FAQ rund ums Kitesurfen VOL. 4: Equipment – gebraucht oder neu kaufen?

Es ist soweit: Ausrüstung muss her!

Die Kitesucht verläuft beim Großteil der Betroffenen sehr ähnlich. Kurz bevor der akute Zustand in den chronischen übergeht, treten üblicherweise folgende Symptome auf: Man hat seine ersten Meter auf dem Wasser absolviert undimage fängt schließlich so richtig Feuer. Die  dann auftretende unbändige Motivation wirft natürlich Fragen auf: Wo bekomme ich nun Kite-Ausrüstung her? Welches Equipment passt denn zu mir? Und vor allem: Was brauche ich überhaupt alles, um Kiten zu gehen – und wo bekomme ich das her?
Hier eine Auflistung der Basics (zu ein paar davon habe ich bereits Artikel veröffentlicht, die euch bei der Auswahl helfen können – siehe Links):

Das ist schon so einiges an Material, in das investiert werden muss. Und leider ist Kitesurfen kein billiges Hobby. Dazu kommt noch ein Symptom der Kitesucht im fortgeschrittenen Stadium: Kiteequipment vermehrt sich laufend. Wenn man nicht gerade Großverdiener ist, hört man sein Konto beim Einkauf von Kitezeugs schon mal leise wimmern. Um Kohle zu sparen bzw. sich überhaupt einmal ein ordentliches Anfangs-Equipment kaufen zu können, stellt sich deshalb die Frage:

Kiteausrüstung gebraucht oder neu kaufen?

Der Neoprenanzug

neosand

Ich finde, man kann in Sachen Ausrüstung das meiste erst einmal gebraucht kaufen. Bis auf den Neoprenanzug – den würde ich mir immer neu zulegen. Warum? Nun,  nicht umsonst gibt es Reinigungsmittelchen für Wetsuits, die sich “Piss off” nennen – muss ich dazu noch mehr sagen? 😉 Ja, die Leute pinkeln in ihre Neoprenanzüge. Sicher tun das nicht alle. Aber viele tun’s – ist nun mal so.
Wer in Sachen Hygiene auf Nummer sicher gehen möchte, investiert also in einen neuen Neo. Die Dicke des Anzuges richtet sich nach dem Revier, in dem man vorwiegend kitet.

Bei superwarmem Wetter braucht man keinen Neoprenanzug. Aber wer hat das schon immer? (c) H. Fuchs
Bei superwarmem Wetter braucht man keinen Neoprenanzug. Aber wer hat das schon immer? (c) H. Fuchs

Ach ja:  In der Karibik braucht man vermutlich gar keinen Wetsuit, in kühleren Gefilden hingegen wird man ohne nicht lange Spaß am Wasser haben. Die Dicke 5/4/3 (Rumpf/Beine/Arme) ist ein guter Anhaltspunkt für einen schön warmen Neo. Ich persönlich gehe in Sachen Neopren nach der Devise: Je dicker, desto besser – und lieber ein wenig zu warm als zu kalt.
Und, wichtigVorher probieren sollte man den Anzug auf jeden Fall! Wichtig ist, dass man a) gut rein- und rauskommt sowie sich b) darin wohlfühlt und nichts zwickt. Ich hatte mal einen Neo aus irgendeinem superdehnbaren Hightech-Neopren (deshalb natürlich sauteuer), bei dem ich – obwohl ich wirklich gelenkig bin – jeweils 20 Minuten zum An- und Ausziehen gebraucht habe.  Danach war ich jedesmal körperlich und nervlich am Ende (ich übertreibe nicht!). Teuer und Hightech sind also nicht immer gute Kaufgründe!
Handschuhe und Neoprenschuhe-/Socken bzw. eine Mütze aus Neopren bzw. mit Neopren-Inlay (sorry, aber hier komme ich um die Eigenwerbung fast nicht herum ;)) sind in jedem Fall nützliche Accessoires, wenn man bei kühlen Temperaturen kiten geht oder – was gerade in der Anfängerphase häufig vorkommt – man oft auf der Suche nach seinem Board im Wasser draggt.

