen. Es ist aber auch wissenschaftlich belegt: Frauen sind allein aufgrund ihrer Gene ängstlicher als Männer, und bis dato ist noch kein Kraut dagegen gewachsen. Das soll aber jetzt eh nicht Thema dieses Artikels sein – schließlich geht es hier darum, wie man die Angst vorm Kiten in Respekt umwandelt.

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Play safe, stay safe: Das Wissen rund um Wetter und Wind spielt beim Kitesurfen eine enorm wichtige Rolle. (c) Helmut Fuchs

Zuerst aber noch kurz zurück zur „Ja“-Fraktion – in der es viele gibt, die weder Angst noch Respekt vor dem Kitesurfen haben. Diese speziellen, harten Fälle leben oft gefährlicher als die Ängstlichen. Warum? Weil sie sich denken: Wozu soll ich einen Kitekurs machen? Ist doch rausgeschmissenes Geld. Das kann ja nicht so schwer sein. Oft findet man solche Typen unter Windsurfern (Klischee-Alarm die zweite), die Kiten als „Pussysport“ abtun (weil man dafür nicht so viel Kraft benötigt). Klar, sie haben den Vorteil, dass sie sich mit dem Wind bereits auskennen – das ist viel wert. Und Windsurfen ist ein sauharter Sport, keine Frage. Aber im Gegensatz zum Windsurfen kann man beim Kiten sein Material nicht so mir-nix-dir-nix wegschmeißen, wenn es mal happig wird – etwa, wenn der Wind schlagartig zunimmt, es ein Problem mit den Leinen gibt oder der Kite unkontrolliert loopt. Wer es noch nicht selbst erlebt hat, kann sich schwer vorstellen, dass man sich mit einem unkontrolliert loopenden Kite fühlt, als würde man an einem LKW hängen, dessen Fahrer vollgas gibt. Die Kräfte, die so ein Kite entwickeln kann, haben schon viele überrascht.

So, bevor ich jetzt aber hier zu viel Angst und Schrecken verbreite und jemandem die Lust aufs Kitesurfen endgültig verderbe, gehe ich besser vom Problem zur Lösung über. Die Folgenden Punkte sollen eines sicherstellen: Risiken beim Kiten minimieren und somit den maximalen Spaß herausholen.

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Safety-Basics: Im Kurs lernt man, wie man den Kite kontrolliert, wie Material und Sicherheitsfeatures funktionieren. Kitesurfen lernen ohne Kurs? Keine gute Idee. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Regel Nummer eins: Mach einen Kite-Kurs!!!

Klar ist es verlockend, sich das Kiten von Freunden oder vom Partner beibringen zu lassen. Der Beziehung – aber in erster Linie der Sicherheit wegen – gibt es hier nur eines zu sagen: Let it be. Meine Meinung. So ein Kitekurs mag zwar auf den ersten Blick eine Stange Geld kosten, jedoch ist die investierte Kohle im Vergleich zu den Risiken, die man ohne Kurs eingeht, ein Klacks. Auch, wenn Freunde oder der Partner perfekt ausgebildete Kitelehrer sind, bleibt immer noch das Risiko für Stress und persönliche Differenzen bestehen. Ok, ok … ich weiß, Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt auch viele Paare, für die es super funktioniert, dass der eine den anderen unterrichtet. Trotzdem würde ich prinzipiell eher davon abraten.

Wer einen Kurs buchen will, sucht sich am besten eine Kiteschule an einem anfängertauglichen Spot aus (googlen oder Leute fragen, die sich auskennen bzw. schon dort waren). Besonders anfängertauglich sind Spots, an denen der Wind nicht rein auflandiger weht, sondern sideshore oder offshore und mit Rettungsboot. Auch flaches Wasser und konstanter Wind machen das Lernen um ein Vielfaches einfacher als Welle und böiger Wind. Wer Angst vor tiefem Wasser hat, sollte sich für den Anfang unbedingt ein Stehrevier aussuchen – denn wenn zur ungewohnten Kombi Kite und Wind noch zusätzliche Nervösität hinzukommt, macht’s keinen Spaß.

