Die Kitesurf Bubble & FOMO – The fear of missing out

Es ist nichts Neues: Die meisten, die mit dem Kiten anfangen, entwickeln früher oder später eine wahre Kitesucht. Je nachdem, wie stark diese Sucht ausgeprägt ist, hat sie mehr oder weniger starken Einfluß auf den Alltag … was das Leben nicht immer einfacher macht, hehe!  
Wenn man die ganze Zeit Pläne wälzt, wie man am schnellsten zu seiner nächsten Session kommt und sein ganzes Leben rund ums Kiten herum organisieren muss, ist das oft eine ganz schöne Herausforderung! Vor allem, weil meist viele Lebensbereiche davon betroffen sind – Kiten nimmt nicht nur Einfluß auf die Persönlichkeit und Lebenssituation, sondern auch auf Beziehungen und das Arbeitsleben.

In diesem Artikel möchte ich zwei Stichwörter herausheben: die “Kitesurf Bubble” und “FOMO” (schon jemals davon gehört?) – mehr dazu wird im folgenden Text verraten!


Ein ganz normal verrücktes Kitesurf-Leben

Ehrlich gesagt hat es mich etwas Überwindung gekostet, diesen Artikel zu schreiben. Weil irgendwie waren da Gedanken wie “Also eigentlich sind das ja alles Luxus-Probleme, über die du da philosophieren willst … ist es nicht irgendwie total abgehoben, über so ein Thema zu schreiben?”
However, ich habe entschieden, das das Thema einen Artikel wert ist – weil es vielleicht bzw. wahrscheinlich noch viele andere Kiter betrifft (den einen mehr, den anderen weniger).

Die Motivation, diesen Bericht zu schreiben, ist aus einer schrägen Tatsache entstanden – die ich nur wie folgt beschreiben kann: Kitesurfen bedeutet mir so unglaublich viel, dass es mir nicht immer gut tut! Weil es mein ganzes Leben bestimmt. Haha, ja so fühlt sich das an! Klar, die meisten Einflüsse, die das Kiten in mein Leben gebracht hat, sind positiv – die damit verbundenen Glücksgefühle am Wasser und nach einer Session, es hält fit, es hat meinen ganzen Lifestyle ganz wunderbar verändert. Aber gerade in den letzten Monaten sind ein paar Faktoren dazugekommen, die weniger gut für mich sind.

Das Leben in der “Kitesurf Bubble” (wie in einer Seifenblase :)) hat mich wirklich schon manchmal fast blind für alles außerhalb meines Kite-Lebens gemacht! 

(c) Helmut Fuchs/kitejoy

Diesen Artikel zu schreiben ist demnach auch eine Form der Selbsttherapie – weil ich den Kite-Stress, den ich mir selbst auferlege, loswerden will! Und ich denke, mit dem Gefühl, in einer Kitesurf-Bubble zu leben, bin ich vermutlich nicht ganz allein, oder?

Darum muss das Thema auf den Tisch – um sich darüber bewusst zu werden – obwohl man das ganze schon auch mit einem Augenzwinkern betrachten muss. Ein wenig Suchtverhalten gehört bei solchen Sportarten schon dazu 🙂

P.S. Nur um es erwähnt zu haben – ich gehe einmal davon aus, dass das hier niemanden betrifft, er das ganze Jahr lang von Kitebeach zu Kitebeach reist oder direkt an einem Spot lebt.


Wie ich (zu) kitesüchtig wurde

Ich war wirklich gleich von Anfang ziemlich süchtig nach allem, was mit Kiten zu tun hatte – richtig schlimm wurde es nach meinen ersten gefahrenen Metern am Wasser. Seitdem lebe ich nach dem Motto: Wenn es windig ist, muss ich aufs Wasser. Egal, wie das Wetter ist. Egal, ob es irgendwelche anderen Events oder Termine gibt, Geburtstagsparties, was auch immer – sorry, aber wenn es windig ist, kann ich nicht.

