Wenn etwas schief geht: Rettungsboje als Backup – Restube im Test

Beitrag enthält Werbung

Es gibt Dinge, von denen man froh ist, wenn man sie nicht braucht … aber trotzdem ist es gut, dass es sie gibt – für Notfälle. In Sachen Kitesurfen wäre das etwa eine sich selbst aufblasende Rettungsboje, die einem im Falle des Falles Auftrieb geben und einem so das Leben retten kann – die aber im inaktiven Zustand so klein, handlich und leicht ist, dass sie einem am Wasser nicht im Weg ist.
Das Unternehmen Restube stellt soche Bojen her und hat mir die Sport-Version zur Verfügung gestellt, die ich in Kooperation für diesen Beitrag getestet habe.

Restube im Test: Die sich selbst aufblasende Rettungsboje bietet in brenzligen Situationen Auftrieb (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Restube im Test

Warum ich gleich mit ja geantwortet habe auf die Frage, ob ich Restube testen möchte? Weil Sicherheit beim Kiten ein Thema ist das mir am Herzen liegt – mitunter, weil selbst schon zu oft Erlebnisse hatte, die nur mit viel Glück gut ausgegangen sind. Und weil ich – da ich viel Zeit an Kitespots verbringe – leider immer wieder gefährliche Situationen mitbekomme, die (im besten Fall) glimpflich ausgehen.

In den meisten Fällen gehen Kite-Unfälle gut aus – ein zusätzliches Rettungs-Tool kann jedoch für mehr Sicherheit sorgen. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Deshalb fand ich auch gleich sympathisch, dass Restube auf der Homepage erwähnt, wie die Idee für die Takeaway-Boje entstanden ist: Einer der Firmeninhaber ist vor einigen Jahren selbst am Wasser in eine brenzlige Situation gekommen, bei der er etwas wie Restube gut hätte gebrauchen können.
Also wurde das handliche Rettungs-Tool von Leuten entwickelt, die selbst Wassersport machen – wodurch man davon ausgehen kann, dass die es auch selbst benutzen. Was immer ein gutes Zeichen ist, wie ich finde! Weiters wurde Restube bereits mit dem „brand new award“ der Sportmesse ISPO und sogar von der deutschen Bundesregierung ausgezeichnet.

Braucht man als Kiter wirklich eine Rettungsboje?

Natürlich muss man beim Kitesurfen nicht immer gleich vom Schlimmsten ausgehen – schließlich soll es Spaß machen! Deshalb könnte man einfach denken: Was soll mir schon passieren, ich fahre ohnehin nicht so weit raus/es sieht eh jemand, wenn ich am Wasser ein Problem habe … und außerdem habe ich sowieso meinen Kite, falls etwas schiefgeht – dann kann ich ja den als Boje verwenden … und so weiter, und so fort …

Dass es leider schnell gehen kann, wissen alle, die bereits gefährliche Kite-Situationen erlebt haben – siehe dazu auch diesen Artikel über Kitemares. Fakt ist: Selbst, wer sich bezüglich Sicherheitsvorschriften vorbildlich verhält und stets umsichtig ist, ist leider nicht vor Fehlern, Pech, Naturgewalten und somit potentiellen unangenehmen Erlebnissen gefeit.

Am offenen Meer und an Spots, an denen nicht viel los ist, können kleine Unfälle schnell böse ausgehen. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Besonders gefährlich kann es werden, wenn man weit entfernt vom Ufer ein Problem mit seinem Kite bekommt. In vielen dieser Fälle kann man sich natürlich mit Self-Rescue selber helfen und wieder ans Ufer kommen.
Wenn man aber seinen Kite verliert (z. B. weil die Leash reißt), man sich komplett vom Kite trennen muss, etwa weil er unkontrolliert loopt (Deathloop) oder dem Kite die Luft ausgeht, sieht es gleich anders aus.