Ein Trockenanzug macht Kiten bei niedrigen Temperaturen wesentlich angenehmer.
Ein Trockenanzug macht Kiten bei niedrigen Temperaturen wesentlich angenehmer.

Wer vorhat, auch im Winter kiten zu gehen, kann sich noch einen Neopren-Unterzieher (auch besser neu kaufen ;)) zulegen oder sogar über einen Trockenanzug nachdenken. Wie der Name schon verrät, kommt bei einem solchen kein Wasser an den Körper (nass werden können nur Hände, Füße und Kopf). Einen Trocki gebraucht kaufen ist ok – aber man sollte ihn sich vorher persönlich ansehen und unbedingt die Gummidichtungen auf Risse und Löcher kontrollieren. Halten diese nämlich nicht zu hundert Prozent dicht, bringt der Anzug nix – wenn Wasser reinkommt, ist’s nämlich ganz vorbei mit dem Spaß 😉

gounastyle7
Bei warmen Bedingungen reicht ein Shorty völlig aus – lange Ärmel sind aber immer angenehm, finde ich. (c) H. Fuchs

Für wärmere Bedingungen gibt es Neoprenanzüge aus dünnerem Material, knielang oder noch kürzer geschnitten. Mein persönlicher Tipp: Lange Ärmel sind auch bei einem Shorty gut – denn an den Armen kühlt man im Wind schneller aus. Auch hier gilt: Am besten neu kaufen.

Das Trapez

Welches Trapez für wen geeignet ist, könnt ihr im Artikel zur Frage “Sitz- oder Hüfttrapez?” nachlesen. Für den Anfang reicht meiner Meinung nach ein gebrauchtes Trapez. Mein erstes Trapez habe ich damals gebraucht gekauft und diese Entscheidung war auch voll in Ordnung. Allerdings empfehle ich unbedingt, das Harness vorher anzuprobieren – denn die Passform ist wesentlich für den Lernprozess und die Performance.

Wichtig: Ein Trapez finden, das passt und nicht zwickt.
Wichtig: Ein Trapez finden, das passt und nicht zwickt.

Passt das Trapez nämlich nicht gut  und rutscht z. B. die ganze Zeit nach oben (was besonders beim Üben leicht passiert, da der Kite da sehr oft im Zenit steht), dann lenkt das vom Kiten ab. Abgesehen davon, dass das tierisch nervt, kann man davon auch ziemliche Schmerzen bekommen. Wer ein gebrauchtes Trapez kauft, sollte auch drauf schauen, dass der Verschluss nicht schwergängig ist (kommt manchmal vor, wenn das Harness viel im Salzwasser genutzt wurde) und die Riemen sich nicht zu schwer verstellen lassen – sonst ist das An- und Ausziehen jedesmal ein Drama (vor allem bei Kälte mit klammen Fingern!)

Das Board

Die meisten werden es vermutlich von ihrem Kitekurs wissen: Anfangs gibt’s ein großes Board – da Wasserstart und Höhelaufen damit einfacher sind. Viele Beginner fahren bei ihrem Kitekurs mit einer “Door” (oder Klotür, wie man auch öfters hört). Ich würde aber nicht empfehlen, sich fürs Selberüben eine Door zu kaufen. Man mag sich anfangs zwar damit leichter tun, aber in Sachen Kante geben macht man damit keine Fortschritte. Die Boardfrage werde ich in Vol. 5 dieser Serie genauer behandeln.

cropped-titelfoto-kiteblog1.jpg
Ideal zum Anfangen: ein Twintip mit Schlaufen. (c) H. Fuchs
faceswhilejumping
Ein Board mit viel Rocker und Boots sollte man erst ausprobieren, wenn man viel Kiteerfahrung gesammelt hat.

