Warum Yoga die Kite-Performance verbessert

Kiten ist ein Sport, der Körper und Kopf gleichermaßen beansprucht. Während einer Session sollte man konzentriert sein, und jeder Move erfordert Koordination – vor allem, wenn man an neuen Tricks arbeitet. Keine Frage, dass es Sinn macht, physisch fit und gut trainiert zu sein – einerseits, um mehr Kraft für bestimmte Bewegungen zu haben, andererseits um das Verletzungsrisiko zu verringern.
Am besten wäre es natürlich, eine Methode zu finden, die Körper und Geist gleichermaßen fit fürs Kiten macht. Und die gibt es auch: Yoga. Eine Methode, die uralt, aber trotzdem immer noch superhip ist. Im folgenden Artikel wird verraten, welche Auswirkungen Yoga auf die Kite-Performance und aufs Leben allgemein hat – inklusive spannender Background-Facts.


Kitesurfen und Yoga:
Meine eigene Erfahrung

Vor einigen Jahren habe ich noch regelmäßig Yoga gemacht, und ich hatte a) wirklich Spaß daran und b) mich wirklich ausgeglichen gefühlt.  Aber, um ehrlich zu sein – irgendwann habe ich trotzdem damit aufgehört. Damals bin ich für einige Wochen zum Kiten nach Griechenland gereist. Wir hatten jeden Tag Wind … und da ich von meinen regelmäßigen Yoga-Einheiten davor so superfit war, hatte ich auch kein Problem damit, jeden Tag ewig lang am Wasser Vollgas zu geben. Wenn ich mir die Bilder von damals anschaue, wundere ich mich jedesmal, wie definiert meine Muskeln darauf aussehen (yep, vom Yoga)!

However, nach stundenlangen Kitesessions war ich abends natürlich total fertig – und das war die perfekte Ausrede für mich, meine Yoga-Sessions jeweils auf den nächsten Morgen zu verschieben. Leider fand ich auch am Morgen danach jedesmal eine Entschuldigung. Und wieder zuhause? Da wollte ich an einem neuen Yoga-Kurs teilnehmen, fand aber keine Zeit oder fühlte mich zu gestresst dafür (Ausreden, Ausreden, Ausreden …).

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Ich würde mal sagen, dass Yoga nicht wenig Muskeln macht.

Mittlerweile mache ich regelmäßig Crossfit und diverse Übungen, bei denen man nur mit dem eigenen Körpergewicht arbeitet. Ich würde mich selber als fit bezeichnen und fühle mich auch so. Aaaber: In Sachen Flexibilität bin ich meilenweit entfernt von dem Zustand, in dem ich in meiner Yoga-Zeit war. Außerdem ist mein jetziges Training nicht sehr entspannend. Nicht, dass ich mich nicht gut fühlen würde, nachdem ich mich eine halbe Stunde lang maximal gepusht und ausgepowert habe.

Aber leider zähle ich nicht zu den Personen, die von Natur aus super entspannt sind. Deshalb sollte ich vielleicht doch etwas machen, mit dem ich leichter runterkomme. Das beste wäre also, wieder mit Yoga anzufangen. Ich weiß, ich weiß … ich sollte hier nicht herumjammern, sondern es einfach machen. Werde ich auch! Dieser Artikel ist ein Schritt in Richtung meines persönlichen Yoga-Restarts!


Kitesurfen und Yoga:
Das sagt die Expertin

Vor Kurzem habe ich mich mit Petra Leemhuis unterhalten. Sie hat Yoga-Anatomie studiert und arbeitet als Yoga-Lehrerin in Tarifa, liebt das Meer und hat vor ein paar Jahren mit dem Kiten begonnen. Mittlerweile bietet sie auch spezielle Yoga-Kurse für Kiter an. Als ich ihr von meinem aktuellen Fitness-Programm erzählt habe und von meinen Zweifeln, ob das nun das richtige Training für mich wäre oder nicht, hat sie mir etwas erklärt, das – obwohl logisch – mir bis dahin nicht bewusst war: „Kiten ist ein Sport, bei dem der Körper fast ständig angespannt ist. Wenn du dazu noch Fitness-Training machst, fügst du deinem Körper noch mehr Spannung zu – und das sollte nicht das Ziel sein.

