Höher springen: Tips von Big-Air-Champ Bibiana Magaji

Die ersten Sprünge gelingen beim Kiten meist recht schnell, nachdem man stabil in beide Richtungen fahren kann. Springen und richtig hoch Springen sind aber zwei verschiedene Paar Schuhe – den Unterschied macht nicht nur die Windstärke, sondern vor allem die Technik – sagt Big-Air-Profi Bibiana Magaji, die in diesem Artikel Tipps für höhere Sprünge verrät.

Kennengelernt habe ich Bibi vor ein paar Jahren bei unserer gemeinsamen Kitelehrer-Ausbildung, und schon damals war ihr Können am Wasser echt beeindruckend. Mittlerweile ist die gebürtige Slowakin Teamriderin für Flysurfer und wurde im vergangenen Jahr WKL-Weltmeisterin in ihrer Paradedisziplin Big Air.

Bibi & me am Neusiedlersee. (c) Helmut Fuchs/kitejoy

Mit den folgenden Profi-Tipps sollte höher Springen mit mehr Style kein Problem mehr sein – vielleicht nicht gleich 17,6 Meter (so hoch ist Bibi letzten Sommer in Podersdorf am Neusiedlersee gesprungen) – aber es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Wichtig: Aspekte wie Sicherheitsabstand zum Ufer, zu Hindernissen und anderen Kitern bzw. Surfern und das Abchecken der Wetterbedingungen vor dem Kiten bzw. währenddessen werden in diesem Beitrag nicht gesondert behandelt, sind aber in Artikeln über Angst & Respekt beim Kiten oder Kitemares genauer beschrieben. Wichtig beim Lernen von neuen Tricks ist in jedem Fall, sich des eigenen Könnens bewusst zu sein und sich nicht zu überschätzen.

In diesem Sinne, viel Spaß mit Bibis High-Jump-Tipps!

Höher Springen – das wollen viele. Wie’s geht, weiß Bibi. (c) Fabian Müntz

Höher springen:
Tipps von Big-Air-Champ Bibiana Magaji

Bevor ich dir sage, wie du mit deinem Kite höher springen kannst, ist es einmal wichtig zu verstehen, wie man überhaupt springt! Ich habe viele gute Kiter beim Springen beobachtet, die aufgrund einer schlechten Technik nicht sehr hoch aus dem Wasser kommen. Das ist schade, und somit solltest du darauf achten, dass du gleich von Anfang an alles richtig machst – auch wenn Sprünge anfangs noch nicht sehr hoch sind, werden sie zumindest zumindest stylisch sein!

Das A und O eines jeden Sprungs ist der Absprung selbst, also das richtige Ankanten. Ok, vielleicht vorher noch ein paar Punkte zur Technik: Du verlässt das Wasser indem du den Kite möglichst schnell nach oben lenkst, also z.B. von 10 auf 12 Uhr, wenn links deine geschicktere Seite ist. Soweit, so klar, hoffe ich. Also wieder zurück zum Ankanten. Du weißt nicht ob du das kannst? Ok, schaffst du eine schöne „Straßenbahnwende“ ohne dass dich der Kite über die Kante zieht, wenn du auf die Kante gehst? Dann ist alles gut. Wenn nicht, dann übe zuerst einmal das – sonst hüpfst du nämlich eher weit als hoch.

Ok, das wären die Basics. Wie du dir vermutlich schon denken kannst, bedarf es beim Ankanten und Hochlenken des Kites eines bestimmten Timings! Stell dir vor du fährst … hmm, wahrscheinlich fragst du dich jetzt, auf welchem Kurs und mit welcher Geschwindigkeit? Gut, lass uns das noch vorher klären: Der Kurs ist meiner Meinung nach relativ egal, das ergibt sich von selbst. Die Geschwindigkeit ist großteils wellenabhängig. Fährst du am Flat, kannst du ruhig Gas geben. Hast du große Wellen vor dir musst du eher langsam fahren. Bist du im Chop unterwegs… ja schwierig, dann liegt der richtige Speed irgendwo dazwischen 😉 Nein im Ernst, im Chop liegt die Herausforderung darin, eine schöne kleine Welle als Absprung zu finden – du fährst also eher langsam und suchst deine Welle, wenn du sie siehst, gibst du Gas und steuerst auf sie zu!

Für Boardoffs muss man eine ordentliche Höhe erreichen – sonst geht sich’s mit der Landung nicht aus … (c) Lukas Vogeltanz

Und nun wieder zurück zum Timing. Nochmal, stell dir vor du fährst. Sobald du springen willst, lenkst du deinen Kite hoch und fängst gleichzeitig an anzukanten. Durch das Hochlenken des Kites entsteht mehr Zug, es bleibt dir nichts anderes übrig als dich nach hinten zu lehnen und die Fersen – also die Kante des Boards – richtig ins Wasser zu drücken.
(Achtung: Sobald dich der Kite über die Kante zieht und du schlitterst seitlich weg brauchst du gar nicht mehr abzupringen! Also Abbruch und gleich nochmal versuchen.)

Sobald sich der Kite auf 12 Uhr befindet (ganz leicht drüber geht auch noch), ziehst du die Bar zu dir und springst weg. Zieh an der Bar wirklich erst, wenn der Kite oben ist. Und zwar genau dann – nicht früher und auch nicht später. Und genau dann musst du auch wegspringen, also dich vom Wasser abdrücken!

Big-Air-Champ Bibi auf dem Weg ins Wasser. (c) KK

Die Barbewegung sieht folgendermaßen aus: Du fährst mit gestreckten Händen, die Bar möglichst weit von dir weggeschoben, der Kite also depowered – aber trotzdem mit genug Zug. Beim Hochlenken ziehst du dann richtig mit der hinteren Hand an! Die Bar bleibt trotzdem weit nach vor geschoben, sodass du beim Absprung (also wenn du dann die Bar zu dir ziehst) noch möglichst viel Depowerweg zur Verfügung hast – je mehr, desto höher geht es hinauf.

