Let’s get off the hook! Unhooked-Tipps von den Profis

Viele Kiter möchten sich, nachdem sie eingehängte Sprünge beherrschen, auch an ausgehakte Tricks heranwagen. Nicht nur, dass sich dadurch ein ganz neues Kite-Feeling ergibt – Unhooked-Manöver eröffnen einem so viele neue Möglichkeiten! Ich habe vier Pro-Kitesurfer gebeten, mir für Kitejoy ihre wichtigsten Tipps für die ersten Unhooked-Schritte zu verraten.

Unhooked-Tipps: Mythen und Wahrheit

Wenn es darum geht, den Chickenloop aus dem Trapezhaken zu lassen, sind nicht wenige Kiter am Zögern, auch wenn sie in puncto Können schon lange so weit wären. Manche haben vielleicht irgendwo einmal gehört, dass man dafür sehr viel Kraft in den Armen braucht. Natürlich steigen die körperlichen Anforderungen mit der Schwierigkeit der Unhooked-Manöver, aber primär geht es um Technik, nicht um Kraft.

(c) Helmut Fuchs/kitejoy

Auch die Angst, sich wehzutun ist in Sachen unhooked weit verbreitet – weil viele bei ihren ersten Versuchen schlechte Erfahrungen gemacht haben.
Als ich meinen Kite zum ersten Mal ausgehängt habe, hatte ich null Ahnung von der Materie – der Wind blies mit knapp 20 Knoten und ich war mit 11.5 sowieso schon total überpowert. Das Ganze ging natürlich gröber schief und ich flog mit vor Angst geweiteten Augen völlig unkontrolliert hinter dem Kite her, verlenkte ihn dann noch nach oben, um schließlich nach einer Runde Teabagging heftig am Wasser einzuschlagen. Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich die Leash auch nicht im Unhooked-Modus fixiert … noch dazu war der Wind onshore und nicht mehr viel Platz zum Strand. Oh yeah.

Klar, dass diese Erfahrung etwas beängstigend war – und dass ich es dann länger nicht probieren wollte, aus Angst mich dabei umzubringen. Ich beschloss, dass alles, was mit unhooked zu tun hatte, den Profis vorbehalten war und ich ohnehin nie soweit kommen würde.

Wenn unhooked etwas schief geht, die Bar loslassen – dann tun Stürze weniger weh. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Irgendwann wurde mir dann aber doch irgendwie fad mit eingehängten Sprüngen – vor allem, wenn ich etwas zu wenig Power im Kite hatte, um hoch zu springen. Darum beschäftigte ich mich diesmal vorab schon intensiver mit dem Thema unhooked, fragte erfahrenere Kiter um Rat und versuchte es schließlich wieder – und siehe da, ich lebe noch! Nicht nur das, ich habe sogar unglaublich viel Spaß bei ausgehängten Sprüngen und arbeite permanent daran, besser zu werden.

Fazit: Sofern man seine Fahrweise  an vorherrschende Bedingungen anpasst und weiß, wie man sein Equipment handhabt, sind ausgehakte BasicTricks grundsätzlich nicht „gefährlicher“ als eingehängte. Und für simple Unhooked-Manöver muss man auch kein durchtrainierter Supersportler sein.

Wie bei allen Techniken gibt es allerdings auch bei Unhooked-Tricks stets viele verschiedene Meinungen darüber, wie etwas am besten/schnellsten/einfachsten funktioniert. Manches Know-how ist universell, manches ist individuell von Kiter zu Kiter verschieden, beruht auf persönlichen Vorlieben oder Erfahrungswerten.

Deshalb habe ich vier Profi-Kitesurfer gebeten, ihre wichtigsten Tipps für Unhooked-Beginner zusammenzustellen.

Auf Seite 2 gibt es dann nochmals eine Zusammenfassung der wichtigsten Unhooked-Tipps!
>> SEITE 2: UNHOOKED-TIPPS – ÜBERSICHT >>



Andrea Luca Ammann, Kitesurf- und Snowkite-Profi aus der Schweiz

Andrea Luca Ammann ist nicht nur am Wasser unterwegs, er wurde auch bereits Europameister im Snowkiten.