However, als erstes Board wird’s höchstwahrscheinlich ein Twintip werden. Ein solches kann man natürlich auch gebraucht kaufen. Ganz entgegen dem Motto “einem gekauften Gaul schaut man nicht ins Maul” würde ich sagen: Doch, macht das ruhig – aber vorher. Soll heißen: Wenn ihr ein Board ins Auge gefasst habt, das euch gefällt, dann googelt unbedingt das Modell und achtet auf die Beschreibung des Herstellers – ist das Brett anfängertauglich, läuft es gut Höhe etc. Leider verkaufen viele Scherzkekse ihr Equipment unter Angaben, die nicht ganz wahrheitsgetreu sind – und damit meine ich nicht, dass oberflächliche Kratzer (die der Funktion eines Boards keinen Abbruch tun) verschwiegen werden, sondern wesentliche Merkmale! Da wird etwa die Wakestyle-Banane als perfektes Beginner-Board angepriesen und der neue Besitzer verzweifelt daran, Höhe laufen zu lernen und ist am Ende super frustriert. Der Arme – hätte er es nur besser gewusst! Achtet also auf ein Brett, das Freeride-tauglich ist und keinen extremen Rocker hat (d. h. an den

Boots sehen zwar cool aus – zum Üben sollte man aber auf Schlaufen setzen. (c) KSP Sports
Boots sehen zwar cool aus – zum Üben sollte man aber auf Schlaufen setzen. (c) KSP Sports

Enden nicht stark aufgebogen ist!). Auch Finnen sollte das Board unbedingt haben (möglichst in der Standard-Größe;)). Und bitte verzichtet – so cool es auch aussehen mag – als Anfänger auf Boots! Image ist nicht immer alles. Auch, wenn man vielleicht damit argumentieren könnte, dass es gerade in der Lernphase praktisch wäre, sein Board nicht zu verlieren – nope. Stürze mit Boots können gerade für unerfahrene Kiter extrem gefährlich sein. Drum: Schlaufen, Schlaufen und nochmals Schlaufen. Und lasst die Handle erst einmal drauf – zum Üben ist die nämlich Gold wert (egal, ob es nun cool aussieht oder nicht!).
Übrigens: Wenn ihr wissen wollt, was Proriderin Malin Amle zum Thema Schlaufen vs. Boots zu sagen habt, dann lest hier das Interview zum Thema.

19491993910_5eb2393bc8_o

Die Kites

Ich spreche hier deshalb gleich von der Mehrzahl, weil die wenigsten auf Dauer mit einem Kite auskommen. Die meisten Kiter verfolgen eine Dreier-Strategie (z. B. 6 + 8 + 10 oder 7 + 9 + 12 Quadratmeter). Abhängig ist das von den den Revieren, an denen man am häufigsten kiten wird – ist es eher ein Starkwind- oder Leichtwindrevier? Hilfreich fürs Ermitteln der passenden Kitegröße ist dieser Kiterechner von getakite(Zur Info: Ich gehe in diesem Artikel nur auf Tubekites ein und nicht auf Mattenkites). 
Neben der Größe ist auch die Art des Kites entscheidend. Was der genaue Unterschied zwischen Vier- und Fünfleinern ist, könnt ihr hier nachlesen. Weiters entscheidend ist der Shape des Kites.

Was für ein Kite soll es werden? (c) H. Fuchs
Was für ein Kite soll es werden – und welches Setting? Tipp: Immer erstmal den Mittelweg wählen. (c) H. Fuchs

Deltas oder Hybrid-Shapes eignen sich gut als Lernkites (aber auch für Fortgeschrittene oder Könner). Auf keinen Fall sollte man sich als Anfänger einen reinrassigen C-Kite kaufen – aus dem einfachen Grund, dass man sich damit schwer tun wird. Wer sich fürs Gebraucht-Kaufen entscheidet – Achtung: Erstens gibt es bei gebrauchter Ware üblicherweise keine Garantie. Und auch hier ist es nicht selten, dass in Kleinanzeigen der Wolf im Schafspelz angeboten wird – z. B. “Slingshot Fuel, perfekter Anfängerkite mit Auto-Relaunch und tollen Höhelauf-Eigenschaften”. Da frag ich mich – geht’s noch? Hab ich aber leider schon so gesehen! Natürlich bringt das jemanden, der sich mit Material mittlerweile auskennt, nur zum Schmunzeln. Aber ich frage mich trotzdem: Macht derjenige das absichtlich oder weiß er es einfach nicht besser? Und was davon wäre eigentlich schlimmer?
Wie auch immer, auch oder vor allem bei gebrauchten Kites gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Googelt, informiert euch auf den Seiten der Hersteller oder fragt Freunde, die schon länger kiten und sich in Sachen Material auskennen.
Tipp: Wer in Foren bzw. Facebook-Gruppen postet, was er sucht, tut gut daran, das möglichst genau zu formulieren – nach Möglichkeit sollte man auch anführen, in welchem Level man kitet und in welchen Bedingungen man das Material einsetzen möchte. Ebenso macht es Sinn, zu erwähnen, was bitte nicht angeboten werden soll – z. B. bitte keine C-Kites, Fünfleiner, Wakestyle-Boards oder Directionals (Surfboards).

