Kitespot Rhodos-Kremasti

Mein Sommerspot

Diesmal geht’s um einen Spot, der mir in zweierlei Hinsicht viel bedeutet: Erstens, weil ich dort bis dato meine meisten Stunden am Wasser verbracht, meine größten Fortschritte gemacht und mein Kitelehrer-Praktikum an diesem Ort absolviert habe. Und zweitens,

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Einer meiner liebsten Ausblicke im Sommer: beach view in Kremasti.

weil ich dort so viele Leute kennengelernt habe, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und die ich inzwischen ohne zu zögern als Freunde bezeichne. Nicht zu vergessen unser geliebter Hund Monkey, der am  Kremasti Beach das erste Jahr seines Lebens verbracht hat und den wir dort kennengelernt haben. Was soll ich sagen – mit dem Örtchen Kremasti auf der griechischen Insel Rhodos bin ich so emotional verbandelt, dass ich mir nicht mehr vorstellen kann, ein Jahr lang nicht hinzufliegen. Nein, das ginge gar nicht.

Kitespot Rhodos-Kremasti
Wind und Wetter und Wasser

In Kremasti findet man – vor allem in den Sommermonaten Juli und August – verlässliche Windbedingungen. In all den Wochen, die ich bis jetzt an diesem Spot verbracht habe (eben Juli und August), gab’s in Summe 95 Prozent Windausbeute. Das ganze übrigens bei stets traumhaftem Wetter und keinem einzigen Regentag. Temperatur in diesen Monaten: in der Regel 30 Grad plus. Auch nachts bleibt es richtig warm (übrigens ohne Wind, der geht abends runter und kommt erst am nächsten Tag wieder).

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Quelle: Windfinder

Der Meltemi – so wird der Sommerwind in der Ägäis genannt – kommt am Kremasti Beach sideshore bis sideoff von links rein. Er dreht zwischen Rhodos und dem türkischen Festland auf westliche Richtung und wird durch die Meerenge gepresst. Das Ergebnis: ein Düseneffekt, der es in sich hat! Zusätzlich pusht die Thermik den Wind nachmittags noch etwas – wodurch man dann mit 5-7 Beaufort rechnen kann. Hin und wieder gibt’s auch vormittags schon Wind, dann allerdings schwächer, mit 3-5 Beaufort.
Im Frühjahr und Herbst erlebt man öfters den aus nördlicher Richtung pfeifenden Tramontana – der in Kremasti einen ordentlichen Shorebreak hervorzaubert. Für Anfänger allerdings weniger zu empfehlen.

Bei Meltemi bleibt das Wasser anfangs recht flach, je stärker der Wind wird, desto mehr Kabelwelle entsteht. Weiter draußen findet man dann die Dünungswelle, die je nach Windstärke bis zu eineinhalb Meter hoch werden kann. Temperaturtechnisch ist das Wasser im Sommer ziemlich warm – 28, 29 Grad sind keine Seltenheit. Es ist also auch nicht schlimm, wenn man mal länger schwimmen muss.

Der Stehbereich ist übrigens eher bescheiden – weshalb der Spot für blutige Anfänger schon heikel sein könnte. Typisch für Griechenland geht’s ein paar Meter abfallend ins Wasser und wird dann gleich tief. Wer aber hochmotiviert ist und keine Angst vor tiefem Wasser hat, der packt das schon – vor allem, weil die Lehrer bei den Air Riders genau wissen, was sie tun und wie sie helfen können.
Für alljene, die es lieber supereasypeasy haben und schnell die Nerven schmeißen, ist womöglich trotzdem ein Lernrevier in Ägypten o. ä. besser geeignet. (Ich mein ja nur.)

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Der Strand von Kremasti mit dem Air Riders Kite Procenter. Der Wind kommt side- bis sideoffshore von links.

Die Lage und der Strand
Der Ort Kremasti liegt im Norden der Insel Rhodos, etwas östlich vom Flughafen und rund 12 Kilometer von Rhodos Stadt entfernt. Superpraktisch ist, dass man vom Flughafen nur ca. 10 Minuten bis in den Ort braucht. Was auch das – meiner Meinung nach – einzige Manko für jemanden sein könnte, der empfindlich ist: der Flugverkehr. Im Sommer ist Rhodos ja flugtechnisch nicht gerade wenig frequentiert. Wie gesagt, wenn man empfindlich ist, kann einen sowas schon anzipfen, vor allem wenn ein Russenjumbo über einen drüber pfeffert. Aber ich habe noch niemanden kennengelernt, den das so genervt hat, dass deswegen er nicht wieder nach Kremasti kommen hätte wollen.