 

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Kitesurfen und Yoga: Für Style-Elemente wie Grabs und Co. ist Flexibilität enorm wichtig.

Wir Kiter wissen beispielsweise auch, dass wir uns vor jeder Session aufwärmen sollten, um besser vor Verletzungen geschützt zu sein. Aber tun wir das denn immer? Steif und unflexibel sein fühlt sich nicht nur mies an, es verschlechtert auch die Performance. Spätestens, wenn man bestimmte Grabs (z. B. Nose Grab) machen möchte, merkt man, wie wichtig es ist, flexibel zu sein.  Dass Yoga die Flexibiliät des Körpers enorm verbessern kann, ist kein Geheimnis. Petra nennt es: „Dem Körper seine Servolenkung zurückgeben.

Teilnehmer ihrer Kurse lernen, ihren Körper intensiver und tiefer zu spüren, wodurch Bewegungsabläufe erleichtert werden. Ziel ist auch, die Wirbelsäule zu dekomprimieren und das meist überstrapazierte äußere Muskelkorsett zu entspannen. Dadurch kann besser auf die Stärke der tiefen Core-Muskulatur zurückgegriffen werden – die durch Yoga auch gestärkt wird. Viele glauben übrigens, dass es sich bei der Core-Muskulatur um die Bauchmuskeln handelt – das stimmt aber nicht. Die Core-Muskulatur bezeichnet die tiefer liegenden Muskeln der zentralen Körperpartie.

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Yoga auf der Terrasse während des Sonnenuntergangs. Es könnte schlimmer sein … 🙂

Kitesurfen und Yoga:
Fit im Kopf und happy noch dazu

Ok, das Thema Muskeln und Fitness wäre besprochen. Dann wäre da noch der mentale Part, der nicht weniger wichtig ist! Physisch fit zu sein ist eine Sache, wenn man gute Leistungen bringen oder etwas Neues lernen möchte. Aber wenn der Kopf nicht „fit“ ist, funktioniert’s mehr schlecht als recht. Die ganzheitlichen Effekte von Yoga verbinden Körper und Kopf und erleichtern es, während einer Kitesession fokussiert zu bleiben.

Beim Yoga werden Entspannung und Training kombiniert. Richtig atmen lernen ist ein zentraler Aspekt der Yoga-Praxis – weil Achtsamkeit und Loslassen nur mit richtiger Atmung möglich sind. Wichtig zu wissen für Kiter: „Trägt man ein Trapez, befindet man sich ständig in der Adrenalin- statt in der Serotonin-Atmung„, erklärt Petra. Also ist Adrenalin-Atmung schlecht? „Nein, aber die Serotonin-Atmung ist die ausgleichende Art zu atmen, die man bewusst beherrschen sollte.“

Obwohl Kitesurfen für die meisten ohnehin schon etwas ist, bei dem sie abschalten und entspannen können, sieht es also so aus, als würden regelmäßige Yoga-Einheiten diese Entspannung noch verstärken. Zum Beispiel durch mehr Achtsamkeit und mehr Verbundenheit mit sich selbst, mit der Natur und den Elementen.

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Kitesurfen und Yoga – die perfekte Kombination? Gut möglich. Fast alle Yogis sagen, dass sie durch regelmäßiges Yoga aufmerksamer für die Schönheit der Natur geworden sind.

Ganz klar, dass Yoga nicht nur aufs Kite(er)leben positive Auswirkungen hat, sondern auch auf viele andere Lebensbereiche. Wer jemals den „Flow“-Zustand erreicht hat, weiß, wie erhebend sich das anfühlt – wer öfters Yoga macht, kommt dem Flow auf jeden Fall näher. Yoga soll einen auch sich selbst näher bringen, wodurch man seine Bedürfnisse und Träume besser definieren und auch verfolgen kann.

