Business, Lifestyle, Kitesurfen & Zickenkriege: Interview mit Maroean Mones von Girlzactive

Vor kurzem habe ich mit Maroean Mones geredet. Die Holländerin hat Girlzactive gegründet, ein Unternehmen, das weltweit Kitecamps und Boardsport-Events für Frauen organisiert. Es ist gar nicht so lange her, dass  Maroean noch in der Corporate-Banking-Branche gearbeitet hat. Ein Kitekurs war ausschlaggebend dafür, dass sie sich 2013 irgendwann folgende Frage gestellt hat: „War das echt schon alles?“ Schlussendlich wurden die Businessklamotten im Schrank eingemottet und im November 2014 offiziell  Girlzactive ins Leben gerufen. Maroean hat die Kitelehrer-Lizenz gemacht, unterrichtet und stellt  gemeinsam mit ihrem Team die Girlzactive-Trips auf die Beine. Ihre Homebase ist in Utrecht, meistens ist sie aber irgendwo auf der Welt an Kitespots unterwegs.

Für mich war es wirklich beeindruckend zu erfahren, wie eine Frau  denkt, die einfach das Risiko eingegangen, ihrem Herz gefolgt ist und jetzt jeden Tag den Surf-Lifestyle lebt. Was nicht bedeutet, dass dahinter nicht viel Arbeit steckt, ganz im Gegenteil sogar!

Mehr über den Spirit von Girlzactive, Rituale, das Kite-Beziehungs-Thema und das Klischee rund um Zickenkriege in Frauengruppen gibt’s hier im Interview zu lesen.


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Maroean hat ihren gutbezahlten Job an den Nagel gehängt und ihr Leben auf den Kopf gestellt. Jetzt reist sie 10 Monate im Jahr um die Welt, manchmal mit  Labrador Dino und  Campingbus.

War es schwer für dich, deinen „normalen“ Job zu kündigen und ein eigenes Business auf die Beine zu stellen? Wie hat diese Entscheidung sich auf deine Persönlichkeit und deinen Lifestyle ausgewirkt?

Es war das Schwierigste, das ich jemals in meinem ganze Leben getan habe – den monatlich (gut) bezahlten Job zu kündigen und sich auf etwas gänzlich Unsicheres einzulassen. Aber ich wusste, wenn ich es nicht mache, dann werde ich nie herausfinden, ob es funktioniert. Naja schau mich an … früher habe ich jeden Tag Anzug getragen und bin ein teures Leasingauto gefahren, habe 60 Stunden als Projektmanager gearbeitet.
Jetzt habe ich meine eigene Firma, reise zehn Monate im Jahr rund um die Welt, mit oder ohne meinen Labrador Dino und meinen Campingbus (ja, einer von diesen Hippie-VW-Bussen) und ich habe mich noch nie so sehr als „ich“ gefühlt. Mein Lifestyle hat sich aber schon sehr geändert – ich habe zum Beispiel nicht mehr so viel Geld zum Ausgeben und mein Sozialleben ist auch total anders, weil ich kaum zuhause bin.

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Früher jeden Tag Business-Outfits und teures Auto, heute Beach-Outfit und keine Unmengen an Kohle zum Rauswerfen. So fühlt sich Maroean um vieles wohler.

In Sachen Lifestyle waren manche Sachen auch schon vor Girlzactive gleich – zum Beispiel, dass ich gerne Sport mache, gesundes Essen mag und möglichst bewusst lebe. Durch mein jetziges Leben natürlich umso mehr.

Klar hat sich auch meine Persönlichkeit verändert. Ich arbeite derzeit 80 Stunden pro Woche – aber das ist egal, weil ich das mache, was ich am liebsten tue, nämlich anderen Frauen das Kiten beibringen. Und ich weiß jetzt besser, wie man die Kräfte der Natur genießt und wie man glücklich ist, so wie man eben ist – bzw. wie man eins mit sich selbst ist.
Auf meine Freunde wirke ich wahrscheinlich entspannter und klarer. Früher mal war ich schon mit Spielereien und Hipster-Gewohnheiten beschäftigt … mittlerweile nehme ich das Leben, wie es kommt und so, wie ich eben bin – keine Filter, keine Allüren, die einzigen Spielsachen die ich jetzt habe sind jede Menge Boards und meine Kites <3

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Momentan arbeitet Maroean rund 80 Stunden die Woche, aber sie fühlt sich trotzdem entspannter als früher.

Wie sieht ein normaler Tagesablauf derzeit aus? Hast du sowas wie spezielle Rituale? 

