Kitesurfen bei schlechtem Wetter – ein kleiner Motivations- & Safety-Guide

Die meisten Kitefotos in Magazinen zeigen Kiter in perfekten Bedingungen: Blauer Himmel, türkises Wasser, warme Temperaturen und Spots mit guten Bedingungen – wie konstanter Wind und flaches Wasser oder schöne Wellen. Abgesehen davon, dass Fotos immer nur eine Momentaufnahme sind und man daraus nicht schließen kann, wie eine Session wirklich war, verleiten sie dazu, zu glauben, dass Kitesurfen eben so ist – mit Bikini- oder Boardshorts-Wetter usw. Ist es aber definitiv nicht! Schlechtes Wetter jedoch wirkt auf viele Kiter abschreckend. Schade eigentlich, denn es gibt so viele gute Gründe, bei jedem Wetter aufs Wasser zu gehen – auch, wenn alles grau in grau ist oder sogar, wenn es regnet.

Kitesurfen bei schlechtem Wetter?

Alljene, die an einem Kitespot mit perfekten Wind- und Wetterbedingungen leben, müssen eigentlich nicht unbedingt weiterlesen – sie haben einfach echt Glück! Es gibt aber auch viele Kiter, die nicht an einem solchen Platz leben. Vielleicht haben sie ihre ersten Versuche während des Urlaubs an einem warmen, sonigen Ort gemacht bzw. das Kiten dort gelernt – der Homespot oder nächstgelegene Spot bietet allerdings oft keine solchen Laborbedingungen. Kälte, böiger Wind, choppy Wasser und zu guter Letzt vielleicht noch ein, zwei Stunden, die man sich ins Auto setzen muss,  um überhaupt dorthin zu kommen … zahlreiche Gründe, um auf eine Session zu verzichten. Ok, das mag vielleicht alles nicht sehr verlockend klingen. Aber ich behaupte trotzdem: Einen Versuch ist es immer wert!

Kitesurfen bei schlechtem Wetter. (c) Helmut Fuchs/Kitejoy

Für mich ist Kiten bei sommerlichen und kalten Bedingungen etwas völlig unterschiedliches. Es fühlt sich an, als wären es zwei völlig verschiedene Sportarten! Sehr oft treffe ich im Sommer andere Kiter, die total verwundert darüber sind, dass ich auch bei Temperaturen unter 10 Grad Luft bzw. Wasser noch kiten gehe. Viele können sich nicht vorstellen, dass das Spaß machen kann. Aber ja, das tut es – und wie! Wer in Österreich kitet, ist daran gewöhnt – man muss sich nur einmal anschauen, was am Neusiedlersee teils an richtigen Schlechtwettertagen abgeht. Mit dem richtigen Equipment und Know-how ist das alles aber überhaupt kein Problem!

Wie auch immer – ich muss zugeben, dass es nicht immer leicht ist, einfach seine Kitesachen zusammenzuraffen und sich dem schlechten Wetter zu stellen. Deshalb habe ich hier einige Punkte zusammengefasst, warum man es auf trotzdem tun sollte.  Anschließend gibt es noch die wichtigsten Sicherheitstipps für Schlechtwetter-Sessions.

Kitesurfen bei schlechtem Wetter. (c) Helmut Fuchs/Kitejoy

Kitesurfen bei schlechtem Wetter –
warum man es versuchen sollte

… weil es ein Abenteuer ist

Eine Kitesession bei 30 Knoten, bedecktem Himmel und Kälte ist definitiv abenteuerlich! Man spürt die Kraft der Natur, der Elemente viel intensiver und muss auf alles vorbereitet sein – plötzliche Böen, Wetterwechsel, Regen … (Ich liebe es übrigens, bei Regen zu kiten … solange es nicht richtig schüttet. Ok, die Tropfen tun zwar im Gesicht weh, aber ich finde es einfach aufregend). Natürlich ist es verlockend, bei Sauwetter auf dem Sofa zu bleiben und sich 20 Folgen seiner Lieblingsserie reinzuziehen … aber einmal ehrlich, was kann besser sein, als ein ganz selbst erlebtes Kite-Abenteuer?