Erstens kann es passieren – vor allem, wenn nicht viele bzw. keine anderen Kiter am Wasser sind – dass man ohne Kite von niemandem mehr gesehen wird. Dann kann es schon einmal länger dauern, bis man schwimmend das Ufer erreicht hat.
Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass langes Schwimmen nicht nur sehr anstrengend ist, sondern man z. B. auch Krämpfe bekommen kann – oder man sich im schlimmsten Fall verletzt hat und kaum noch bzw. gar nicht mehr schwimmen kann. Rauhe Bedingungen wie kaltes Wasser und/oder Wellen bzw. Strömungen würden in so einem Fall noch ihr Übriges tun.

Restube bietet im Wasser Auftrieb, wenn man sich z. B. von seinem Kite trennen musste. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

So, jetzt zur Frage: Braucht man als Kitesurfer denn UNBEDINGT so eine Rettungsboje? Meine Meinung: Wenn man nicht ausschließlich in seichten Lagunen, sondern auch am offenen Meer unterwegs ist, macht Restube wirklich Sinn! Ich würde die Boje jetzt wahrscheinlich nicht bei jeder Session mitnehmen, aber bei bestimmten Bedingungen fühle ich mich damit garantiert wohler.

Und ganz davon abgesehen, dass Restube für einen selbst nützlich sein soll – man kann damit natürlich auch anderen Kitern oder Wassersportlern helfen, wenn sie in Not sind.

Szenarios, bei denen der Gebrauch von Restube anzudenken wäre:

  • Wenn man alleine Kitesurfen geht
  • Beim Kiten an einsamen Spots am offenen Meer oder auch an Seen, wenn man sich weit vom Ufer entfernt
  • Wenn man an Spots mit tiefem Wasser kitet, an denen es kein Rettungsboot gibt
  • Bei kalten Temperaturen, vor allem bei kaltem Wasser – wer lange schwimmen muss, unterkühlt schnell und sollte sich rasch Hilfe holen können – durch die Boje ist man sichtbarer
  • Beim Kitesurfen bei rauhen Bedingungen, z. B. in der Welle
  • Für Kiter, die Angst vor bzw. im tiefen Wasser haben
  • Wenn man mit Kindern unterwegs ist, die Kiten lernen (für Kids ist Restube auf jeden Fall ein Thema, weil es – auch wenn nicht benötigt – das Gefühl der Sicherheit vermittelt)
  • Bei Schulungssituationen im tiefen Wasser bzw. weit vom Ufer entfernt
  • In tiefen Gewässern mit starken Strömungen

Es gibt natürlich noch zig andere Gegebenheiten, bei denen es ebenso sinnvoll ist, die Rettungsboje mit dabei zu haben – da Kiten aber so variantenreich ist, kann ich hier kaum alle aufzählen. Im Grunde genommen muss jeder für sich selbst abwägen, welche Sicherheitsfeatures er braucht bzw. verwenden möchte.

Die Tatsache, dass europaweit jährlich bis zu 40.000 Menschen, darunter viele Sportler, ertrinken (Quelle: WHO, restube.com), sollte allerdings jedem zu denken geben. Der Hauptgrund: Panik. Ein Auftriebskörper, durch den man den Kopf  über Wasser behält und so auch die Atemwege freihält, vermittelt ein Sicherheitsgefühl und kann infolge ein Lebensretter sein.

Hier gibt es ein kurzes Video, das zeigt, wie die Restube-Boje aussieht und funktioniert.

