Inspirierende Frauen im Kitesport: Nathalie Lambrecht

Dieser Artikel ist der Anfang einer neue Serie rund um inspirierende Frauen im Kitesport. Dabei soll es nicht nur um bekannte Profikiterinnen gehen – sondern um Frauen aus aller Welt und aller möglichen Kite-Skill-Levels, die mit dem, was sie tun, andere inspirieren.

Den Anfang macht Nathalie Lambrecht, die schon sehr früh mit dem Kiten begonnen hat, 2017 schwedische Meisterin wurde und nun leider durch eine Knieverletzung vor ein paar Monaten zu einer Pause gezwungen war. Die sie jedoch genutzt hat, um sich auf andere Projekte zu konzentrieren – wie ein Girls-Kite-Event in Schweden oder ihren (super motivierenden!) Vlog. Worum es dabei genau geht und wie sie ihre Erholungszeit nach der Verletzung übersteht (inkl. nützlicher Tipps!), verrät Nathalie im Interview.

Nathalie Lambrecht interview Kitejoy
Nathalie beim Freestyle in Ägypten. (c) Barry Garwood

Interview: Nathalie Lambrecht

Erzähl uns doch etwas über dich und wie du mit dem Kiten begonnen hast!

Ich würde sagen, ich bin ein ziemlich internationaler Mix – 50 % Schwedin und 50 % Belgierin und geboren in Costa Rica, wo ich bis zu meinem dritten Lebensjahr gelebt habe. Den Rest meiner Kindheit habe ich in Ägypten verbracht. Mit 14 zog ich dann nach Schweden, um meine Schulausbildung zu absolvieren. Mein Dad lebte weiterhin in Ägypten, deshalb konnte ich ihn während der Ferien immer besuchen. Jetzt bin ich 20 und habe meine Ausbildung vor einem Jahr abgeschlossen. Ich bin wirklich glücklich darüber, zwei Heimatorte zu haben. Mit dem Kiten habe ich begonnen, als ich 12 war – dank der Nanny, die ich damals hatte. Sie lernte es damals gerade und schwärmte immer davon, wieviel Spaß es doch machen würde. Schlussendlich konnten wir meinen Vater davon überzeugen, dass ich Kiteunterricht bekommen würde. Meine Leidenschaft wuchs mit jeder Session! Kiten war und ist für mich die beste Möglichkeit, der Realität zu entfliehen und mich frei zu fühlen.

Nathalie Lambrecht interview Kitejoy
Waterwoman: Nathalie Lambrecht lebt in Schweden und Ägypten, wo sie so viel Zeit wie möglich auf dem Wasser verbringt. © Niklas Funk

Wie läuft es im Moment mit deiner Kitekarriere? 

Naja, als Karriere würde ich es jetzt noch nicht bezeichnen. Ich habe einen tollen Sponsor, der mich mit Top-Material ausstattet. Aber ich kann nicht vom Kitesport leben. Zum Glück bekomme ich immer noch viel Unterstützung von meinen Eltern, ich kann bei ihnen wohnen und so weiter.  Nachdem ich die Schule abgeschlossen habe, habe ich in El Gouna nebenbei als Gästebetreuerin gearbeitet, um mir etwas dazuzuverdienen. Aber in Summe reicht das alles noch nicht aus, um davon zu leben. Wenn ich dann mal völlig unabhängig bin, vom Kiten leben kann und an mehr internationalen Competitions teilnehme, würde ich mich geehrt fühlen, wenn wir von einer Kitekarriere sprechen. 

Erzähl uns von deinen Lieblingsdisziplinen beim Kiten!

Ich mache hauptsächlich Freestyle und Big Air. Schwer zu sagen, was davon ich lieber mag … Was ich liebe, ist dieses Gefühl vor dem Aushaken oder vor einem Sprung. Diese Millisekunde, bevor man seinen Trick startet und man sich nur aufs Hier und Jetzt konzentriert. Und dann folgt der pure Adrenalinkick – da spüre ich meine Leidenschaft brennen! 

Nathalie Lambrecht interview Kitejoy
Nathalie bei einem WKL-Contest in El Gouna, Ägypten. © Svetlana Romantsova

Du hast dich leider am Knie verletzt … was ist genau passiert und wie ging es dir nach dem Unfall? 

