Ist Kitesurfen gefährlich? Kitemares und wie man sie vermeiden kann

Jürgen von Lifetravellerz, kitet mittlerweile seit 11 Jahren: 

Wenn ich die letzten 11 Jahre Kitesurfen Revue passieren lasse, fallen mir doch so einige Situationen ein, die mehr als nur brenzlig waren. Die meisten dieser haarsträubenden Aktionen liegen sehr lange zurück und waren ein Mix aus unzureichender Schulung und Kite-Material, das nichts mit den heutigen Standards zu tun hat. Aber vergessen wir einmal die Horrorgeschichten aus der Anfangszeit. Auch als geübter Kiter mit sehr viel Erfahrung kann man hin und wieder gefährliche Momente erleben.

Lifetravellerz

Zwischen Sizilien und dem Festland befindet sich die Straße von Messina, eine der meistbefahrenen Seestraßen der Welt. Die Straße von Messina liegt zwar im Mittelmeer, doch mit einem ruhigen Gewässer hat sie nichts gemein, vielmehr erinnert dieser Seeweg an einen Fluss. Auf den ersten Blick merkt man es kaum, doch lässt man sich im Wasser treiben, bemerkt man schnell wie heimtückisch das ist.

Der Kitespot heißt Punta Pellaro und die Einheimischen bescheinigen bei Schönwetter immer Sideshore Wind zwischen 15 und 25 Knoten. An diesen Spot kommen so gut wie keine Touristen – aus diesem Grund ist die Infrastruktur nur bedingt vorhanden. Keine Kitestation, kein Rescue, kein Boot. Dennoch haben alle Spaß am Wasser. An jenem Tag dürfte es knappe 30 Knoten Wind gehabt haben, ich war mit meinem 6er Kite unterwegs, übte ein paar Tricks und war ziemlich weit draußen. Ich würde sagen, ich war ziemlich in der Mitte zwischen Sizilien und Kalabrien. Und plötzlich bei einer Transition mit Downloop ein ungewohntes Geräusch, ein ungewohntes Gefühl, ein Blick zum Kite und mir war klar, dass eine Leine gerissen ist.
Der Kite war nicht mein Problem, der machte keine Zicken. Ich blickte um mich herum und schlagartig wurde mir klar: Ich war ernsthaft in Schwierigkeiten. Da war niemand. Niemand, der mich gesehen hat und niemand, der mir helfen konnte. Kurz dachte ich: „Next stop Africa“. Also wickelte ich zuerst die Bar auf, überlegte nochmal wie man aus dem Kite ein Segel macht, was mit dem kleinen Kite allerdings nicht leicht werden würde.
Nachdem ich also die Bar aufgewickelt hatte, den Kite in einer Hand hielt und zu schwimmen begann, fiel mir am Horizont ein Windsurfer auf, der wohl Kurs auf mich nahm. Und genauso war es. Nach einigen Minuten war ein junger Italiener bei mir und bot mir seine Hilfe an. Ich war heilfroh, hielt mich an einer der Fußschlaufen an, mit der anderen Hand hielt ich den Kite fest und so schipperten wir zurück zum Ufer. Wie sich allerdings später herausstellte war das kein Zufall, sondern meine Frau hat zufällig gesehen, dass mein Kite gedropped ist und nicht mehr aus dem Wasser kam. Daraufhin hat sie den jungen Italiener gebeten, er müsse mich da draußen abholen. Ansonsten hätte mich an diesem Tag wohl so schnell niemand bemerkt.

Seit diesem Tag überprüfe ich in regelmäßigen Abständen meine Leinen und gehe äußerst ungern ganz alleine an einem Spot Kitesurfen.

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Auf Lifetravellerz schreiben Melanie & Jürgen über ihre Kite-Reisen, Roadtrips und Sport. Mit ihrem VW-Bus “Luigi” entdecken sie die schönsten Fleckchen Europas und im Winter zieht es die beiden meist in die Ferne – immer auf der Suche nach Wind und tollen Stränden.


James, lebt in der Schweiz, hat vor fünf Jahren mit dem Kiten angefangen:

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Es gibt eine Kite-Situation, die mir wirklich böse in Erinnerung geblieben ist: Ich unterrichtete an einer Kitestation in Griechenland und war mit zwei weiteren Lehrern am Beginnerstrand. Ein Typ, der noch nicht gut kiten konnte, ließ sich von seiner Freundin den Kite starten – diese wusste allerdings nicht so recht, wie das funktioniert. An der Station hatte man ihm außerdem mehrmals davon abgeraten, mit seinem Kite bei diesen Bedingungen rauszugehen. Er wollte aber trotzdem unbedingt aufs Wasser und schlug alle Warnungen in den Wind – eben deshalb war er an den Beginnerstrand ausgewichen. Er hatte einen 14er aufgepumpt und der Wind war sehr stark – der Kite war jedenfalls viel zu groß für diese Bedingungen. Überpower wäre milde ausgedrückt.
Schon direkt nach dem Start wurde er dauernd von seinem Kite in die Luft gerissen und schließlich heftigst gegen einen der Betonbunker am Strand geschleudert. Dabei verletzte er sich schwer, sein Unterschenkel war komplett verdreht und er hatte einen offenen Bruch – oberhalb seines Boots konnte man ein Stück des Knochens herausragen sehen. Auch sein Knie war nicht mehr da, wo es eigentlich hingehörte … Wir holten sofort Hilfe von der Station und verständigten die Rettung. Es dauerte fast eine halbe Stunde und der Typ verlor jede Menge Blut, der ganze Sand rund um ihn herum war voll damit. Schließlich kam er ins Krankenhaus, wurde dort erstversorgt und danach wurde er in seine Heimat Russland weitergeflogen, wo man ihn dann weiter behandelt hat.

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