  • Bevor man sich an Unhooked-Tricks wagt, sollte man bereits sicher alleine kiten können sowie das Höhelaufen und die Basic-Tricks beherrschen. Außerdem muss einem bewusst sein, dass unhooked kein Depowerweg zur Verfügung steht und man dabei die volle Power des Kites in den Händen hält. Wichtig ist, dass man sich selbst die ersten Unhooked-Schritte zutraut und Respekt, aber keine Angst vor dem Aushaken hat.
  • Ein Flachwasser-Spot eignet sich am besten zum Üben von ausgehakten Sprüngen. Jedenfalls sollte man sicher gehen, dass man rund um sich viel Platz hat – mindestens zwei Leinenlängen Abstand zum Ufer bzw. zu Hindernissen –  und dass sich keine anderen Kiter in Lee befinden. Für die ersten Unhooked-Versuche nimmt man am besten einen großen Kite (10 qm+) und fährt optimal- bzw leicht unterpowert. Weniger Power ist besser als zuviel, der Kite sollte aber zumindest stabil fliegen und man sollte höhelaufen können.
  • Je nach Kiteshape muss man den Kite leicht depowern, um einen Backstall beim Unhooked-Fahren zu verhindern (bei C- und Open-C-Kites ist das in der Regel nicht notwendig). Die optimale Depower-Dosis findet man, indem man kurz mit komplett angezogener Bar fährt und dem Kite dann soweit depowert, dass es zu keinem Backstall mehr kommt). Die Safety-Leash wird im Suicide-Modus eingehängt, dh. h. in den Safety-Ring plus Chickenloop – man sollte sich jedoch vorher  im Klaren darüber sein, was der Suicide-Modus  ist und was dieser bewirkt. (Anm.: Infos zum Suicide-Modus für das jeweilige Bar-Modell findet man in der Gebrauchsanweisung!)
Der Schweizer Andrea Luca Ammann ist Teamfahrer für Cabrinha International.

  • Bei den Übungen zum Aus- und Einhängen den Kite auf 10, maximal 11 Uhr (bzw. 2 und 1 Uhr) fliegen, die Hände ganz mittig an der Bar platzieren, um ungewollte Lenkimpulse zu verhindern. Der Kite sollte während des Ein- und Aushakens stets die Anfangsposition behalten. Man fährt auf den Kite zu und wenn sich die Leinenspannung verringert, hakt man sich aus. Wenn die Leinenspannung zu stark zum Wiedereinhaken ist, mehr in Richtung Lee fahren , um die Spannung weiter zu verringern. Man kann auch mit einer Hand an den Chickenloop greifen und die Bar auslassen, um sich wieder einzuhaken, während der Kite gedepowert ist. Beherrscht man schließlich das Ein- und Aushaken problemlos, kann man sich an die ersten Tricks wagen.
  • Verliert man die Kontrolle, sollte man die Bar sofort loslassen! So verliert der Kite Power, fällt aufs Wasser und man kann wieder einhängen und starten.