Das waren diese klassischen letzten Minuten einer Session, wenn man schon müde ist und eigentlich besser aufhören soll. Ich habe eine etwas höhere Backroll to Wrapped trainiert, habe die Bar nicht erwischt und bin schlecht gelandet. Beim Arzt wurde eine dislozierte Kniescheibe und ein gerissenes Seitenband diagnostiziert. Das bedeutete eine Pause von sechs Monaten … verheerende Nachrichten für mich, denn da ich nicht mehr in Schweden zur Schule musste, hätte ich endlich die Freiheit gehabt, 24/7 zu kiten! Anfangs fühlte ich mich wie in einem schwarzen Loch, denn ich durfte mit meinem rechten Bein nichts machen, keine Art von Training, auch nicht schwimmen, laufen oder radfahren. Normalerweise bin ich ständig aktiv – deshalb war es echt schwer für mich, die Tatsachen zu akzeptieren. Nichtsdestotrotz versuche ich immer, die Sachen aus einer positiven Perspektive heraus zu sehen und neue Dinge zu finden, auf die ich mich konzentrieren kann. Ich musste meine Ziele und Pläne einfach an die gegebene Situation anpassen. Mit meinem linken Bein konnte ich noch immer trainieren und in Sachen Oberkörper-Training wurde ich eben ziemlich kreativ. In dieser Zeit wurde mir klar, dass ich gerne mehr über den menschlichen Körper lernen möchte. Zusätzlich habe ich eine neue Leidenschaft für Yatzy (ein Würfelspiel) entdeckt. Und außerdem konnte ich endlich meinen Vlog starten! 

Was war am schwierigsten für dich in dieser Zeit  – nicht kiten zu können? Wie hast du trainiert?

Am schwersten war definitiv, nicht das tun zu können, was ich am meisten liebe – kiten. In Sachen Training habe ich mich auf Übungen für den Oberkörper konzentriert und täglich daran gearbeitet, mein Knit zu stärken. Ich trainiere vorwiegend alleine, im Fitnessstudio oder zu Hause. Hin und wieder bekomme ich in Hinsicht auf die Knie-Reha Unterstützung und Anleitungen von einem Physiotherapeuten – was schon sehr hilfreich ist. 

Nathalie Lambrecht interview Kitejoy
“Big Air zählt zu meinen Lieblingsdisziplinen”, erzählt Nathalie Lambrecht und zeigt hier auch gleich, wie das aussehen soll. © Niklas Funk

Jetzt kannst du schon wieder aufs Wasser zum Kiten, wenn auch “nur” mit dem Surfboard … 

Ja, endlich wieder auf dem Wasser zu sein ist einfach der Wahnsinn! Mit dem Surfboard habe ich allerdings nicht viel Erfahrung – da gibt es also noch viel zu lernen … Anfangs darf ich aber nur hin und her fahren, und natürlich werde ich den Kick von Freestyle und Big Air vermissen! Ich muss einfach noch ausreichend starke Muskeln aufbauen, bis ich wieder bereit fürs Twintip bin.  

Wie lauten deine Tipps für die oft schwierige nach einer Verletzung? 
  • Bleib positiv.  
  • Nimm dir ausreichend Zeit zur Erholung. 
  • Versuche, dich auf andere Dinge zu konzentrieren oder ein neues Hobby zu finden. Meine neue Leidenschaft ist Yatzy, ein Würfelspiel. Als ich ganz unten war, war das die beste Ablenkung.  
  • Wenn Kiten deine große Leidenschaft ist, solltest du trotzdem weiterhin in den Lifestyle involviert bleiben. Ich habe beispielsweise an Demo-Veranstaltungen teilgenommen oder bei einem Girls-Kiteevent gecoacht.  
  • Mach dir einen Countdown und Pläne für die Zeit nach der Verletzung, auf die du dich freuen kannst. 
“Bleib positiv und nimm dir ausreichend Zeit zur Erholung.” © Niklas Funk

Worum geht es bei deinen Projekten wie dem Girls-Kiteevent in Schweden und dem Vlog? 

Den Vlog wollte ich schon seit Langem machen … naja, und durch die Verletzung hatte ich plötzlich auch die Zeit dazu. Davor habe ich dieses Projekt ständig nach hinten verschoben – schließlich wollte ich keinen windigen Tag auf dem Wasser verpassen. Das Kiteevent für Frauen wurde von einer Kiteschule bzw. einem Shop in Schweden namens Kite Kalle organisiert. Eine tolle Initiative, um Frauen fürs Kiten zu motivieren. Ich hoffe, dass es ab jetzt jährlich stattfindet  – dann möchte ich definitiv immer dabei sein. 

Hier geht’s zu Nathalies Vlog & Social-Media-Channels:

VLOG
Nathalie Lambrecht auf Instagram

 

Aufmacherfoto: @ Niklas Funk


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Frauen und Kiten – ein Motivations-Guide

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