Viele sind vielleicht am Zögern, weil sie denken, dass man viel Zeit und Übung investieren muss, um die Früchte von Yoga ernten zu können. Was Petra als Irrglauben deklariert: „Das Gute ist, dass du die Auswirkungen von Yoga sofort spüren wirst, ohne langes Warten. So, als wenn man einen Knopf drückt.“ Warum das so schnell geht? Weil Yoga direkt aufs Zentralnervensystem wirkt.

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Good news!!! Die positiven Auswirkungen von Yoga sind sofort spürbar – ohne Wartezeit.

Kitesurfen und Yoga:
Wie fängt man am besten an?

Fazit: Yoga entspannt und stärkt den Körper und macht den Kopf frei. Also quasi das ideale Warm-up bzw. Training für Kiter. Sollen wir uns jetzt also alle ein Yoga-Buch schnappen oder ein beliebiges Yoga-Video anschauen und sofort loslegen?
Die Expertin meint: „Nein. Viele Kurse und Yoga-Programme bestehen aus willkürlich zusammengestellten Posen, und das kann sogar gefährlich werden! Meine erste Yogastunde war schrecklich – da ging es  nur um Performance und der Lehrer hat überhaupt keine Anpassung der Übungen an die einzelnen Schüler zugelassen. Ein Horror für mich, so unflexibel, wie ich damals war.“
Auch eine Schulterverletzung hat Petra sich beim Yoga schon zugezogen. „Unfälle oder schlechte Erfahrungen kommen vor, wenn die unterschiedlichen Bedürfnisse und Anatomien unserer Körper ignoriert werden. Einer der Hauptaspekte bei meinem Unterricht ist deshalb der anatomische Hintergrund. Nicht jede Übung ist für jeden gut und geeignet – weil Yoga individuell ist. ‚Gesundes‘ Yoga sollte an die persönlichen Grenzen eines jeden Einzelnen angepasst werden, anstatt den Körper in vorgegebene Posen zu zwängen.“

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Kitesurfen und Yoga: Für den Anfang ist eine kleinere Yoga-Gruppe ideal.


Deshalb ist es besser, wenn man seine Yoga-Karriere in einer kleinen Gruppe beginnt, in der der Lehrer auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen kann.
Unter den zahlreichen Yoga-Stilen  eignet sich für Anfänger (und Kiter) am besten einer, der entspannend ist und jene Muskeln stärkt, die beim Kiten weniger zum Einsatz kommen – so dass innere und äußere Balance entsteht. „Die beim Kiten beanspruchten Muskelgruppen sollen hingegen gedehnt und relaxiert werden“, so Petra.

Sie selbst unterrichtet „fließende“ Yoga-Stile wie Core-Strength-Vinyasa-Yoga und Hatha-Vinyasa-Yoga, empfiehlt Kitern aber auch Hatha- Flow- und Yin-Ying-Yoga. „Wer sich nicht sicher ist, sollte sich erst eingehend informieren oder direkt im Studio nachfragen. Und dann am besten aus dem Bauch heraus entscheiden.“ Worauf man achten sollte, ist in jedem Fall, dass eine Stunde nicht streng nach Schema F abläuft und die Teilnehmer in für sie unmögliche Positionen gezwungen werden.

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Everyone has his own Yoga way, Petra says. Follow your instinct and you will find it.

Wie auch immer – einen „falschen“ Weg gibt es nicht. Jeder hat seinen ganz eigenen Yoga-Weg. Yoga ist eine wunderbare, individuelle Methode – nicht nur, um den Körper zu stärken und entspannen, sondern auch, um sich selbst näher zu kommen, sein eigenes Potential zu spüren und voll und ganz zu nutzen, seine Empfindsamkeit zu steigern, sich selbst zu erden und mehr Stabilität ins tägliche Leben zu bringen – von Beziehungen bis hin zum Job. Yoga ist eine Möglichkeit, vom ständigen „Tun“ wieder ins „Sein“ zu kommen.


Wenn ihr weitere Tips benötigt, Fragen habt oder vielleicht sogar an einem von Petras Kitesurf-Yogakursen teilnehmen möchtet, könnt ihr euch hier informieren:

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