Das Restube-Paket lässt sich mit dem beiliegenden Gürtel ober dem Trapez oder direkt daran – seitlich oder hinten – montieren. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Restube im Test: Rettungsboje als Backup

Ich hatte mich vor dem Test auf der Restube-Homepage darüber informiert, wie das System funktioniert bzw. wie die Rettungsboje aussieht – war aber trotzdem verwundert darüber, wie klein das Package in Wirklichkeit ist.
Ich habe das Restube-Sports-System zum Testen bekommen, da dieses speziell für Surfsportarten bzw. „härteren“ Einsatz konzipiert wurde. Inkl. einer CO2-Patrone kostet das Package 99,95  Euro. Die Patronen können z. B. im Zweier-Set um 8,99 Euro nachbestellt werden (am schlauesten ist natürlich, sich gleich mit der ersten Lieferung Ersatzpatronen mitzubestellen).
Die Tasche ist in blau und schwarz erhältlich, wird mit einem größenverstellbaren, 30 mm breiten Gürtel geliefert und kann horizontal oder vertikal um die Taille, Hüfte, aber auch direkt am Trapez (seitlich oder hinten) befestigt werden. Man kann auch einen eigenen Gürtel verwenden (bis max. 50 mm Breite).

Seitlich montiert hat mich die Tasche nicht in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt – man kann sie aber z. B. auch weiter hinten am Trapez anbringen. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Die Restube-Tasche wiegt samt Inhalt 270 Gramm. (c) restube.com

Am oberen Teil der Tasche befindet sich übrigens noch ein kleines Fach, das Platz für Schlüssel oder Kleingeld bietet. Die Tasche ist für „härtere“ Umgebungen konzipiert und verfügt über ein Splintverschluss-System – so dass sie sich laut Hersteller auch bei Erschütterungen wie hohem Wellengang oder Situationen, bei denen man z. B. über den Grund geschliffen wird, nicht öffnet.

(c) restube.com

Ich habe die Tasche nicht an meinem Trapez, sondern mit dem Gürtel direkt darüber montiert. Klar ist da dann plötzlich noch ein zusätzliches Teil – das habe ich aber nicht als störend empfunden und es war mir weder beim Starten noch am Wasser im Weg – vor allem konnte ich die Tasche am Wasser nach hinten schieben.

Beim Test wurde die Restube-Tasche mit dem Gürtel ober dem Trapez angeschnalllt. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Restube im Test – das System in der Übersicht:

 


In der Tasche (Größe 14x7x5 cm, Gewicht 270 g) befindet sich neben der zusammengefalteten Boje eine 16-g-CO2-Patrone, die beim Auslösen die Boje aufbläst (die CO2-Patronen kann man nachbestellen). Ausgelöst wird ganz einfach durch Zug am Auslöser.  Das hat beim Test perfekt funktioniert – einmal anziehen und sofort springt die Boje aus der Tasche und bläst sich auf, der gesamte Vorgang dauert nur wenige Sekunden.

Ups! Ein Zug am Auslöser – und schon bläst sich das Rettungstool von selbst auf. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Im aufgeblasenen Zustand hat die Boje einen Auftrieb von 75N, was mehr als sieben Kilogramm entspricht. Laut Herstellerangaben reicht das locker aus, um sich aufzustützen und jedenfalls den Kopf über Wasser zu halten – auch, wenn man groß und schwer ist. Ich konnte mich drauf legen und die Beine ohne sie zu bewegen im Wasser treiben lassen und bin dabei nicht untergegangen.

In einer realen Notfallsituation bringt die Boje auf jedem Fall jede Menge Vorteile – darunter Zeit, weil man sich treiben lassen kann, ohne viel Extra-Energie fürs Schwimmen aufwenden zu müssen. Außerdem wird man durch die Boje besser sichtbar und kann gegebenenfalls auch damit winken, um Hilfe zu holen. Man kann sich auch noch einen Reflektorstreifen dazubestellen, der die Sichtbarkeit in der Dämmerung bzw. Dunkelheit erhöhen soll.

Im zusammengefalteten Zustand findet die Restube-Rettungsboje locker in der kleinen Tasche Platz. (c) restube.com

Nach dem Benutzen lässt man einfach die Luft der Rettungsboje aus (über das Mundstück, mit dem man sie auch jederzeit aufblasen kann) und faltet sie zusammen. Das gestaltet sich recht einfach, da die Faltstellen direkt aufgedruckt sind. Danach geht’s wieder ab in die Tasche.
Hier wird der ganze Vorgang in einem Video dargestellt.