Kein Wunder, dass dieses Verhalten nicht nur in meinen Freundschaften (mit Nicht-Kitern) Probleme verursacht hat. Es hat natürlich auch dazu geführt, dass ich in meinem Arbeitsleben einiges ändern musste – was ich auch getan habe. Aber obwohl ich in meinem Job (ich arbeite vorwiegend als Freelance-Journalistin) jede Menge Freiheiten genieße und viel Zeit zum Reisen habe bzw. ich meine Arbeit bis zu einem gewissen Grad rund um die Windbedingungen planen kann, war mir das nach einer bestimmten Zeit auch nicht mehr genug.

Irgendwann begann es mich total zu stressen, mein ganzes Leben rund ums Kiten zu planen. Es ist schon anstrengend, wenn man nur mehr damit beschäftigt ist, laufend die Windvorhersagen für alle möglichen Spots in Reichweite zu checken – mal davon abgesehen, dass es jegliche Arbeitsmoral killt. Vor allem, wenn man dann so wie ich super angefressen ist, weil es irgendwo gerade die perfekten Bedingungen gibt, man aber eine Deadline für einen Artikel zu einhalten muss und deshalb nicht kiten fahren kann.

(c) Helmut Fuchs/kitejoy

Kitesurfen und FOMO: The Fear Of Missing Out

Sind wir uns mal ehrlich: Social Media macht das Ganze nicht einfacher. Andauernd sieht man andere Kiter, die direkt am Spot leben und jeden Tag aufs Wasser können – das kann einen schon ein wenig verrückt machen, wenn man selbst aus irgendeinem Grund nur zuschauen kann. Sogar, wenn man an einem Spot ist, der Wind aber gerade nicht mitmacht und man mal abcheckt, was die anderen in diesem Moment tun – die natürlich gerade eine perfekte Session hatten.

Bitte nicht falsch verstehen – es geht nicht darum, dass man anderen keinen Spaß beim Kiten gönnt! A) Gerade wenn es um Freunde geht, freut man sich natürlich, wenn diese eine gute Zeit haben. Und B) ist es auch inspirierend zu sehen, was andere Kiter so tun. Trotzdem entsteht beim Durchstöbern durch FB- und Insta-Profile manchmal dieses nagende Gefühl, gerade etwas ganz Großes zu verpassen …
So wie damals im Teenager-Alter, als uns die Eltern verboten haben, zu dieser EINEN, speziellen Party zu gehen – die Party, die unser ganzes Leben verändert hätte, bei der wir den besten Abend ever verpasst haben. (War natürlich im Nachhinein nie so.) Trotzdem war das immer ein richtig mieses Gefühl, oder?

(c) Anja Fuchs/kitejoy

Das Social-Media-Dilemma

Wer hat schon einmal von FOMO gehört?  Die Abkürzung steht für Fear Of Missing Out. Ein gesellschaftliches Phänomen, das im Zeitalter von Social Media und kompletter ständiger Vernetzung immer mehr wächst. Es geht dabei um die Angst, nicht am Laufenden zu sein, soziale Interaktionen oder spezielle Ereignisse zu verpassen. Viele Leute leiden mitterweile darunter – kein Wunder, wenn man ständig sieht, wie andere das offensichtlich perfekte Leben leben, immer unterwegs sind, laufend die schönsten Orte der Welt bereisen … und jeden Tag geile Kitesessions haben!

Obwohl man es natürlich weiß, vergisst man trotzdem schnell, dass Instagram und Facebook eben nur einen kleinen Teil der Realität zeigen – und das it meistens der Beste. Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn mich – was wirklich oft passiert –Leute darauf ansprechen, dass sie gerne mit mir tauschen würden und sie sich wundern, wie ich es schaffe, das ganze Jahr pausenlos zu reisen und jeden Tag zu kiten. Weil ich ihnen dann erzählen muss, dass mein reales Leben leider nicht ganz so aussieht – sondern nur meine Social-Media-Profile.

Ok, aber woher soll man das wissen – ich poste schließlich keine Bilder von mir, wenn ich frustriert vor dem Mac sitze und mit einer Deadline für einen Artikel kämpfe (und selbstverständlich nebenbei mindestens alle zehn Minuten fünf Spots auf Windfinder abchecke). Auch nicht, wenn ich an einem Kitespot sitze und fast verrückt werde, weil der Wind aus der Forecast nicht kommt, ich zum Zeitvertreib Instagram durchstöbere und sich eine FOMO-Attacke bei mir ankündigt (haha, ja das kann schon passieren!).