Schulungsschirme machen im Laufe einer Saison ordentlich etwas mit. (c) H. Fuchs
Schulungsschirme machen im Laufe einer Saison ordentlich etwas mit. (c) H. Fuchs

Ein unendlich wichtiges Kriterium beim Kauf eines gebrauchten Kites ist auch das Alter. Mehr als fünf Jährchen sollte der Drache grundsätzlich nicht auf dem Buckel haben. Warum? Weil sich die Safety-Systeme laufend verändern – und die neueren nun mal sicherer sind. Nutzt auch hier am besten die Möglichkeiten des Internets und informiert euch über das Sicherheitssystem des Kites, den ihr im Auge habt. Dazu kommt, dass ältere Kites meist schon viel Wind, Sand und UV-Strahlung abbekommen haben – was das Tuch strapaziert und anfälliger für Risse macht. Man weiß beim Gebrauchtkauf leider nie, wie der Vorbesitzer mit seinem Material umgegangen ist – ob der Kite z. B. immer in der direkten Sonne “geparkt” oder öfters nass eingepackt wurde (dadurch können Stockflecken oder Schimmel entstehen).

Kiteschulen verkaufen ihre Schirme meist nach einer Saison günstig weiter. Hier würde ich allerdings zur Vorsicht raten. Warum? Nicht, weil die Schulen etwas Schlechtes verkaufen wollen.

Beim Kauf eines gebrauchten Kites sollte man auf die Tube, die Struts und die Ventile achten. (c) H. Fuchs
Ob Schulungsschirm oder nicht: Beim Kauf eines gebrauchten Kites sollte man auf die Tube, die Struts und die Ventile achten. (c) H. Fuchs

Aber wer einen Kitekurs gemacht hat, hat ziemlich sicher mindestens einmal den Kite mit der Fronttube volle Kanne aufs Wasser geknallt … oder etwa nicht? 😉
Wie auch immer – wenn ihr es nicht wart, dann die anderen Schüler ;). Die Fronttube eines Schulungskites hat jedenfalls ordentlich etwas mitgemacht, und auch wenn man von außen keine Verschleißerscheinungen sehen kann – es gibt sie.

Achtet bei der Entscheidung für einen Kite auf jeden Fall darauf, dass  Ventile, Tube und Struts des Kites dicht sind. Patches oder genähte Reparaturen sind grundsätzlich kein Problem und sollten den Kite nicht in seiner Performance beeinflussen. Im besten Fall muss man sich nicht auf Fotos verlassen, sondern schaut sich den Kite vor Ort an und hat – sofern man selbst noch nicht viel Erfahrung hat – jemanden dabei, der sich mit Material auskennt – das macht das Einschätzen wesentlich leichter und hält auch meist den Verkäufer davon ab, einem das Blaue vom Himmel herunter zu erzählen (ich will hier niemandem, der Gebrauchtware verkauft, etwas unterstellen – aber vorkommen tut so etwas ja leider immer wieder).

IMG_6483

Und wie ist das mit den Marken? Für welchen Hersteller man sich entscheidet, spielt eigentlich keine Rolle – in den vergangenen Jahren haben nahezu alle Brands Kites für diverse Einsatzgebiete bzw. Könnerstufen ins Programm aufgenommen. Und ich bin mir sicher, dass in den letzten paar Jahren keine “schlechten” Kites mehr produziert wurden, die nicht funktionieren. Als primäre Entscheidungskriterien würde ich das Alter des Kites (nicht älter als fünf!), die Art des Safety-Systems (beschrieben auch in diesem Artikel), den Shape und selbstverständlich auch die Optik hernehmen.
Auf den Homepages der Hersteller (ich fahre zum Beispiel Cabrinha) gibt es alle Infos rund um deren Kitemodelle und was diese können bzw. für welchen Einsatzbereich sie geeignet sind. Handelt es sich um etwas ältere Kites, ist – wie so oft bei diesem Thema – Google euer Freund. Erfahrungsberichte bzw. Beschreibungen von

Die Suche nach dem passenden Kite kann manchmal ganz schön anstrengend sein.
Die Suche nach dem passenden Kite kann manchmal ganz schön anstrengend sein.