Andrea Luca Ammann auf Facebook



Linda Viktoria Oloffson, Profi-Kiterin und -Snowkiterin aus Norwegen

Linda Viktoria Oloffson ist im Cabrinha-Kiteboarding-Team. (c) Erik Toverud

  • Bevor man über irgendwelche ausgehakten Tricks nachdenkt,  sollte man sich erst unbedingt  einmal  nur mit dem Aus- und  Wiedereinhängen des Chickenloops vertraut machen. Abfallen, aushängen, ein paar Meter fahren und dann wieder einhängen. So bekommt man ein Gefühl dafür, wie der Kite im ausgehakten Zustand zieht und sich steuern lässt.
  • Die meisten Kiter lernen zu springen, indem sie den Kite auf zwölf lenken und die Bar anziehen. Für ausgehängte Tricks muss man aber den Pop ohne Kiteunterstützung lernen. Anstatt den Kite für den Lift nach oben zu verwenden, bleibt der Kite zwischen 10 und 11 Uhr (bzw. 1 und 2 Uhr, wenn man nach rechts springt), man fährt mit viel Speed an und kantet schließlich hart gegen den Kite an, ohne jedoch dabei den Kite nach oben zu steuern. Durch den Pop hebt man ab, zieht dabei auch die Bar an und wirft in der Luft die Beine nach hinten. Das nennt sich dann „Gayley“. Beherrscht man dies gut, ist der Schritt zu einem ordentlichen ausgehängten Railey wesentlich einfacher.
  • Commitment ist alles! Wer sich entschlossen hat, seinen ersten richtigen Railey zu springen, sollte alles geben, damit es auch funktioniert. Wenn man nur halbherzig bei der Sache ist, wird man ziemlich sicher einen Crash hinlegen. Also raus aus der Komfort-Zone, Kneifen ist verboten!
Linda Viktoria war mehrmals Teilnehmerin beim Red Bull Ragnarok und hat die Frauen-Snowboard-Wertung gewonnen. (c) Erik Toverud

  • Muss immer der Railey der erste ausgehängte Trick sein oder kann man auch mit einer unhooked Backroll starten?
    Ich selbst habe mit einem Railey gestartet, da sich das für mich weniger bedrohlich angefühlt hat als eine ausgehängte Rotation. Der Railey ist außerdem die Basis für so viele andere Tricks, wie etwa einen Railey to toeside, einen S-Bend, einen Railey to blind … Wie auch immer, wenn man das Gefühl hat, mit einer unhooked Backroll starten zu wollen, warum nicht? Hauptsache, es fühlt sich gut an!

Linda Viktoria auf Instagram



Mike Mayer, Österreich, Kiteprofi und internationaler Teamrider für Airush

Der Vorarlberger Mike Mayer ist in der PKRA-World-Tour mitgefahren, leitet einen Surfshop und veranstaltet Kitecamps.

  • Kann man mit jedem Kite erste Unhooked-Versuche machen?
    Grundsätzlich eignet sich jeder Kite dazu, ins Unhooked-Fahren einzusteigen. Das sichere Ein- und Aushaken und die ersten Sprünge sind mit jedem Kite möglich, sofern er die richtige Größe hat. Bei fortgeschrittenen Unhooked-Tricks wie Handlepasses werden C-Kites bzw. Open C-Kites bevorzugt, da diese Kites einen besseren Slack (Nachlassen des Drucks) für ein leichteres Übergeben der Bar ermöglichen. Wenn man also vorhat, ausgehakte Tricks zu lernen, geht das grundsätzlich mit einem Wakestyle-Kite besser, da dieser die gewünschten Eigenschaften für diese Disziplin hat. Bevor man mit dem Unhooken beginnt, sollte man den Schirm so depowern dass er bei längerem Heranziehen der Bar keinen Backstall bekommt. Bei den erstem Unhooked-Versuchen empfiehlt es sich zudem auch nicht unbedingt überpowert zu sein.
  • Wovon hängt es ab, ob ein Unhooked-Trick gelingt oder nicht?
    Der Absprung ist essentiell für das Gelingen eines Tricks. Die Ausführung muss bestimmt und kraftvoll sein. Wichtig dabei ist, die Arme stets leicht angewinkelt zu lassen – dies hilft bei weiterführenden Tricks wie Handlepasses, da besser Schwung aufgebaut wird und die Wege während der Rotation kurz gehalten werden. Langes Unhooked-Fahren sollte man vermeiden, da man dabei an Spannkraft verliert, die man aber für einen Trick unbedingt braucht! Den Unhooked-Ablauf (Abfallen, Aushängen, explosives Ankanten, Abspringen) sollte man gut eingeübt haben und auch stets beibehalten. Wenn man einen Sprung abbricht, lieber wieder einhängen und danach wieder von vorne mit dem Ablauf starten.
Mike Mayer ist im internationalen Team von Airush Kiteboarding.

