Ist es Kitesucht? Probleme, die (fast) jeder Kitesurfer kennt

Obwohl Kiter ihren Sport und Lifestyle genießen, sollte man nicht glauben, dass sie es immer leicht haben! Kitesucht bringt nämlich einen Haufen an Problemen mit sich, die nicht immer leicht zu handhaben sind. Die folgenden Punkte betreffen bestimmt nicht jeden Kitesurfer … aber ich bin mir sicher, dass viele Leser sich in der ein oder anderen beschriebenen Situation wiederfinden werden.

Diagonose: Kitesucht

Gleich vorab: Es ist nichts Schlimmes daran, sich die Kitesucht eingefangen zu haben … solange man sich selbst eingesteht, an dieser (schönen und gesunden) Krankheit zu leiden und die daraus resultierenden (Luxus-)Probleme nicht zu ernst nimmt!

Mögliche Symptome werden in den folgenden Punkten geschildert.


Wenn der Wind das ganze Leben bestimmt

Andauernd die Forecast checken …

Es fängt in der Früh mit dem Weckerläuten an: Das erste, woran man denkt, ist der Wind. Also muss unverzüglich die Prognose abgerufen werden – und zwar für alle Spots, die auch nur irgendwie in Reichweite sind. Manchmal sogar nocht vor dem ersten Kaffee! Das Telefon eines Kitesüchtigen ist vollgestopft mit Wind-Forecast-Apps. Windfinder– sowie Windguru-Tabs im Browser am Computer werden nie geschlossen – damit man im Falle des Falles schnell genug die Prognosen checken kann. Hier wird nichts dem Zufall überlassen!

… auch, wenn man eigentlich arbeiten sollte.

Wenn Chefs oft wüssten, was ihre kitesüchtigen Mitarbeiter die ganze Zeit so an ihrem Computer treiben! Und was, wenn ein Vorgesetzter irgendwann kapiert, dass zwischen Krankenstand und windigen Tagen eine enge Verbindung besteht? Aufpassen, hehe! Naja, eh egal, weil ein an Kitesucht Erkrankter träumt ohnehin vom Aussteigen und einem ganz simplen Leben, in dem es nur mehr ums Kiten geht.
Aber auch, wenn man sein eigener Boss ist: Dauerndes Kontrollieren und Vergleichen von Windprognosen und Wettermodellen ist anstrengend und zeitintensiv! Und ständig vor sich selbst rechtfertigen zu müssen, den Workload auf windlose Tage zu verlegen, weil das sowieso die ökonomischste Lösung ist, erfordert ein hohes Maß an Kreativität und Phantasie.


Den Wind nie aus den Augen lassen

Da hängt man in der Nähe des Spots mit ein paar Leuten herum, quatscht, hat Spaß und tut so, als wäre man entspannt … aber eigentlich beobachtet man im Augenwinkel ständig, ob und wie stark sich Bäume oder Fahnen bewegen.
Und überhaupt: Solange auch nur die kleinste Chance auf ausreichend Wind besteht, verlässt man doch den Kitespot nicht! Wenn der Partner/die Freunde/die Kids darauf drängen, in ein Restaurant oder Café zu gehen, müssen sie einen schon mit Gewalt vom Wind-Beobachtungsposten wegschleifen.  Im Restaurant will man dann natürlich nichts bestellen, maximal einen Snack. Schließlich kann der Wind jederzeit loslegen, und in diesem Fall würde man garantiert die besten 10 Minuten am Wasser verpassen – was einer Katastrophe gleichkommen würde!