Das solltest du meine Gäste fragen … die würden sofort mit meiner morgendlichen Kaffeesucht kommen. Also, aufstehen, sich erstemal Zeit für einen guten Kaffee nehmen und dann kann der Tag starten 🙂 Wenn ich nicht mit Dino unterwegs bin und mit ihm spazieren gehe, dann versuche ich, mir jeden Morgen in irgendeiner Weise Zeit für mich alleine zu nehmen, also ohne Gäste (ich versuche es zumindest, aber das ist meine Schwäche, an der ich arbeiten muss). Zum Beispiel mit Yoga, einer Surfsession oder einer kleinen Tour mit meiner Kamera – irgendetwas, das den Kopf frei macht, so dass ich mal eine halbe Stunde lang nicht ans Business denke.

Danach startet mein Leben als Coach – was bedeutet, dass ich täglich von früh bis spät für meine Gäste da bin, um sie mit allem zu versorgen, was sie brauchen. Einen Stundenplan gibt es nicht, da jeder Tag von den Windverhältnissen und Ansprüchen der Gäste bestimmt wird. Nach dem Abendessen kümmere ich mich ums Marketing und um die Mails, die schließlich auch beantwortet werden wollen. Sofern ich Zeit und Energie übrig habe, beende ich den Tag mit einem Drink am Meer und nehme mir Zeit, mir bewusst zu machen, wie viel Glück ich habe. Das ist wichtig – da ich diese Tatsache lauter Arbeit oft vergesse.

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Maroean über den Tagesablauf bei den Girlzactive-Camps: „Stundenplan gibt es keinen, da alles von den Windverhältnissen abhängt.“

Was glaubst du sind die Hauptgründe dafür, dass viele Frauen in Sachen Kiten zögerlich sind bzw. sich nicht trauen, damit anzufangen? 

Die meisten Frauen mögen Selbstkontrolle bzw. Kontrolle im Allgemeinen. Kiten ist aber etwas, bei dem man nicht immer die volle Kontrolle hat – schon gar nicht in der Zeit, wenn man es lernt. Selbst nach den vielen Stunden, die ich schon am Wasser verbracht habe, würde ich sagen, dass mich mein Kite nicht mehr überraschen kann – und das gehört einfach zu diesem Sport dazu. Klar denke ich, die volle Kontrolle zu haben, aber das hat man doch nie. Das ist sicher ein Grund, warum viele sich damit schwer tun. Du musst loslassen können. Ich glaube nicht, dass Kiten gefährlich ist, wenn man einen guten Lehrer hat und ruhig bleibt, aber man muss sich halt geistig darauf einlassen können.

Männer sind mehr so á la „lass uns das halt machen“, während Frauen vorwiegend ans „was, wenn?“ denken. Die Gefahr, die Kontrolle verlieren zu können, ist für Frauen sehr abschreckend. Und die Sache mit der Geduld! Kiten ist doch wie Radfahren, keiner kann es sofort, aber wenn man es einmal beherrscht, vergisst man es nicht mehr.
Lernen braucht Zeit – auch eine harte Sache für viele Mädels, weil sie alles gleich können wollen. Man muss akzeptieren, dass es nun einfach mal so ist – bei einer Session kann man  problemlos Höhelaufen, bei der nächsten funktioniert es nicht mehr. Mein Tipp: Laufen lassen und jede Stunde unter dem Kite genießen. Man lernt ständig etwas Neues dazu.

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„Kiten lernen braucht Zeit – für Frauen ist das schwierig, weil sie alles immer gleich können wollen.“ Also übt euch in Geduld, Mädels! 😉

Gibt es viele Frauen, die kiten lernen wollen, obwohl ihr Freund bzw. Mann es nicht tut?

Glücklicherweise gibt es immer mehr Mädels, die trotzdem damit anfangen. Ich hätte nicht einem Typen zuliebe zu kiten begonnen, und Kelly, Very und Lidewij (die Girlzactive-Crew) auch nicht. Aber ja, ehrlich betrachtet, starten die meisten Frauen, weil ihr Freund oder Mann es auch macht. Das ist ok, aber die Tatsache, dass sie mit dem Kiten wieder aufhören, sobald die Beziehung auseinandergeht, ist weniger gut – und eines meiner Ziele ist, sie zum Weitermachen zu motivieren. Kitesurfen ist ein sozialer Sport, aber am Wasser bist du alleine. Jede Frau sollte es einfach versuchen, mit oder ohne kitende bessere Hälfte. Abgesehen davon sind die meisten Kitejungs nicht gerade die besten Typen für eine Beziehung 😉


Es gibt das Klischee, dass bei mehreren Frauen auf einem Haufen Zickenkrieg vorprogrammiert ist. Wie erlebst du das – Mythos oder Wahrheit? 