  • Worin unterscheidet sich der Absprung bei einem Hooked- und einem Unhooked-Trick genau?
    Die ersten Schritte sind sehr ähnlich, abfallen muss man bei beiden Varianten, im Ankanten liegt dann jedoch der wesentliche Unterschied. Bei der Unhooked-Variante kann man länger und kraftvoller Ankanten – würde man in der Hooked-Variante so lange Ankanten, dann würde es einen beim Sprung immer verdrehen, da der Schwerpunkt näher beim Körper ist.

http://airush.com/2017/the-team/

www.surfshop-vorarlberg.at



Helen-Giovanna Döpke, Profi-Kitesurferin aus Deutschland

Helen-Giovanna Döpke: „Voll bei der Sache bleiben und auch bei Crashes nicht die Motivation verlieren.“ (c) Anton Baumgart

  • Ich würde empfehlen, die ersten Unhooked-Versuche bei leichtem bis mittelstarkem Wind zu machen. Erstens hat man dann bessere Kontrolle, zweitens ist es einfacher, den Chickenloop bei weniger starkem Wind auszuhängen. Ideal ist ein Spot mit viel Platz, so dass man sich gut auf den Trick vorbereiten kann. Unbedingt darauf achten, dass man für den Fall eines Sturzes genügend Platz nach Lee hat! Flaches Wasser macht den Absprung wesentlich einfacher als Chop und ist daher auch zum Üben optimal.
  • Selbst, wenn du schon Erfahrung mit Boots hast, ist es besser, bei den ersten Unhooked-Versuchen ein Board mit Fußschlaufen zu nehmen. Stürze sind fast unvermeidbar, wenn man ausgehängte Sprünge übt – da ist es besser, wenn man sich bei Bedarf einfach von seinem Board trennen kann.
Helen-Giovanna Döpke: „Man sollte seine Tricks immer in beide Richtungen trainieren.“ (c) Anton Baumgart
  • Einer der besten Tipps, die ich für Unhooked-Tricks bekommen habe: Beide Hände sehr eng an der Mitte der Bar platzieren. Man kann sich angewöhnen, die Bar mit der Depowerleine zwischen Zeige- und Mittelfinger einer Hand zu halten und die andere Hand direkt daneben. Das fühlt sich anfangs vielleicht etwas komisch an, hilft aber enorm dabei, den Kite während eines Tricks nicht versehentlich zu verlenken und gibt wesentlich mehr Kitekontrolle für Unhooked-Sprünge.
  • Meist hat man eine bevorzugte Sprungseite, das gilt natürlich auch für Unhooked-Tricks. Trotzdem sollte man Sprünge in beide Richtungen trainieren. Hat man z. B. den Railey in eine Richtung gelernt, dann versucht man es am besten auch gleich in die andere Seite. Das fühlt sich anfangs seltsam an, aber es ist besser, Tricks in beiden Richtungen zu beherrschen, da je nach Spot die Bedingungen für Sprünge mal in die eine, mal in die andere Richtung besser sind.
Helen-Giovanna ist im Cabrinha-Team und wurde 2016 deutsche Vize-Meisterin im Freestyle. (c) Anton Baumgart

  • Es ist  normal, beim Üben von Unhooked-Manövern Fehler zu machen. Man versteuert den Kite … man hält die Kante nicht lange genug, hebt nicht hoch genug ab, ist nicht schnell genug, das Board wieder unter den Körper zu bringen und stürzt. Mein Tipp: Voll bei der Sache bleiben und auch bei vielen Crashes nicht die Motivation verlieren. Stürze gehören dazu! Will man schnell Fortschritte machen, sollte man sich bei seinen Sessions auf einen Trick konzentrieren und diesen pro Session mindestens 10-20 Mal probieren. Was auch hilft: Tutorials anschauen, Tricktionary lesen oder sich Tipps über die Riders-App holen.  Am besten ist, gemeinsam mit Freunden zu kiten, die einem Feedback und Tipps geben. Oder man lässt sich filmen und analysiert dann per Video, woran man arbeiten muss.

Get unhooked!

Helen-Giovanna Döpke auf Instagram

 

Auf der nächsten Seite ibt es die wichtigsten Unhooked-Tipps noch einmal übersichtlich zusammengefasst:

>> SEITE 2: UNHOOKED TIPPS – ÜBERSICHT >>



Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Kommentar verfassen

wpDiscuz