Gute Lernreviere findet man zum Beispiel in Ägypten: Stehtiefe Lagunen, konstanter Wind, warme Temperaturen, flaches Wasser. Andererseits: Wer das Kiten an einem „schwierigeren“ Spot lernt, tut sich im Laufe seiner weiteren Kitekarriere wahrscheinlich wesentlich leichter. Ich habe es schon oft erlebt, dass Leute, die in Ägypten schon in beide Richtungen upwind gefahren sind, an einem weniger einfachen Spot plötzlich wieder komplett bei Null anfangen mussten. Damit muss man rechnen! Der umgekehrte Fall: An einem Spot ohne Laborbedingungen lernen – und sich beim ersten Mal Kiten mit konstantem Wind und Flachwasser wie der King fühlen.

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Kitesurfen am Neusiedler See: Für Anfänger ist der Spot nicht immer super-easy zu handhaben. Trotzdem: Wer hier kiten lernt, hat anderen möglicherweise etwas voraus.  (c) Helmut Fuchs

Auch die Homepage der Kiteschule sollte man vorher unbedingt checken – sie sollte VDWS– (Verein des deutschen Wassersports) oder IKO– (International Kiteboarding Organisation) zertifiziert sein. Das sind die zwei großen Verbände, die Kite-Instruktoren ausbilden und Ausbildungsstandards an Schulen festlegen. Ich habe eine VDWS-Instructor-Ausbildung, mein Mann eine von der IKO. Natürlich tun wir immer so, als wäre die jeweils eigene Ausbildung viel besser als die des Anderen. Aber ganz ehrlich: Was man bevorzugt, ist Geschmacksache – die Lehrtechniken sind zwar etwas unterschiedlich, führen aber selbstverständlich beide zum Erfolg. Und ob jemand ein guter Lehrer ist, hängt nicht nur von der Ausbildung, sondern auch von Charakter und persönlicher Motivation ab.

In einem Kite-Basiskurs, der in der Regel 9-12 Stunden (je nach Schule, dafür kann ich keine Gewähr übernehmen) dauert, lernt man – unter anderem:

  • die Basics rund um Wind und Wetter
  • alles übers Windfenster, Windrichtungen und die Kurse beim Kiten (Amwind, Halbwind etc.)
  • welche Vorfahrtsregeln am Wasser gelten
  • die Bestandteile eines Kites und wozu sie gut sind
  • welches Material man benötigt und wie es funktioniert
  • wie ein Kite auf- und abgebaut wird inkl. Anleinen
  • wie die Sicherheitsfeatures eines Kites (Quick-Release und Co.) funktionieren
  • wie ein Kite gestartet und gelandet wird
  • den Relaunch am Wasser
  • den Bodydrag (plus Upwind-Bodydrag) – wie bewege ich mich mit Kite am Wasser ohne Board, wie komme ich wieder zu meinem Brett, wenn ich es verloren habe?
  • abhängig vom jeweiligen persönlichen Fortschritt: den Wasserstart mit Board
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Kiteschüler tragen  bei Kursen einen Helm zur Sicherheit. Manche Schulen setzen auch eine Boardleash ein (d. h. eine „Leine“ fürs Board, damit man nicht jedesmal  bodydraggen muss, wenn man es verliert). (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Nach dem Kurs neigt man dazu, – vor allem, wenn man Top-Bedingungen hatte, der Wasserstart funktioniert hat und man bereits die ersten Meter gefahren ist – zu denken, dass ab jetzt alles immer so funktioniert. Da a) bei den meisten aber etwas Zeit zwischen Kurs und der nächsten Kite-Gelegenheit liegt und b) man danach nicht immer am selben Spot weitermacht, an dem man gelernt hat, ist das oft nicht der Fall. Sprich: Es geht nix und man ist gefrustet. Die gute Nachricht: Das ist normal. Einfach weitermachen – und im besten Fall einen Auffrischungskurs oder eine private Stunde mit einem Lehrer dranhängen. Das ist gut investiertes Geld!