… weil es ein Skill-Booster ist

Kiten bei schwierigen Bedingungen wie böigem Wind und choppy Wasser erfordert erhöhte Konzentration und Aufmerksamkeit. Man verbessert dabei ganz unbemerkt seine Kitekontrolle, erkennt die eigenen Grenzen und muss seinen Fahrstil bzw. Manöver an die vorherrschenden Conditions anpassen.
Es kann frustrierend sein, bei unkonstantem Wind und unruhigem Wasser Tricks zu üben, aber bei perfekten Bedingungen wird man sich danach umso leichter tun. Auch an Tagen, an denen der Wind zu schwach bzw. zu stark ist, um Spaß zu haben bzw. etwas Neues zu probieren, ist eine Session keinesfalls verloren – da man dabei automatisch seine Kitekontrolle verbessert. Meine Meinung: Sessions bei schwierigen Bedingungen machen bessere Kiter!

Kitesurfen bei schlechtem Wetter. (c) Kitejoy

… weil es ein gutes Workout ist

Kitesurfen bei schlechtem Wetter und herausfordernden Bedingungen ist körperlich anspruchsvoll und verbrennt jede Menge Kalorien – da der Körper während des Kitens ständig angespannt ist und Energie in Wärme umwandeln muss. Keine Frage, dass der Burger … oder die Pizza – was auch immer man sich einverleibt – nach einer solchen Session umso besser schmeckt. Nicht zu vergessen, dass Bewegung an der frischen Luft immer gut und gesund ist (solange man bestimmte Sicherheitsregeln beachtet, siehe Tipps im Anschluss).

… es eine Herausforderung ist und man sich danach richtig stoked fühlen wird

Kaltes Wasser, böiger Wind, Wellen … abhängig vom Erfahrungslevel eines Kiters können diese Dinge aufregend und beängstigend zugleich sein. Aber: Seine Hemmungen bzw. Ängste zu überwinden und trotzdem aufs Wasser zu gehen, fühlt sich absolut großartig an (selbstverständlich nur, wenn man sich selbst nicht überschützt – siehe dazu die Tipps unten). Danach ist man stolz auf sich selbst! Sportliche Herausforderungen anzunehmen unterstützt auch die Persönlichkeitsentwicklung und hilft, sich auch im Alltag stabiler und stressresistenter zu fühlen.

Kitesurfen bei schlechtem Wetter. (c) Helmut Fuchs/Kitejoy

 

So, ich hoffe, dass ich euch genug Gründe bzw. Motivation liefern konnte, auch bei schwierigen Bedingungen aufs Wasser zu gehen. Aber: Da Kitesurfen bei schlechtem Wetter auch höhere Risiken mit sich bringt, gilt es dabei einiges zu beachten! Schließlich hat niemand Lust darauf, ein Kitemare zu erleben … so wie meine Interviewpartner aus diesem Bericht!

Kitesurfen bei schlechtem Wetter
Was man beachten sollte

Safety first!

Wer bei Schlechtwetter kiten geht, muss ganz besonders auf seine Umgebung achten. Vor jeder Session unbedingt die Wettervorhersage anschauen, und auch während man am Strand bzw. am Wasser ist, das Wetter beobachten, da dieses sich vor allem bei Frontsystemen schnell ändern kann. Außerdem sollte das Kite-Equipment und die Safety-Komponenten regelmäßig überprüft werden! Gerade bei niedrigen Temperaturen ist es wichtig, das Risiko für Materialdefekte und Unfälle zu minimieren: Muss man beispielsweise lange im kalten Wasser schwimmen, weil etwa eine Leine gerissen ist oder der Kite nicht mehr startet, kühlt der Körper sehr schnell aus – und das kann lebensgefährlich werden.
Tipp: Mehr Infos zum Thema Kitesurfen & Sicherheit gibt es in diesem Artikel.