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Der Kitespot Rhodos-Kremasti liegt im Norden der Insel.

Am Strand – der je nach Unterkunft zu Fuß, mit dem Rad oder Moped (kann man beides günstig mieten) erreichbar ist, befindet sich das Air Riders Kite Procenter. Eine Station, die wirklich alles hat: Top-(Leih-)Material und Storages, eine Hammer-Terrasse, einen Kompressor (bei mehr als 30 Grad ein wahrer Segen!), einen riesigen Teppich für die Kites, immer geile Musik und vor allem supernette, herzliche und hilfsbereite Leute.

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Besser als nach Hause schwimmen. (c) Helmut Fuchs

Um vor der Station kiten und den Kompressor etc. nutzen zu dürfen, muss man sich anmelden. Wenn man für den Notfall Rescue möchte, kostet das extra (ist aber verhältnismäßig günstig). Ist aber schwer zu empfehlen, denn es kommt immer wieder vor, dass der Wind einschläft. Und dann ist man heilfroh, wenn man vom Jetski aufgegabelt wird!

Am Beach findet man einen Mix aus feinem Sand und Kies. Flip Flops sollte man unbedingt mithaben, wenn man sich in der Hitze keine Brandblasen an den Füßen holen will. Ob man Schuhe trägt oder nicht, das ist einerseits eine Frage der Einstellung, der Optik und hängt andererseits davon ab, ob man hart im Nehmen ist oder nicht. Die Steine beim Einstieg können nämlich schon fies sein. Wenig erfahrenen Kitern würde ich persönlich auf jeden Fall Neo-Socken bzw. -Schuhe empfehlen – sicher ist sicher.

Zum Abhängen und entspannen zwischen den Sessions eignen sich der hintere, überdachte Teil des Kiteteppichs bzw. die Terrasse perfekt. Die Terrasse ist außerdem genial, wenn jemand mit ist, der nicht kiten geht. Je nachdem, ob man Sonne oder Schatten will, kann man es sich oben gemütlich machen und entweder ein Buch lesen, einfach nur chillen oder dem Treiben am Wasser zusehen. Dafür gibt es gepolsterte Bänke und bequeme Liegen. Ganz ehrlich: Einen Ausblick wie von dieser Terrasse hat man selbst im Luxushotel nicht alle Tage.

Hier das Air-Riders-Kitecenter mit Terrasse on top (die Beschattung sieht man hier nicht, aber es gibt sie :)):

airridersstationDie Gäste an der Kitestation kommen von überallher, deshalb verständigt man sich an der Station generell auf englisch. Man sollte also wenigstens die Grundlagen der englischen Sprache beherrschen, das hilft nicht nur beim Kontakteknüpfen enorm. Fällt einem an der Station jemand auf, der kein Englisch spricht, dann ist er oder sie mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Russland. Von mürrisch dreinblickenden Russen sollte man sich übrigens nicht einschüchtern lassen – die meinen’s nicht so 😉

So sieht die Station mit Blick aus dem Wasser aus (und ja, es ist wirklich so türkis!):

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Kitespot Rhodos-Kremasti (c) Helmut Fuchs

Nun noch ein paar Dinge, die man unbedingt wissen sollte:

Wie schon oben erwähnt, kommt der Wind oft leicht sideoff von links. Sideoff + Bäume und Gebäude am Strand = Verwirbelungen. Diese können beim Starten und Landen des Kites hundsgemein sein! Sogar erfahrene Kiter haben darum in Kremasti schon schwer adrenalingeladene Harakiri-Starts geliefert – ernsthaft.

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Wenn der Start funktionieren soll, dann gilt: Don’t pull the bar!!! (c) Helmut Fuchs

Am besten ist deshalb, man lässt sich beim ersten Launch alles zeigen, die Jungs und Mädels von der Station sind da voll auf Zack. Wenn man einmal weiß, wie es geht, sollte es kein Problem sein: Erstens: Don’t pull the bar (Grundsatz Nr. 1)! Nach dem Start den Kite auf keinen Fall auf zwölf rauflassen, sondern nur auf zehn Uhr, dabei die obere (in dem Fall die rechte) Backline mit einer Hand halten. Dabei kann man sogar die Bar ganz auslassen. Und dann flugs ab in Richtung Wasser. Nach den ersten Metern sind die Verwirbelungen vorbei und der Spaß kann beginnen. Beim Landen darf man sich dann auch nicht wundern, wenn hin und wieder der Kite stallt. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt – und, ehrlich gesagt, auch ein bisschen Glück.