Regel Nummer zwei: Safety first

Wir kennen es ja alle schon vom Autofahren – in der ersten Zeit nach der Fahrschule beachtet man noch brav alles, was man gelernt hat. Aber mit etwas Übung macht sich auch schon die Schluderei breit. Alles passiert fast automatisch, wenn’s sein muss, auch im Schlaf. Schlechte Gewohnheiten schleichen sich ein … Für kurze Strecken schnallt man sich sowieso nicht mehr an. Bei dunkelgelb noch schnell über die Ampel geknallt. Und so weiter, und so fort.
Ich bin ja selbst beim Autofahren so nachlässig und muss mich deshalb immer wieder an der Nase nehmen, um Sicherheitschecks etc. nicht schleifen zu lassen. Wie auch immer – Sorgfalt und Vorsicht sind beim Kiten das A und O. Schließlich will man gefährliche Situationen möglichst von vornherein ausschließen.

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Immer aufs Wetter schauen! Dunkle Wolken machen es oft sinnvoller, ein Gläschen zu genießen, als noch eine Session anzugehen. Alkohol und Kiten vertragen sich sowieso schlecht. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Die wichtigsten Sicherheits- bzw. Vorsichtsmaßnahmen  habe ich hier zusammengefasst:

  • Immer Ausrüstung checken (v. a. Chickenloop, Quickrelease und Leinen) – vor und nach der Session, außerdem Ausrüstung stets mit Süßwasser reinigen. Auch wenn es nicht notwendig ist, von Zeit zu Zeit das Quickrelease betätigen und wieder zusammenbauen. Damit man im Falle des Falles nicht mit großen Augen vor einem Rätsel steht. Mehr zum Thema Safety-Checks gibt es hier im Artikel rund um No-Wind-Activities.
  • Steht der Kauf des ersten eigenen Kitematerials an? Dann sollte man sich erstmal umfassend informieren, nach Möglichkeit mit jemandem reden, der Erfahrung hat (oder sich den Artikel unter dem Link oben durchlesen). Irgendwas online zu ersteigern oder zu kaufen, nur weil es günstig ist, kann ziemlich in die Hose gehen! Ein Anfänger, der sich einen 20-Quadratmeter-C-Kite aus dem Jahre Schnee ersteigert, wird im besten Fall saumäßig frustriert sein, im schlimmsten Fall aber im Krankenhaus landen. Tipp: Kiteschulen verkaufen oft gebrauchtes Equipment nach der Saison, hier muss man allerdings drauf achten, wie „used“ das Material ist (wichtig vor allem bei Kites, bei Boards spielt es weniger eine Rolle). Am besten, ihr nehmt jemanden mit, der schon länger kitet und Erfahrung beim Materialkauf hat.
  • Bei ausgeborgtem Equipment gilt: sich unbedingt alles erklären lassen, bevor man damit aufs Wasser geht. Viele Sicherheitssysteme funktionieren total unterschiedlich.
  • Wer mit Boardleash fährt, sollte, nein MUSS immer einen Helm tragen. Ausnahmslos.
  • Vorfahrtsregeln am Wasser sollten natürlich immer beachtet werden (ABER: auch ausweichen, wenn ihr eindeutig im Recht seid, dadurch aber einen Unfall verhindern könnt. Safety vor Ego.)
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Der Kitekurs ist schon länger her, und jetzt geht nichts mehr, es scheint, als habe man alles verlernt? Da kann eine Einzelstunde zur Auffrischung Wunder bewirken. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

  • Kitekontrolle trainieren: Wer seinen Kite unter Kontrolle hat, fühlt sich automatisch viel sicherer. Starten und Landen üben etwa kann man gar nicht oft genug – denn dabei passieren leider auch die meisten Unfälle. Manche Kiteschulen lassen die Schüler aus diversen (oft berechtigten) Gründen die Kites nicht selber starten und landen, sondern übergeben und übernehmen die Kites vor und nach der Schulung in der Luft. Man lernt also vielleicht fahren, hat aber vom Starten und Landen keine Ahnung. Nicht gut. In solchen Fällen unbedingt rasch nachholen – zum Beispiel, wenn man das nächste Mal an einer anderen Station kiten geht. Keiner wird wegen so etwas ausgelacht, ganz im Gegenteil: Erfahrene Kiter haben selbst einmal angefangen und schätzen es viel mehr, wenn jemand zugibt, dass er etwas nicht kann. Dazu braucht es nämlich Eier! Diejenigen, die den großen Macker raushauen und so tun, als würde sie eh alles können und wissen, dann aber sich selbst und andere gefährden, machen sich maximal unbeliebt. Und so einen Stempel wird man nicht so leicht wieder los. Mehr zum Thema Kite-Etikette und Benimmregeln gibt es übrigens hier.
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Nicht immer sind andere Kiter zur Stelle … Aber jemand, der selbst nicht kitet, hat üblicherweise keine Ahnung, was er als Start- oder Landehelfer zu tun hat. Drum: möglichst genaue Anweisungen geben. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

  • Starten und Landen:  Manchmal ist gerade keiner da, der beim Starten oder Landen behilflich sein kann. Zumindest kein anderer Kiter. Weiß der ausgewählte Assistent nicht, wie man richtig Starthilfe leistet, muss man ihm erklären, was er zu tun hat. Und zwar genauestens – so, wie man es im Kitekurs (hoffentlich) gelernt hat. Wichtig wäre zum Beispiel auch: den Kite auf keinen Fall vor dem Startzeichen auslassen oder gar nach oben anschubsen. Das kann nämlich böse ausgehen, wenn der Starthelfer die Bitte „Wirfst du ihn mir mal rauf?“ zu wörtlich nimmt. Ist mir schon passiert, und das war alles andere als witzig – seitdem gehe ich entweder a) sicher, dass ich mir nur von jemandem helfen lasse, der weiß, wie’s geht oder b) ich erkläre die Schritte und Handzeichen ganz genau: Nicht auslassen, bevor mein Daumen oben ist! Beim Landen sollte der Helfer übrigens davon in Kenntnis gesetzt werden, dass er den Kite – sofern er nicht weiß, wie man ihn im Wind richtig hinlegt – festhält (fest!!!), bis man bei ihm ist und ihm den Schirm abnimmt.

    Und überhaupt: Egal, wie lange man schon kitet und wie gut man seinen Start-/Landehelfer kennt – die Start-/Landezeichen sollte man trotzdem immer geben.  Was ich auch ganz wichtig finde, ist, sich nicht nur stur auf sich selbst zu konzentrieren, sondern auch auf die anderen Kiter am Spot zu schauen – braucht jemand Hilfe beim Landen oder Starten?  Diesbezüglich wundere ich mich wirklich oft über die Ignoranz mancher Kiter. Mehr über Benimmregeln beim Kitesurfen gibt es in diesem Artikel.

  • Self Rescue & Upwind Bodydrag: Wer diese Techniken nicht beherrscht, sollte sie so schnell wie möglich lernen. Warum? Wer nicht weiß, wie ein Upwind Bodydrag funktioniert, kommt nicht mehr zu seinem Board zurück, wenn er es einmal verloren hat. Und wer einmal mit einer gerissenen Leine oder bei plötzlich eingeschlafenem Wind weit draußen am Meer getrieben ist, versteht, warum man ohne Self Rescue ziemlich aufgeschmissen sein kann.
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Den Kite im Wind richtig hinlegen – auch etwas, das man gleich am Anfang lernen sollte. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

  • Wetter und Wind vor eienr Session checken! Auf keinen Fall raus bei Gewittern – die leider wie aus dem Nichts auftauchen können. Wenn ihr am Wasser seid, regelmäßig einen Rundumblick machen. Seitdem mein Mann und ich einmal von einer schwarzen Gewitterwand von hinten überrascht wurden (und ich darauf bei 50-60 Knoten durch die Luft geflogen bin), vergessen wir beide nicht mehr drauf.
    Wichtig: Bei den Wind-Forecasts nicht nur den Grundwind, sondern vor allem die Böen beachten! Für Beginner sollte alles über 25 Knoten tabu sein – üblicherweise gibt es ab dieser Windstärke auch keine Schulungen mehr.
Kitesurfen bei starkem Wind und Welle – nicht die idealen Bedingungen, wenn man noch unerfahren ist. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

  • Wer sich nicht sicher ist, welche Kitegröße er nehmen soll: die anderen Kiter am Spot fragen oder schauen, was die fahren. Sind keine anderen da: Im Zweifelsfall den kleineren Kite nehmen. Viele schwere Unfälle passieren, wenn Leute maßlos überpowert aufs Wasser gehen. Auf den größeren Kite kann man immer noch umsteigen, wenn mit dem kleineren wirklich nichts geht.
  • Bei neuen Spots immer erst die Station um eine Einführung bitten – bzw. wenn es keine Station vor Ort gibt, die Locals fragen. Viele Sicherheitsrisiken (Untiefen, Strömungen, Korallen etc.) sind mit freiem Auge nicht gleich erkennbar. Wenn niemand vor Ort ist, sollte man es als ungeübter Kiter lieber sein lassen.
  • Als Anfänger niemals alleine kiten gehen. Das ist selbst für erfahrene Kitesurfer riskant.
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Wenn’s kalt ist, hat man am Wasser zwar angenehm viel Platz – aber allzu viele Stürze sind nicht drin: Auskühlungsgefahr! (c) Helmut Fuchs/kitejoy

  • Bei der Frage „Wie gut kite ich wirklich?“ sollte man ehrlich zu sich selbst sein. Besser ein wenig tiefstapeln als sich überschätzen. Selbstüberschätzung hat leider schon zu vielen Unfällen geführt.
  • Sich immer warm genug anziehen. Kälte macht unbeweglich – das kann extrem gefährlich werden! Bei sehr niedrigen Temperaturen sollten Kiter mit wenig Erfahrung besser zusehen. Solange man am Fahren ist, ist die Kälte zwar halb so schlimm – fällt man aber ins Wasser oder muss länger schwimmen – etwa wenn der Wind einschläft oder sich der Kite nicht gleich wieder starten lässt – kühlt man sogar mit dickem Neo und Trockenanzug sehr schnell aus.
  • Genau wie Kälte ist auch Hitze nicht zu unterschätzen – Sonnenstich und Co. lassen grüßen. Wichtig: Genug trinken und auf UV-Schutz achten.
  • Ein Handy am Strand, oder – wenn man alleine unterwegs ist – in einer wasserdichten Hülle im Neo sollte im Notfall immer dabei sein.
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Starten, Landen, Abstand halten, wer hat wann wie wo Vorfahrt: Um die Basics des Kitens kommt man nicht herum. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

  • Nach beängstigenden Erlebnissen wie harten Stürzen, plötzlichem Sturm, einem Zusammenstoß mit einem anderem Kiter, Troubles beim Starten oder Landen usw. neigt man dazu, sich in seiner Angst zu verkriechen und nicht mehr aufs Wasser zu gehen. Das macht aber auch keinen Sinn – denn, je länger die Pause, desto schwieriger der Wiedereinstieg. Will man also trotz des Erlebnisses weitermachen, gilt erst einmal: Cool down. Schlechte Erfahrungen bleiben beim Kitesurfen leider nie ganz aus.
    Was hilft: Mit anderen Kitern drüber reden (es gibt kaum jemanden, der nicht selbst schon einmal ein gefährliches Erlebnis hatte – mehr dazu im Artikel rund um Kitemares), nochmal alle Safety-Rules durchgehen und sich helfen lassen – zum Beispiel beim Starten drum bitten, dass jemand hinter einem steht und das Trapez festhält, wenn man sich dadurch sicherer fühlt.

    Und immer daran denken: Dass zweimal hintereinander dasselbe passiert, ist relativ unwahrscheinlich. Schon allein, weil man – wenn man selber an der Situation schuld war – den selben Fehler kaum ein zweites Mal machen wird.

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Aua, das sieht schmerzhaft aus! Passiert ist bei diesem Sturz aber nichts.  (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Zugegeben – wenn man sich vor Augen hält, was beim Kitesurfen so alles passieren könnte, verfällt man schon mal in Angst und Schrecken.
Aber: Wer mit Köpfchen kitet und sich seiner Eigenverantwortung bewusst ist, braucht eben keine Angst zu haben – sondern kann den Spaß daran uneingeschränkt genießen. Mit Respekt vor der Sportart, vor dem Material, vor den anderen Kitern – vor allem aber vor den den Naturgewalten Wasser und Wind. Klar sollte man sich dessen bewusst sein, was alles passieren kann  – aber ebenso, wie man das Risiko so gering wie möglich hält.


Ich hoffe, ich konnte hiermit hilfreiche Infos liefern – auch, wenn das Thema eigentlich nicht angenehm ist. Notwendig ist es allemal! Sofern jemandem noch etwas dazu einfällt, kontaktiert mich an bzw.  schreibt einen Kommentar. Ich freue mich immer über Feedback!

Zum Schluss hab ich hier noch ein Video zum Thema gefunden … echt sehenswert, weil nützlich und witzig zugleich:
https://www.youtube.com/watch?v=i_1zWppsCEQ

Aloha, Anja

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7 Kommentare auf "Kitesurfen: Wie aus Angst (gesunder) Respekt wird"

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[…] Anonymous bei Kitesurfen: Wie aus Angst (gesunder) Respekt wird […]

Simone Puligheddu
Gast

Wer beginnt Surfen tief Änderungen an Kite und wird zu einer Person tiefer und bewusster. Ein wunderbarer Sport in Kontakt mit der Natur und das Meer. Jetzt ist es so lange her, in Sardinien ( https://kiteboardingsardinia.com/kitesurfen-sardinien/ ) ich meine erste Lektion nahm.

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[…] Apropos Thema Sicherheit: Kennt ihr schon den Artikel Wie aus Angst (gesunder) Respekt wird? […]

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[…] Wer bei Schlechtwetter kiten geht, muss ganz besonders auf seine Umgebung achten. Vor jeder Session unbedingt die Wettervorhersage anschauen, und auch während man am Strand bzw. am Wasser ist, das Wetter beobachten, da dieses sich vor allem bei Frontsystemen schnell ändern kann. Außerdem sollte das Kite-Equipment und die Safety-Komponenten regelmäßig überprüft werden! Gerade bei niedrigen Temperaturen ist es wichtig, das Risiko für Materialdefekte und Unfälle zu minimieren: Muss man beispielsweise lange im kalten Wasser schwimmen, weil etwa eine Leine gerissen ist oder der Kite nicht mehr startet, kühlt der Körper sehr schnell aus – und das kann lebensgefährlich werden.… Read more »
Urlaubkitesurfen
Gast

Kitesurfen ist eine erstaunliche Erfahrung, die ich jedem vorschlagen 🙂

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[…] Ich wusste und spürte, dass ICH es wirklich will, ICH für MICH – das war ausschlaggebend. Trotz dem Schubs meines Liebsten war es meine eigene Entscheidung, mich wieder an einen Kite zu hängen. Das relativierte auch meine Angst. Denn nur, weil man vor etwas Angst hat, heißt das nicht, dass man es nicht machen soll! Das Gefühl im Bauch kann trotz Angst ein gutes sein, man muss nur nachspüren – mache ich einen Fehler oder habe ich nur Angst, weil etwas Neues auf mich zukommt? Und wenn man die Angst dann besiegt hat, fühlt es sich einfach unbeschreiblich gut… Read more »
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