Kitesurfen bei schlechtem Wetter. (c) Helmut Fuchs/Kitejoy

Warm bleiben

Da Unterkühlung eine der größten Gefahren ist, wenn man bei Kälte Kiten geht, sollte man klarerweise alles daran setzen, so lange wie möglich warm zu bleiben. Ohne adäquate Ausrüstung sollte man auf keinen Fall aufs Wasser gehen – ein dünner Sommer-Neoprenanzug ist zum Kiten bei tiefen Temperaturen völlig ungeeignet. Die meisten Neopren-Hersteller bieten dicke Anzüge an, die speziell für die Kälte gemacht sind – und in einen solchen sollte man auf jeden Fall investieren. Geht man oft bei Kälte bzw. auch im tiefsten Winter aufs Wasser, eignet sich auch ein Trockenanzug. Zum Länger-Warm-Bleiben empfiehlt sich auf jeden Fall auch ein Surfbeanie.
Bitte auf keinen Fall vergessen: Aufwärmen, bevor man rausgeht, ist ein absolutes Muss, vor allem bei Kälte! Körperlich fit zu sein ist für Hardcore-Kitesessions natürlich auch nicht von Nachteil. Mit regelmäßigem Training im Studio oder daheim kann man also nichts falsch machen.

Auch ein warmes Getränk in einer Thermosflasche und ein kleiner Snack sollten stets mit im Gepäck sein. Und dann wäre da noch eine Sache: Für Trödeleien, etwa während des Setups oder beim Umziehen, ist niedrigen Temperaturen keine Zeit! Man sollte also wissen, wo man seine Siebensachen hat und vorher überprüfen, ob alles intakt ist.  Wer sich nicht im Warmen umziehen kann, legt sich am besten einen Poncho* zu – für mich eine der besten Erfindungen überhaupt (auf diese Ponchos und auch alle anderen Vivida-Teile gibt es übrigens 15% mit dem Code KITEJOY ;)).

Kitesurfen bei schlechtem Wetter. (c) Helmut Fuchs/Kitejoy

Fahrstil anpassen

Ein wesentlicher Sicherheitsfaktor ist auch, sich über seinen persönlichen Könnenslevel im Klaren zu sein.  Selbstüberschätzung kann schnell zu gefährlichen Situationen und Unfällen führen! Abgesehen davon, dass Kitesurfen bei richtig schlechtem Wetter nichts für blutige Anfänger ist, müssen auch fortgeschrittene bzw. Profi-Fahrer ihren Fahrstil stets an vorherrschende Wetterbedingungen anpassen – mehr oder weniger. Nur als Beispiele: Manche Tage/Spots/Windrichtungen an bestimmten Spots eignen sich nicht zum Trainieren von Unhooked-Tricks, oft ist es besser, Straps statt Boots zu nehmen, gewisse Tage eignen sich am besten fürs Surfboard, und manchmal ist es besser, unter- statt überpowert rauszugehen.

 

Ein Gefühl dafür zu haben, wie man seinen Fahrstil an Wetter, Wind und Spots anpasst, ist ein wesentliches Merkmal eines erfahrener Kiters!  Und eines ist sicher: Wer öfters bei unterschiedlichen Bedingungen unterwegs ist, bekommt dieses Gefühl mit der Zeit ganz automatisch.

Kitesurfen bei schlechtem Wetter. (c) Helmut Fuchs/Kitejoy

Sollte jemand weitere Fragen zum Thema Kitesurfen bei schlechtem Wetter haben, könnt ihr mich jederzeit anschreiben. Ich freue mich auch über persönliche Erfahrungsberichte in den Kommentaren!

Und wer noch mehr Gründe braucht, um mit dem Kiten überhaupt erst anzufangen, dem würde ich diesen Artikel ans Herz legen.

Viel Spaß!

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