Die CO2-Patronen kann man jederzeit nachbestellen – schlau ist natürlich, wenn man sich gleich zum Startpaket noch welche dazubestellt. Abgesehen davon, dass man nach jedem Auslösen eine neue CO2-Patrone braucht, ist die Restube-Boje quasi unbegrenzt oft wiederverwendbar – sie besteht aus für Rettungswesten zugelassenem, robustem Material. Hergestellt wird Restube in Deutschland.

(c) restube.com

Detaillierte Infos rund um Flugreisen mit den CO2-Patronen sowie alle Gebrauchsanweisungen gibt es hier zum Download.

Hier geht es zu den FAQ rund um Restube, wo Fragen rund um Auftrieb, Wechseln von CO2-Patronen etc. beantwortet werden.


Restube im Test – Pros & Cons

Vorteile:

  • Mehr Sicherheit am Wasser (z. B. wenn man alleine kiten geht oder aufs offene Meer hinausfährt) und das gute Gefühl, ein Backup für Notfälle zu haben
  • Kompakte Größe und geringes Gewicht – man kann die Tasche auch auf viele verschiedene Arten an eigene Bedürfnisse angepasst montieren
  • Schnelles und unkomplizertes Auslösen – man benötigt dafür keine Kraft
  • Bietet Auftrieb (um den Kopf über Wasser zu halten) wenn man lange schwimmen muss, bei Erschöpfung, wenn man Krämpfe hat oder verletzt ist
  • Der Schwimmkörper wirkt auch enorm beruhigend, wenn Panik aufkommt, weil man sich daran festhalten kann
  • Man kann mit Restube auch anderen Menschen im Wasser helfen, die in Not sind
  • Sichtbarkeit wird enorm erhöht, man kann mit der Boje auch winken
  • Einfaches Wieder-Zusammenbauen und Verschließen
  • Tasche kann sich nicht ungewollt öffnen
  • Praktisch ist Restube auch, wenn man z. B. Schnorcheln geht – man ist wesentlich sichtbarer und kann sich auf der Boje ausrasten
  • Bietet mehr Bewegungsfreiheit als eine Schwimmweste
Restube im Test. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Nachteile:

  • Natürlich ist es theoretisch möglich, dass man sich durch die Tasche am Wasser in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt fühlt
  • Wer vergisst, die CO2-Patronen nachzubestellen, kann sein Restube nicht verwenden (bzw. nur mit dem Mund aufblasen – die Frage ist, inwieweit das möglich ist, wenn man extrem erschöpft oder panisch ist)
  • Man kann nur originale Restube CO2-Patronen verwenden – mit anderen Patronen ist das System nicht kompatibel
  • Beim Fliegen muss man den die Restube-Patronen vorher anmelden und dann den Quick Check Guide zusammen mit den CO2-Patronen mitführen
  • Ein weiteres Teil im Kite-Gepäck (obwohl 270 Gramm für das Restube-Package plus eventuelle weitere CO2-Patronen nicht massiv ins Gewicht fallen … vor allem nicht, wenn man sich den Grundsatz „Safety first“ vor Augen hält)

Auch den Preis von knapp 100 Euro würde ich auf keinen Fall als teuer bezeichnen – erstens ist Restube nahezu unbegrenzt wiederverwendbar und zweitens sollte man sich die Frage stellen, wie viel einem sein Leben wert ist? Man investiert hunderte, meist sogar tausende Euro ins Kite-Material – da sollten 100 Euro für ein wirklich nützlich und möglicherweise lebensrettendes Sicherheits-Tool kein Thema sein.

(c) Helmut Fuchs/kitejoy

Wer hat Restube schon ausprobiert bzw. wie ist eure Meinung dazu? Bin sehr gespannt auf Feedback!

Apropos Thema Sicherheit: Kennt ihr schon den Artikel Wie aus Angst (gesunder) Respekt wird?

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Kommentar verfassen

wpDiscuz