Surf- und Kiteshops können weiterhelfen. Das Risiko, sich etwas Falsches bzw. völlig Unpassendes zu kaufen, kann man natürlich nie ganz ausschließen – sondern nur auf ein Minimum reduzieren.
Clever ist z. B., sich nicht gleich auf das erstbeste Review zu verlassen, sondern sich ein paar unterschiedliche Meinungen und Beschreibungen durchzulesen oder, sofern möglich, jemanden zu fragen, wie seine Erfahrungen mit einer bestimmten Marke sind.  Außerdem sollte man nach dem aktuellen durchschnittlichen Marktpreis des Modells schauen, damit man einen Vergleich zum Gebraucht-Angebot hat.

Bar & Safety-Leash

Hier gilt in erster Linie: Ist man kein absoluter Experte in Sachen Material, sollte man die Bar kaufen, die zum Kite gehört. Auf Experimente mit markenfremden Kombinationen würde ich mich hier – vor allem als unerfahrener Kiter – nicht einlassen. Warum: In erster Linie wegen der Sicherheit (das Safety-System muss zum Kite passen). Weiters wegen der Performance (wenn die Leinenlängen der Bar nicht genau zum Kite passen, fliegt das Ding nicht, wie es soll und lässt sich auch nicht optimal steuern).

Wichtig beim Kauf von Kite-Equipment: Bar und Kite müssen zusammenpassen. (c) H. Fuchs
Wichtig beim Kauf von Kite-Equipment: Bar und Kite müssen zusammenpassen. (c) H. Fuchs

Ganz wichtig in Sachen Bar: Die Leinen dürfen keine Knoten, sichtliche Scheuerpunkte oder Risse aufweisen und das Quickrelease muss einwandfrei funktionieren, d. h. es darf nicht klemmen und muss sich leicht wieder zusammenbauen lassen. Vor dem ersten Mal Fliegen mit dem Kite sollte man auch überprüfen, ob Längen der Back- und Frontlines jeweils gleich sind. Apropos Leinenlängen: Für Kite-Beginner eignet sich die Standardlänge von 24 oder 25 Metern am besten. Über 15-Meter-Leinen kann man sich später mal Gedanken machen.
Schaut außerdem auf die Größe der Bar – grundsätzlich gilt: großer Kite, große Bar – kleiner Kite, kleine Bar. Ein Siebener-Kite mit einer Riesenbar (zB 56 cm) kann einem Anfänger zum Verhängnis werden – ein Zwölfer mit Mini-Bar (ca. 40 cm) bedeutet Frust pur. Rund 50 cm sind ein guter Mittelweg.
Ach ja, und damit ich es nicht vergesse: Schaut auch darauf, dass die Bar einen Chickendick hat – reine Wakestyle-Bars haben so etwas nämlich nicht 😉

Handlepass-Leashes sind länger als das Standardmaß. (c) H. Fuchs
Handlepass-Leashes wie diese auf dem Foto sind länger als das Standardmaß. (c) H. Fuchs

Bei vielen angebotenen Gebraucht-Bars ist die Safety-Leash gleich mit dabei. Wenn nicht oder wenn das Ding uralt ist, klemmt, Risse hat oder sich nicht ordentlich zusammenbauen lässt – kauft euch in einem Kite- oder Surfshop eine neue Leash. Wenn man keine Handlepasses macht, dann ist man mit der Standardlänge gut bedient. Leashes für solche speziellen Tricks sind länger, was anfangs nur ablenkt und stört.