(c) Helmut Fuchs/kitejoy

Wie kommt man raus aus der Kitesurf Bubble?

Ich muss schon ein wenig über mich lachen, während ich diese Zeilen schreibe … weil es auch eine gute Therapie ist. Denn, um ehrlich zu sein, ich bin noch immer viel zu tief in meiner Kite Bubble gefangen! Nicht falsch verstehen – an Kitesucht zu leiden ist grundsätzlich überhaupt nichts Schlechtes. Solange es einem gut tut und einen nicht unnötig stresst! Was in meinem Fall definitiv so war (und zum Teil noch immer ist ;)). Lange Zeit habe ich für nichts anderes gelebt als für meine nächste Kitesession – gewissermaßen wie ein Heroinjunkie, der ständig seinem nächsten Schuß hinterherjagt.

Einen Tag ohne Wind konnte ich kaum noch genießen, nicht einmal, wenn ich mit meinen Liebsten an einem sonst wundervollen Ort war. Ein Tag am Kitespot aber ohne Wind? Für mich gewissermaßen ein verlorener Tag. Noch immer habe ich in solchen Situationen ganz schön zu kämpfen. Und das ist definitiv zu viel, weil zu realitätsfern! Schließlich ist Kiten nicht alles im Leben. 

Wenn man sich dessen nicht bewusst ist, verpasst man viel Freude und wundervolle Momente. Dadurch, dass ich ausschließlich in meiner Kitesurf Bubble gelebt habe, war mir oft gar nicht bewusst, dass es auch außerhalb noch etwas gibt – vor allem viele kleine Dinge, die schön und wertvoll sind. Wenn andere mich darauf hingewiesen haben, wollte ich das gar nicht hören, weil ich nur gedacht habe, dass sie mich eh nicht verstehen wollen. Haha, echt doof *faceplant*

(c) Helmut Fuchs/kitejoy

Naja, eines muss ich zugeben: Ich bin unglaublich talentiert darin, mir selbst im Weg zu stehen! Aber es ist nun einmal so, dass jeder für seine Gefühle selbst verantwortlich ist. Dass ich es soweit habe kommen lassen, dass Kiten mein ganzes Leben und Wohlbefinden bestimmt, ist allein meine Schuld.

Jetzt arbeite ich daran, mir bewusst zu machen, dass Kitesurfen zwar immer ein bedeutender Teil meines Lebens sein wird, der mir so viel Glück, Freude und Spaß beschert – aber dass es eben nicht ALLES ist. Ich werde nicht sterben, wenn ich zwar an einem perfekten Spot bin, aber dort gerade kein Wind weht. Immerhin habe ich das schon so oft überlebt, haha! Ich will mein Glück nicht mehr davon abhängig machen, ob mir der Tag eine gute Session bringt oder nicht.  Mit diesem Bewusstsein kann man – glaube ich – sein Leben als Kiter wesentlich besser genießen.

Schließlich gibt es neben der Kiterei noch so viel mehr, so viele alltägliche Dinge, die schön sind, so viele Orte, Menschen und Aktivitäten, die in meinem Leben eine wichtige Rolle spielen. Das sollte man alles nicht als selbstverständlich ansehen! Mein Mann ist eine der Personen, die mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen, wenn ich mich wieder einmal zu sehr aufs Kiten fixiere. (Danke dafür, mein Lieber! Du wirst diesen Job in Zukunft zwar nicht ganz loswerden, aber ich verspreche, es wird sich bessern ;)).

Danke Heli, dass du mich (wenn nötig) immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholst! (c) Anja Fuchs/kitejoy

Und wie denkt ihr über dieses Thema – die Kitesurf Bubble, FOMO und Co? Mich würde interessieren, wie andere damit umgehen! 


  • Wenn du nicht sicher bist, ob du an Kitesucht leidest oder nicht, dann finde es mithilfe dieses Artikels heraus!
  • Du willst noch mehr Spaß bei deinen Kitesessions? Kein Problem – hier gibt es nützliche Tipps dafür.
  • Wie Kitesurfen mein Leben verändert hat, verrate ich in diesem Artikel!
(c) Helmut Fuchs/kitejoy

 

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2 Kommentare auf "Die Kitesurf Bubble & FOMO – The fear of missing out"

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