An dieser Stelle noch ein kleiner Einwand, damit ich objektiv bleibe. Einige wenige C-Kites und C-artige Kites verhalten sich hier anders. Man kann auch mit komplett angezogener Bar wegspringen um den größt möglichen Lift zu erreichen! Aber wenn du so etwas fahren solltest, weißt du hoffentlich, was du tust, deswegen gehe ich hier nicht weiter in die Tiefe.

„Der Absprung ist das A und O eines jeden Sprungs.“ (c) KK

Ok, somit wären wir jetzt in der Luft angelangt! Ja, jetzt schön die Bar angezogen halten während der kompletten Flugphase, und erst kurz vor der Landung den Kite wieder nach vorne lenken. Bzw. solltest du, wenn du von hoch oben runterkommst und immer noch sanft landen willst, einen „Landedownloop“ machen! Da reden wir aber schon von richtigen Sprunghöhen, darauf komme ich später noch einmal zurück.

Um richtig hoch zu kommen, brauchst du einen kleinen Kite … und somit auch den passenden Wind dazu! Je kleiner der Kite, desto schneller kannst du ihn hinauflenken, und umso mehr Zug nach oben kann er erzeugen. Meine persönliche Lieblingsgröße ist ein 8er. Mit einem 7er kann ich zwar bei mehr Wind auch höher springen, es geht aber auch relativ schnell wieder runter. Je kleiner der Kite, desto weniger trägt er dann leider auch. Außerdem werden die Kleinen ziemlich schnell und „zickig“ – was Tricks in großen Höhen ziemlich unberechenbar, fast schon gefährlich macht.

Beim Big-Air-Training in Kirgistan. (c) KK

Meine Empfehlung: Ein 8–10-m-Kite, mit dem man schön angepowert ist, es aber trotzdem noch selbst ins Wasser schafft. Sehr leichte Kiter greifen besser zu kleineren Kites. Wer mit fremder Hilfe ins Wasser gezogen werden muss, ist massiv überpowert und kann auch nicht mehr hoch springen. Du erinnerst dich: Du musst für hohe Sprünge noch Kante halten können!

Der Objektivität wegen noch einmal: Du kannst auch richtig überpowert kiten gehen und Wellen als Kicker nutzen! Da braucht man dann auch nicht anzukanten, der Kite darf also ruhig größer sein. So entstehen ja auch die Rekorde von Nick, Aaron, Kevin usw., die mit viel Überpower im Kite an einer drei- bis fünf-Meter-Welle abspringen. Hier ist der Landedownloop ganz wichtig, oder auch mehrere. Das ist aber nur etwas für wirklich erfahrene Kiter!

„Meine Empfehlung für hohe Sprünge: Ein 8-10-m-Kite, mit dem man schön angepowert ist, aber es trotzdem noch alleine ins Wasser schafft.“ (c) KK

Wie schon vorhin erwähnt, ist der Absprung ist das A und O eines jeden Sprungs. Klar, wenn der Absprung perfekt gelingt ist alles ganz easy – aber vielleicht sollte ich mich doch korrigieren, denn die Landung ist das O!
Seien wir mal ganz ehrlich: Auf dem Weg zu höheren Sprüngen wird es ab und zu auch mal richtig weh tun. Horrorszenarien bei einer schlechten Landung sind Knöchelbruch, gebrochene Rippen, gerissene Sehnen im Knie bis zum K. O. gehen und Bewusstlosigkeit (Salzwasser einatmen tut der Lunge nicht gut)! Mir blieb bislang so etwas erspart, aber leider kenne ich einige Jungs, denen all das passiert ist auch persönlich. Da stellt sich die Frage: Kennt man seine eigenen Grenzen und ist man bereit, diese zu überschreiten – oder bleibt man eher in der Komfortzone?

Bibi an einem stürmischen Tag in Podersdorf am Neusiedlersee. (c) Oliver Platzgummer

Noch ein paar Worte zum Material: Dein Kite sollte auf keinen Fall zu alt und auch nicht x-mal geflickt sein. Bei starkem Wind und hohen Sprüngen kommen schon ordentliche Kräfte zusammen – und du willst nicht aus über 10 Metern Höhe fallen gelassen werden, weil dein Kite den Geist aufgibt. Dies gilt auch für den Zustand der Leinen, wenn dieser sogar nicht noch wichtiger ist.
Dein Board sollte für High Jumps eher klein sein – so kannst du mehr Zug im Kite noch wegdrücken. Runde Tips sind von Vorteil, damit man nicht in den Wellen verkantet und wenig Spritzwasser ist auch angenehm, damit man noch sieht wohin man fährt – was bei viel Wind und Chop sehr angenehm ist.

Soweit so gut, du siehst, richtig hoch springen ist eine komplexe Angelegenheit, die oft unterschätzt wird. Viele Komponenten spielen dabei eine Rolle – wichtig ist in jedem Fall, sich mit seinem Material vertraut zu machen, seinen Kite (auch die kleinen Größen) unter Kontrolle zu haben und das eigene Können bzw. externe Gegebenheiten wie Wind, Wetter, den Spot und Entfernungen zu Hindernissen und anderen Wassersportlern richtig einzuschätzen.

Bibi als Siegerin am Podest beim IKA-World-Championships-Finale in Porto Pollo/Sardinien im Herbst 2016. (c) Alexandru Baranescu

Wer mehr über Bibi erfahren möchte, schaut auf ihrer Homepage oder Facebook- bzw. Instagram-Seite vorbei:

www.bibianamagaji.com

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