Kann man dem Surflifestyle entkommen?

… und will man das überhaupt?

So, heute werde ich ein wenig philosophisch. Grund dafür ist, dass ich jetzt nach fast zwei Wochen am Surfworldcup in Podersdorf wieder zuhause bin, mir die dortige Atmosphäre mir immer noch in den Knochen sitzt und ich sie dort irgendwie auch nicht mehr rauslassen möchte. Ich will mich zurückbeamen und die good vibes nochmal live erleben. Was viele eh wissen werden: Natürlich ist der Surfworldcup mittlerweile schon längst keine “richtige” Surfveranstaltung mehr – der Großteil der Besucher besteht wahrscheinlich aus völligsurfuninteressierten Partywütigen. Nichts gegen Party (im Gegenteil) – aber wen auch das Rundherum, der Spirit dieser Surfveranstaltung interessiert, muss sich die angenehmen Dinge für sich rausfiltern. Sich mit Leuten umgeben, die in puncto Ansichten bzw. Lebensstil ähnlich ticken. Und von denen gibt es viele. (Hier gibt’s übrigens einen kurzen Nachbericht des ersten SWC-Wochenendes.)

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Auf derselben Wellenlänge

Thema Lebensstil. Euphorische Kite(oderwasauchimmersurf-)-Abhängige werden wissen, wovon ich spreche: Unsere Leidenschaft ist mit einem speziellen Lifestyle verbunden. Auch, wenn z. B. Kitesurfen nicht gleich Wellenreiten (die Königsdisziplin des Surfens ;)) ist, finden sich Surfer aller Art doch großteils innerhalb einer Community aus Ähnlichtickenden wieder, reiten sozusagen auf einer mehr oder weniger breiten Wellenlänge.  Die klassischen Feindschaften – etwa zwischen Kite- und Windsurfern (oder besser gesagt “Schnürlsurfern” und “Stehseglern”) bzw. Oldschool- und Newschoolfahrern tun dabei nichts zur Sache – man spricht vielleicht nicht ganz dieselbe Sprache, ist sich aber trotzdem ähnlicher, als man es wahrhaben will. Wenn ich so darüber nachdenke, betrifft das Thema vermutlich sowieso alle Sportarten, bei denen ein Board involviert ist 😉

Es ist ein Lebensgefühl …

Ich will hier nicht behaupten, dass ausschließlich jeder, der auf einem Brett seine ersten Meter gemacht hat, sich automatisch in den Surflifestyle verliebt und diesem dann hoffnungslos bis in alle Ewigkeit verfällt. In seltenen Fällen entflammt die Leidenschaft womöglicherweise gar nicht oder nur sehr kurz – sei es, weil man sich im Element Wasser allgemein nicht wohl fühlt oder externe Faktoren das Zusammenspiel verhindern. Aber das kommt meiner Erfahrung nach eher selten vor.

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Der Moment, in dem man in eine Surfsportart hineinkippt und sie einen vereinnahmt, lässt sich für viele am ehesten so beschreiben: “Surfer, dein richtiges Leben beginnt jetzt” (geklaut von Surfgott Bodhi aus Gefährliche Brandung, gespielt vom genialen Patrick Swayze †). Ein Film, den übrigens jeder Surfsportler (mehrmals) gesehen haben sollte 😉

Wie schon in meinem Beitrag “Wie Kitesurfen mein Leben verändert hat” beschrieben, ist für viele nach den ersten Surf-/Kiteerfolgen nichts mehr wie vorher. Man ist angefixt, wird schnell süchtig nach dem Gefühl und möchte es so oft und intensiv wie möglich spüren. Man wird zum Suchenden – sei es nach der perfekten Welle oder dem perfekten Wind. Man ändert vielleicht nicht nur seine bisherigen Urlaubsdestinationen, sondern stellt sein gesamtes Leben auf den Kopf und wechselt alles – von Job, Frisur, Kleidungsstil, Musik, Möbel, Auto, Wohnort, Freunde bis hin zur gesamten Lebensplanung – manchmal sogar den Partner gleich dazu.

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Und hat man diesen Lifestyle erst einmal eine Weile erlebt, ist ein Ausstieg verdammt schwer bis unmöglich. Man fühlt sich nämlich pudelwohl damit – obwohl oft unverstanden. Das Leben auf dem Brett ist stets präsent – und sei es nur in Gedanken. Man sieht viele Dinge, die man früher als ganz normal empfunden hat, ganz anders oder kann sie nicht mehr ertragen – beispielsweise Urlaub im 5-Sterne-Bunker an einem Ort ohne Wasser und Wind,  Samstag-Nachmittags-Shopping als Hobby – oder Leute, die einem das Reisen im Bus ausreden und dafür eine ordentlichere Frisur, ein hübsch geregeltes Leben und sowieso mehr Vernunft einreden wollen. Das erlebt bestimmt jeder für sich ganz individuell, manche vielleicht auch gar nicht (was mich jedoch wundern würde ;)).

Die Frage für mich ist – was ist eigentlich die Essenz dieses Lebensstils? Sonnengebleichtes, zerzaustes Haar, gebräunte Haut, niemalsendenwollende Abenteuerlust und die Liebe zu Hängematten und dem Ozean? Das Gefühl der Freiheit, Schwerelosigkeit, des Adrenalinrauschs, das Einssein mit den Elementen, das Überschreiten von Grenzen, Achtsamkeit oder auch ganz simple Dinge wie Surfklamotten und Surfmusik … ?

Es gibt so vieles, was dazugehören könnte – und nicht für jeden werden es dieselben Dinge sein.  Deshalb interessiert mich: Was macht den Surflifestyle für euch aus? Inwiefern hat sich euer Lebensstil durchs Kiten/Surfen verändert?

Ich bin schon sehr gespannt! Aloha, Anja

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