Das fällt ganz klar unter Mythen. Zwischen den Mädels funktioniert es  grundsätzlich super. Der Sport ist das gemeinsame Interesse, die meisten kommen anfangs allein dazu und sind sehr offen für neue Kontakte. Wenn jeder neu in der Gruppe ist, fällt es leichter, sich gegenseitig anzupassen. Klar werden nicht alle zu Freunden, aber das ist ja auch voll ok. Wie im täglichen Leben – manche mag man, manche sind weniger dein Typ, aber zumindest kann man sich respektieren.
Bei der Aufteilung der Räume richten wir uns danach, was wir von den Mädels wissen – und nach 16 langen Camps weiß man so ungefähr, wer zusammenpasst und wer nicht. Wir haben vorher schon Snowboard-Camps organisiert und da war es ähnlich. Obwohl, im Vergleich dazu sind die Surf Chicks etwas anfälliger für Zickenkriege 😉 Naja, ich bin jedenfalls sehr happy mit meinen Kitemädels! Ach ja, dass alle 25+ sind, ist wahrscheinlich auch hilfreich 😉

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Obwohl meist viele Frauen in den Girlzactive-Kitecamps zusammenkommen, gibt es glücklicherweise kaum Zickenkriege.

Was macht den größten Unterschied zwischen Frauen und Männern aus, wenn sie neue Sportarten oder Tricks lernen?

Ganz einfach: Männer tun einfach und denken später. Frauen wollen erst genau wissen, was wie wann passieren wird, was bei einem Sport wie Kiten nicht immer so einfach zu sagen ist. Ich glaube wirklich, dass man ein bestimmter Typ sein muss, um Frauen unterrichten zu können. Vielen Männern fällt das schwer, weil sie die Fragen der Mädels gar nicht alle verstehen. Ich liebe es. Es gehört einfach dazu, Frauen brauchen mehr Worte, um auf den Punkt zu kommen – und das ist voll ok so.


Was sind deine Pläne für die nächsten Jahre – für dich selbst und für Girlzactive?

Für mich selbst:
Ich brauche ganz bestimmt etwas mehr Freizeit, Zeit um zu reflektieren und zu verstehen, was für ein Glück ich eigentich habe, so leben zu können. Um weitermachen zu können, muss ich Balance zwischen Arbeit und Privatem finden, denn momentan dreit sich in meinem Leben alles nur um die Arbeit. Wenn jemand weiß, wie man diese Balance findet, bitte bei mir melden 😉 Nein, Scherz, aber natürlich muss ich den Ausgleich finden, mehr von meiner täglichen Arbeit delegieren und mir zwischen den Trips Pausen zum Durchschnaufen genehmigen.

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Für Girlzactive:
Ich will natürlich weitermachen, die Marke soll zu einem Lifestyle heranwachsen. Kiten steht an erster Stelle, aber wir wollen eine Community kreieren, in der es nicht nur um Urlaub geht, sondern um die Lebensart.

Wir wollen unsere Gäste in diese Lebensweise mit einbeziehen und sie erfahren lassen, was man mit ‚riskanten‘ Boardsportarten, gesundem Lifestyle und Zeit, um wirklich man selbst zu sein, für sein Wohlbefinden  tun kann. Wir wollen ihnen unseren Surf-Lifestyle in seiner ganzen Seele mitgeben, ebenso die ganzen sozialen Aspekte – immerhin trifft man dabei so viele mit denselben Interessen und Lebensansichten.
Girlzactive ist ein Lebensprojekt, kein Unternehmen um reich zu werden. Sei wer du willst und hör damit auf, das zu tun, was die anderen von dir erwarten. Die einzige Person, die dich glücklich machen kann … richtig, das bist du selbst.  Klingt spirituell, aber wir glauben wirklich daran.

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Über die Zukunft von Girlzactive sagt Maroean: „Wir wollen eine Community wachsen lassen, in der es nicht nur um Urlaub und Kitesurfen geht, sondern um eine Lebensart.“

Wenn ihr mehr über Girlzactive wissen wollt oder an einem Camp teilnehmen möchtet, schaut doch auf der Homepage or Facebook-Seite vorbei. Oder ihr lasst euch von den Girlzactive-Pics auf Instagram inspirieren!

 

All jenen, die noch am Überlegen sind, ob sie mit dem Kiten anfangen sollen oder nicht, lege ich diese Artikel ans Herz: 

Warum Kitesurfen?

Wie Kitesurfen mein Leben verändert hat

Wie aus Angst Respekt wird

 

Und hier gibt’s noch Lesefutter zum Thema Kitesurfen und Beziehung:

Kitesurfen & Beziehung

 

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