Rechts vom Kitebereich gibt es eine mit Bojen abgegrenzte Schwimmerzone. Wie der Name Schwimmerzone schon sagt, ist diese nicht für Kiter gedacht. Natürlich landen trotzdem immer wieder welche drin und hängen dann im Worst Case mit ihrem Equipment an den Bojentauen fest. Das wäre ja an sich alles nicht so schlimm, wenn es nicht immer wieder lustige Badegäste geben würde, die dann die Polizei rufen – was der Station immer mächtig Ärger einbringt. Wer also jemals zu den Air Riders nach Kremasti kommen sollte, möge sich bitte von der Schwimmerzone fernhalten – und wenn das nicht möglich ist, dann einfach dort warten, bis der Jetski kommt und nicht mit dem Kite am Badestrand an Land gehen.

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Bojen + Schwimmerzone = keep distance. Hier befinde ich mich gerade in einer äußerst unvorbildlichen Situation. Nicht nachmachen. (c) Helmut Fuchs

Was noch?
Unterkünfte gibt es in Kremasti genug – die meisten davon sind preiswerte, nette Pensionen. In Strandnähe befinden sich zwischen Kremasti und Trianda (der nächste Strand Richtung Rhodos Stadt) mehrere kleine Hotels, ebenfalls im nächsten Ort Ialyssos. In Ixia, das noch näher an Rhodos Stadt liegt, findet man die klassischen Monster-Hotelbunker. Touristischer als in Ixia ist es auf Rhodos wahrscheinlich nur im Partymekka Faliraki. Naja, was soll ich sagen – jeder, wie er mag.

Wieder zurück nach Kremasti: Der kleine Ort bietet in Sachen Gastro so einiges – Cafés, wo man gut frühstücken kann, ein paar nette Bars mit tollen Cocktails (zB Skybar – hier den Mojito probieren!) und Restaurants mit fairen Preisen. Was man unbedingt mal essen sollte, sind Meze (auch Mezedes): ein Menü bestehend aus vielen kleinen Gerichten (wie Griechischem Salat, Pommes, gebackenem Feta, Tsatziki, gefüllten Weinblättern, am Schluss meist einer Fleisch- oder Fischplatte – was der Wirt gerade auf Lager hat, also immer eine Überraschung). Das ganze zu einem fixen, meist sehr günstigen Preis, der außerdem noch Bier oder Ouzo bzw. Wasser beinhaltet. Nach einem anstrengenden Kitetag jedenfalls genau das Richtige 😉 Auch Supermärkte gibt es in Kremasti mehrere, und wenn man nachts noch Lust auf etwas Ess- oder Trinkbares bekommt, dann hat immer noch eines der Kiosks offen.

In Rhodos Stadt ist alles ein wenig teurer – aber trotzdem sollte man sich wenigstens einen Abend nehmen, um sich diese coole Stadt anzusehen. Vor allem die Altstadt muss man gesehen haben, die ist wirklich unglaublich beeindruckend. Und auch das Nachtleben dort kann sich sehen lassen – zig kleine, geniale Bars neben größeren Outdoor-Discos und und und. Am besten, man lässt sich einfach treiben und schaut, wo man landet. Ganz im Gegensatz zu dieser Nachtmeile ist die berühmt-berüchtigte Bar Street. Wer gerne hardcore feiert, und das am besten inmitten hunderter schwertbetrunkener Briten, hat dort sein Glück gefunden – sollte dann aber drauf hoffen, dass der Wind am nächsten Tag erst spät kommt.

Vielleicht noch ein paar Worte zur Kultur: Da hab ich leider nicht viel zu sagen. Aber nicht nur, weil ich ein Kulturbanause bin, sondern weil es in meiner Zeit auf Rhodos immer so viel Wind gab, dass ich es meist nicht geschafft hab, den Kite im Rucksack zu lassen und stattdessen einen Ausflug zu machen. Da mein Mann da gleich tickt wie ich, haben wir es gerade mal hinbekommen, dem berühmten Dorf Lindos einen Nachmittag zu opfern. Hierzu kann ich nur sagen: Es ist ganz schön dort, aber wenn man clever ist, schaut man sich das nicht – wie wir – in der brütenden Nachmittagshitze an, sondern abends. Dann bleibt tagsüber nämlich auch noch genügend Zeit zum Kiten 😉

War jemand schon mal auf Rhodos kiten und hat noch etwas zu ergänzen? Ich bin gespannt, hoffe aber, dass mein Bericht einen guten Überblick liefert! Wer noch Fragen oder Anregungen hat, kann sich gerne bei mir melden.

Cu, Anja

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Sunset in Kremasti.

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