Die Laune hängt vom Wind ab

Oh yeah, ein windiger Tag ist ein guter Tag – solange man kiten gehen kann. Wenn nicht, kann das schon aufs Gemüt schlagen. Kein Problem, wenn man arbeiten muss – solange es draußen nicht ballert. Im Büro sitzen, während die anderen sich am Wasser vergnügen? Selbstverständlich ist Neid ein Fremdwort, man gönnt den anderen ja ihren Spaß … trotzdem – da muss man sich manchmal ganz schön zusammenreissen! Denn schließlich versäumt man gerade die Conditions des Jahrhunderts!
Oder wenn man am Spot ankommt und es komplett windstill ist, aber das erste, was man zu hören bekommt, ist: „Du hättest gestern hier sein müssen – das war vielleicht ein Tag! Perfekte Bedingungen!“ Vielen Dank auch für die Information … soll man sich dadurch etwa besser fühlen?
Ein Klassiker ist auch die Sache mit dem Urlaub. Man bucht natürlich in der Hoffnung, dass es jeden Tag windig sein wird. Ist es aber nicht. Klar könnte man jetzt sämtliche Alternativen auflisten oder sich  No-Wind-Activities widmen und das Beste draus machen. Trotzdem: Da ist man am Spot, hat alles nötige Material und genügend Zeit im Gepäck, aber keinen Wind. Das nervt.


Kitesurfen wirkt sich auf Beziehungen aus

Da Wind und Wetter nicht langfristig vorhersagbar sind, ist es für Kitesüchtige nicht einfach, Pläne zu machen (außer, sie haben mit Kiten zu tun).  Ob es nun um den Geburtstag der Oma geht, das traditionelle Sonntagsessen bei den Eltern oder den Polterabend des Cousins – man zögert, eine fixe Zusage zu machen, denn man weiß ja nie, schließlich könnte es an diesem Tag ja windig sein!

Also versucht man alles stets unverbindlich und spontan zu halten. Sitzt man schließlich doch auf einer Familienfeier (weil man es nun mal versprochen hat), kann man sich sicher sein, dass an diesem Tag am Spot perfekte Bedingungen gibt – und man deshalb nur körperlich anwesend ist, unrund und ein schlechter Gesprächspartner. Dann bekommt man schon mal zu hören: „Denkst wohl wieder nur ans Skiten, oder?“ – „Es heißt Kiten, ohne S.“ – „Ach so, ja. Na mir wäre es ja sowieso viel zu gefährlich, dieses Skiten.“ 😀

Es ist also nicht unüblich, dass man als eingefleischter Kiter seinen nicht-kitenden Partner, Freunde oder Familie aufgrund seiner Leidenschaft vor den Kopf stößt. Ich muss zugeben, für mich ist es oft wirklich schwierig, die Balance zwischen dem Kiten und meinem Leben außerhalb der „Kite-Bubble“, wie ich sie nenne, zu finden. Ich denke aber, wir sollten uns vor Augen halten, dass Kitesurfen nicht immer alles im Leben ist und man deshalb nicht uneingeschränkt alle Entscheidungen danach ausrichten sollte.
Speziell Beziehungen zwischen einem Kiter und einem nicht-kitenden Partner können Konfliktpotential beherbergen – denn da treffen schon einmal völlig unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse aufeinander. Tipp: Im Artikel rund um Kitesurfen & Beziehung gibt es mehr Infos zu diesem Thema.


Wohin mit dem ganzen Zeug?

Die erste eigene Kiteausrüstung ist wahrscheinlich noch überschaubar und besteht gerade aus dem Nötigsten. Mit der Zeit und steigender Ausprägung der Kitesucht beansprucht das Kite-Equipment allerdings meist einen nicht unwesentlichen Teil von Haus, Wohnung oder Auto. (Außer, man ist als kitender digitaler Nomade mit kleinem Gepäck unterwegs oder arbeitet an einer Kitestation, deren Material man verwendet.) Dinge, für die man keinen Platz mehr findet, fungieren dann eben einfach als Deko-Gegenstand. Und ständig redet man sich selbst ein: „Ich brauche nur noch dieses eine Teil, aber dann ist Schluss! Dann ist meine Ausrüstung komplett.“  Ja genau … Was für ein Glück, dass es heutzutage schon so einfach ist, Kitematerial übers Internet zu (ver)kaufen!

So, und wie verhält es sich mit der Kitesucht bei euch? Welche Symptome bemerkt ihr und wie geht ihr damit um? 


Wer mehr darüber lesen möchte, wie Kitesurfen das ganze Leben auf den Kopf stellen kann, klickt am besten hier.

Warum Kitesurfen der beste Sport überhaupt ist? Hier gibt’s die Antwort!

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Kommentar verfassen

wpDiscuz