Apropos Leash: Lasst euch keine Boardleash andrehen (meine persönliche Meinung)! So verlockend es auch klingen mag, nicht zu

Eine Boardleash ist ein absolutes No-Go und gefährlich – auch, wenn man mit Helm unterwegs ist. (c) H. Fuchs
Eine Boardleash ist ein absolutes No-Go und gefährlich – auch, wenn man mit Helm unterwegs ist. (c) H. Fuchs

seinem Board hindraggen zu müssen, wenn man es verloren hat – dieser vermeintliche Komfort ist leider heimtückisch. Bei Stürzen passiert es nämlich leicht, dass das Board an der Leash mit voller Wucht nach vorne geschleudert wird – wodurch der Kiter schwer verletzt werden kann. Auch, wenn er einen Helm trägt.
Ich predige es wieder einmal: den Upwind-Bodydrag sollte jeder Kiter beherrschen, um wieder an sein Board zu kommen.

Pump it up!

Wer Kites besitzt, sollte auch eine Pumpe besitzen. Klar kann man sich die am Strand auch ausborgen. Aber das bedeutet oft, dass man warten muss, bis man seinen Kite aufpumpen kann (in der Kälte weniger angenehm). Und ehrlich gesagt ist es auch supernervig, wenn alle zwei Minuten jemand antanzt und sich die Pumpe ausborgen will! Tja, und wenn sich in Sachen Pumpe jeder auf den anderen verlässt, dann wartet ständig jemand darauf. Oder diese Situation: Eine Gruppe Kiter, nur eine Pumpe am Start und die geht plötzlich kaputt oder passt nicht auf alle Ventile. Nicht gut. Außerdem – wer vorhat, einmal alleine kiten zu gehen,  braucht sowieso eine.

So, und wie ist das jetzt mit neu und gebraucht? Klar kann man sich günstig ein gebrauchtes Teil checken – allerdings macht das Aufpumpen mit einer modernen Pumpe mehr Spaß, weil es viel schneller geht. Bei einer guten Kitepumpe ist der Schaft aus Alu (Pumpen, die zur Gänze aus Plastik bestehen, halten meist nicht lange).
Mit  einer Pumpe, auf der ein Manometer montiert ist, kann man außerdem genau überprüfen, auf wie viel PSI man seinen Schirm aufpumpt (wie stark der jeweilige Kite aufgepumpt werden soll, steht im Manual des Herstellers).
Worauf man auch achten sollte: Dass der Schlauch der Pumpe über den Aufsatz verfügt, der zu eurem Kite passt. Früher waren kleine Ventile üblich, die Kites von heute haben hingegen meist einen großes Schraubventil. Ob Kite(s) und Pumpe zusammenpassen, sollte man unbedingt vorher abchecken – um unlustige Überraschungen zu vermeiden 😉

Vom Saustall mal abgesehen: Beim Kite gehen muss die Pumpe mit.
Vom Saustall mal abgesehen (Grund: Ruck-Zuck-Spotwechsel): Wenn man kiten geht, sollte die Pumpe immer mit.

Kitematerial gebraucht kaufen – aber wo?

Gebrauchtes Kitematerial findet man in zahlreichen Foren, Facebook-Gruppen oder diversen Verkaufsportalen. Hier ein paar Beispiele (dort könnt ihr euer Material natürlich auch zum Verkauf anbieten):

Get a Kite

Kite- & Windsurf-Gebrauchtmarkt

Aloha – Sup Surf Kite 2nd Hand Markt

Kitebörse

Soviel zur Frage “gebraucht oder neu?”. Natürlich hoffe ich, dass ich euch mit diesem Artikel einen guten Überblick liefern konnte. Wenn es noch Fragen dazu gibt – nur zu! Sofern ich diese beantworten kann, tu’ ich das sehr gerne.

CU, Anja

P. S. Kennt ihr schon die anderen Artikel der FAQ-Serie?
Vol. 1: Sitz- oder Hüfttrapez?
Vol. 2: Vier- oder Fünfleiner?
Vol. 3: Der Kiteknigge – Benimmregeln am Kitebeach

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "FAQ rund ums Kitesurfen VOL. 4: Equipment – gebraucht oder neu kaufen?"

Kommentar verfassen

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz