Valentin Bontus: Ein Jahr in der World Class Kiteboard Academy

Valentin Bontus ist 16 und Profi-Kiter aus Österreich. Im vergangenen Jahr wurde er an der World Class Kiteoboard Academy angenommen und hat ein ganzes Jahr mit Kiten, Schule und Reisen rund um die Welt verbracht. Hier erzählt er über seine Erfahrungen aus dieser Zeit, seinen neuen Sponsor und was er in den nächsten Monaten vorhat.

Die Background-Story

Valentin Bontus (von seinen Freunden “Vali” genannt) hat schon mit 10 Jahren mit dem Kitesurfen begonnen. Schon seit Beginn seiner Kite-Karriere an hat er immer intensiv übers Internet und Magazine verfolgt, was die Pros machen. 2014 ist er schließlich zum ersten Mal in der Junior-PKRA mitgefahren. Nach seinen ersten Wettkämpfen hatte er Blut geleckt – und wollte mehr. Er hat sich ununterbrochen Pro-Videos angeschaut, um neue Tricks zu lernen und seine Technik zu verbessern. Einer seiner ersten Trainer war Snowkite-Weltmeister Olsen (aka Oliver Palmers).

Ich habe Valis Mutter Claudia gefragt, wie sie es als Familie (es kiten übrigens alle – beide Elternteile und auch seine Schwester Linda) geschafft haben, den organisatorischen Aufwand der Kombi aus Schule, Training und Competitions zu bewältigen. Möglich war das vor allem, weil sie und ihr Mann gemeinsam eine Firma führen und es so organisieren konnten, dass immer ein Elternteil mit Valentin unterwegs war (bzw. ist).

Aber natürlich war und bleibt die Sache mit der Schule eine logistische Herausforderung. Für Valentin und seine Family ist es wichtig, dass er trotz seiner professionellen Kite-Laufbahn die Matura (das Abitur) macht.
Die World Class Kiteboard Academy kam sozusagen gerade recht – weil sie die ideale Kombination für Valis Ansprüche war: Intensives Kitetraining und trotzdem nichts in der Schule verpassen.


Der nächste WKL-Stop ist im September in Texel/Niederlande, dort wird auch eine Qualification League gefahren, bei der Valentin sein Glück einmal in der Erwachsenen-Klasse versuchen wird. Die nächsten Stationen hängen dann davon ab, ob er die Qualifikation schafft. Danach gibt es in der Schule einiges nachzuholen, bevor es weitergeht nach Brasilien und Kapstadt (dort trainiert er Wavestyle, sein zweites Steckenpferd).

Außerdem würde Vali gerne in der Twintip-Race-Disziplin bei der Jugend-Olympiade in Buenos Aires mit dabeisein. Ob das funktioniert, steht aber noch in den Sternen – da es schwierig ist, mit dem olympischen Kommitee in Kontakt zu kommen.

In letzter Zeit sind jedenfalls viele gute Dinge passiert: Unter anderem bekommt Valentin nun von Eleveight Kites sein erstes Fullsponsoring, nachdem er dort von einer großen Mehrheit als Teamrider nominiert wurde. Im Jahr davor hatte er nicht nur an seinen Kite-Skills gearbeitet, sondern auch seine Social-Media-Aktivitäten mit Fotos und Videos sehr gepusht – harte Arbeit, die sich schließlich bezahlt gemacht hat.

Im Folgenden erzählt er von seinen Erlebnissen mit der World Class Kiteboard Academy.


Wenn Träume wahr werden:
Valentin Bontus’ Jahr in der
World Class Kiteboard Academy

Ein Jahr in einem ganz anderen Schulsystem mit Leuten aus aller Welt verbringen und dabei viele verschiedene Länder bereisen und dabei noch meine Kite-Fähigkeiten ans Limit zu pushen – etwas besseres konnte mir nicht passieren.

Als meine Mutter vergangenes Jahr im April die World Class Kiteboard Academy auf Facebook entdeckt hat, konnten wir erst gar nicht glauben, dass es so eine Einrichtung überhaupt gibt! Der Bewerbungsprozess war ganz schön herausfordernd, und ich war nicht sicher, ob ich Erfolg haben würde.
Dann waren wir schließlich in Kontakt mit dem Direktor der Schule, Capo Retting, und schnell wurde klar, dass die WCKA genau das Richtige für mich war. “Rethink education”, also das Bildungssystem überdenken, war das Stichwort für meine Eltern. Sie beschlossen, mit an dieser etwas anderen Art der Schule teilnehmen zu lassen – die mit ihrem neuen Lehrsystem darauf abzielt, Schüler zu starken, weltoffenen Persönlichkeiten werden zu lassen – aber stets unter intensiver Aufsicht und Betreuung.


Das Schuljahr an der WCKA ist quartalsmäßig aufgeteilt. In jedem Quartal bereits man unterschiedliche Länder, lernt neue Kulturen und jede Menge Kitespots kennen. Das mag vielleicht nach Urlaub klingen – man verbringt aber trotzdem verbringt man jede Menge Zeit in der Schule.

Der Lehrplan fokussiert mehrere Wissensgebiete. Algebra, Weltgeschichte, Biologie, Literatur (für mich ein schwieriger Part), Spanisch und Medienunterricht waren die Fächer, die ich gewählt hatte. Jede Woche musste ein Mentor (jeder Gruppe von drei bis fünf Schülern war ein Mentor zugeteilt) Bericht über unsere Fortschritte – auf dem Wasser und in der Schule – an unsere Eltern abliefern.


Quartal 1:
Hood River, Oregon & Maui, Hawaii

Anfang September brachten mich meine Eltern nach Hood River, Oregon , wo ich in die WCKA einstieg. Anfangs war das dort schon etwas schräg, ich kannte niemanden und alles war neu. Ich wusste damals ja noch nicht, dass meine Schulkollegen schließlich Freunde fürs Leben werden würden. Wir haben die vier Wochen dort in einer alten High School verbracht, was mich ein wenig an die Szenerie im Film “High School Musical” erinnert hat. Ein Ort, an dem wir uns alle sofort wohlgefühlt haben.

Im Nachhinein muss ich ehrlich sagen, dass ich Hood River von allen bereisten Orten am liebsten mochte. Die beeindruckende Landschaft dort und die Kitesessions im River Gorge waren einfach nur unglaublich.


Nach ungefähr vier Schulwochen in Oregon ging es weiter nach Maui, Hawaii – damit wurde für uns alle ein Traum wahr. Maui war für mich immer schon DER Kitespot, an dem man zumindest einmal im Leben gewesen sein muss.

Die Unterkunft in einem Pfadfinderlager war zwar sehr bescheiden, aber das hat es auch interessant gemacht. Dazu noch all diese exotischen Tiere, die Natur, der Wind und die Wellen – diese Kombination auf Hawaii war einfach einzigartig.


Quartal 2: Brasilien

Nach jedem Quartal reisten die Schüler für eine Woche zurück nach Hause. Nach dieser ersten Pause trafen wir uns alle gemeinsam wieder im brasilianischen Fortaleza.  Alle waren total aufgeregt, da Brasilien zweifelsohne die besten Spots für Freestyle-Training bietet. Insgesamt sind wir sieben Wochen lang dort geblieben und sind an jeder Menge unterschiedliche Spots und Lagunen gewesen.

Zuerst fuhren wir nach Barra Nova, was auf jeden Fall eine guter Anfang war, weil dort nur wenig los war und wir fast die ganze Lagune nur für uns hatten. Nach einer Woche dort ging es weiter nach Cumbuco – den wahrscheinlich bekanntesten Kitespot in Brasilien. Es war unglaublich schön dort, wir wohnten in zwei Häusern mit Selbstversorgung und konnten in der Cauipe-Lagune trainieren.
Unsere letzte Brasilien-Station war Taíba. Ausnahmslos alle haben diesen Spot geliebt – bei perfekten Bedingungen und Flachwasser machten wir jede Menge Fortschritte und konnten vielen Pros zusehen, die uns in Sachen Technik mit Tips weiterhalfen.


Quartal 3: Panama & Kolumbien

Nach wochenlangem Kiten auf perfektem Flachwasser in Brasilien war das Kabbelwasser in Panama ganz schön herausfordernd. Schließlich schafften wir es aber doch alle, unsere Tricks auch bei schwierigeren Bedingungen zu landen.

Gewohnt haben wir im Nitro City Hotel – dem so ziemlich einzig netten Hotel in Punta Chame. -Dort hatten wir unsere Zimmer direkt am Spot, so dass neben dem Lernen keine Zeit fürs Kite-Training verloren ging. Die Zeit in Nitro City war superlustig, denn auch an den Tagen ohne Wind konnte man viel unternehmen, es gibt einen Cable-Park zum Wakeboarden, eine Paintpall- und Pump-Track-Anlage, man kann Bogenschießen, Tischtennis spielen und vieles mehr. Deshalb mussten wir besonders darauf achten, unsere Hausaufgaben zu erledigen, denn ein Grundsatz der Schule lautet: Keine Hausaufgaben – kein Kiten.

Von Panama selbst haben wir durch das Hotel und die vielen Freizeitaktivitäten allerdings nicht viel mitbekommen.


Kolumbien, der zweite Stop in Quartal Nummer drei, war dann schon etwas abenteuerlicher. Vier Wochen lang reisten wir quer durchs Land, immer auf der Suche nach neuen Spots. Zuerst blieben wir in  Cartagena. Dort hatten wir mit dem Wind nur wenig Glück, allerdings war es total interessant, die Lokale und die Stadt kennenzulernen.

Der beste Spot, den wir in Kolumbien gefunden haben, war schließlich Cabo de la Vela im Norden des Landes, eine ziemlich kleiner Ort, an dem es nicht einmal überall Strom gibt und an dem auch Essen und Wasser knapp sind. Lebensbedingungen, die sich unsereins kaum vorstellen kann.
Alles in allem beschwerte uns Kolumbien nicht die beste Windausbeute, trotzdem war es in Sachen Kultur, Essen, Landschaft und Sprache eine der spannendsten Destination des Jahres.


Quartal 4: Marokko & Tarifa

Bei der Ankunft in Marokko wurde uns bewusst, dass mit dem letzten Viertel-Schuljahr auch die letzte unserer gemeinsamen Reiseetappen begonnen hatte. Das ließ die Gruppe irgendwie noch enger zusammenwachsen.

Nach einem Jahr mit viel Flachwasser ohne Wellen war es unglaublich, schließlich etwas Zeit in Moulay zu verbringen – ein Spot nahe Essaouira der uns großartige Wellen und ordentlichen Wind brachte.


Dort blieben wir eine Woche lang, bis es weiterging nach Dakhla , einen großartigen Lagunenspot in der westlichen Sahara-Wüste. Wir waren im Dakhla-Attitude-Hotel einquartiert, das neben Zimmern auch über Zeltunterkünfte verfügt. Es war unglaublich, wie freundlich die Angestellten des Hotels waren. Und noch dazu wohnten wir direkt am Spot! Nach dem Unterricht konnten wir geradewegs aufs Wasser gehen – eine Flachwasserlagune vor dem Hotel, fürs Training einfach perfekt.
Am Nachmittag machten wir meist Downwind-Sessions zur White Dune oder zum Wavespot.

Das Highlight des letzten Vierteljahres war für mich Tarifa. Ein Ort, an dem man flaches Wasser, aber auch Wellen findet – was immer man möchte. Wir hatten viele Tage mit starkem Levante, aber auch einige Tage mit Poniente, der nicht so stark war. Bei Poniente trainierten wir Freestyle am Playa de los Lances, dort gibt es eine riesige Lagune mit perfektem Flachwasser. Bei Levante bin ich am liebsten direkt in Tarifa am Spot Balneario kiten gewesen – ein unglaublicher Spot mit starkem Offshore-Bedingungen, perfekt für hohe Sprünge und Megaloops. In Tarifa konnte ich mir einerseits die Adrenalinkicks holen, aber mich ebenso auf Freestyle-Training konzentrieren und mich wesentlich verbessern.


Gewohnt haben wir in einer wunderschönen, riesengroßen Hacienda außerhalb des Stadtkerns von Tarifa. Mitte Mai kamen schließlich alle Eltern der Schüler, um den Abschluß des Schuljahres gemeinsam zu feiern – eine sehr emotionale Zeremonie mit anschließender Partynacht in Tarifa.

Die Zeit in der WCKA ist etwas, was ich garantiert nie vergessen werde. Ein Jahr, in dem ich so viele Leute getroffen und Freunde fürs Leben kennengelernt habe. Was ich mir davor nicht hätte vorstellen können, war, dass auch Lehrer zu Freunden werden können – aber die WCKA hat mir das Gegenteil bewiesen.

Ein riesengroßes Danke an die World Class Kiteboard Academy für diese Erfahrung! Ich hoffe, meine Kite-Familie bald wieder zu treffen!


Wer mehr über Valentin wissen möchte, sollte auf seinen Social-Media-Accounts vorbeischauen:

Valentin Bontus auf Instagram

Valentin Bontus Kiteboarding auf Facebook



 

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2 Kommentare auf "Valentin Bontus: Ein Jahr in der World Class Kiteboard Academy"

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