Serie: FAQ rund ums Kitesurfen. VOL. 1: Sitz- oder Hüfttrapez?

Na wie denn jetzt?

Gerade, wenn man sich beim Kiten noch in der Anfänger/Einsteiger- bzw. auch in der Aufsteigerphase befindet, macht sich häufig Verwirrung breit. So viele Entscheidungen tun sich auf: Welches Trapez, welcher Kite soll es jetzt werden? Muss man anfangs unbedingt ein großes Board kaufen? Taugt gebrauchtes Material etwas oder ist man nur mit nagelneuem Equipment gut dran? Und so weiter und so fort. Das Problem: Jeder predigt einem etwas anderes. Der eine schwört auf das, der andere auf jenes. Die Freunde sind ganz anderer Meinung als die Leute in den Online-Foren, in denen man sich in Hoffnung auf Erleuchtung herumtreibt (dort findet man meist hunderte verschiedene Meinungen, was meist in noch mehr Verwirrung resultiert … aber amüsant ist es allemal ;)).

(c) Helmut Fuchs
Sitz- oder Hüfttrapez? Eine Frage, die sich gerade viele Kite-Anfänger stellen. (c) Helmut Fuchs


Nun – erleuchtet bin ich in dieser Beziehung ganz bestimmt nicht! Trotzdem habe ich mich entschieden, zu einigen klassischen Entscheidungsfragen rund ums Thema Kiten meinen Senf dazuzugeben. Natürlich nicht, ohne so gut wie möglich zu begründen, warum ich wie denke.
Gleich vorab: Ich möchte niemanden vor den Kopf stoßen – ich vertrete hier meine eigene Meinung und mir ist sehr wohl bewusst, dass ich die Kite-Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen habe! Und dass es zu den einzelnen Themen schon zig Artikel gibt. Egal, hier sind meine. Ich habe vieles ausprobiert, erlebt und für gut befunden oder auch nicht. Quasi ein simples Try-Error-Prinzip. Ich bin kein ausgewiesener Experte, sondern Anwender 😉 Deshalb, ganz wichtig: Es geht hier nicht um absolute Richtigkeit und eine rein objektive Beleuchtung von Tatsachen – sondern um meine persönlichen in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungswerte 🙂 Wenn ich damit jemandem weiterhelfen kann, freut und ehrt mich das natürlich sehr.

Aber Schluss mit dem Geschwafel – kommen wir doch lieber gleich zur Sache. Hier ist die Auflistung der Fragen, die ich im Rahmen dieser Serie behandeln möchte:

Muss es unbedingt ein Hüfttrapez sein? (c) Helmut Fuchs
Muss es unbedingt ein Hüfttrapez sein? (c) Helmut Fuchs

 

Also, legen wir los! In Vol. 1. der Serie “FAQ rund ums Kitesurfen”  geht es um eine Frage, die mir in meiner bisherigen Kite-Laufbahn immer wieder begegnet ist:

Sitz- oder Hüfttrapez? 

Keine Frage: Unhooked klingt und ist zwar supercool, aber ein Trapez muss in jedem Fall her. Es lenkt die Zugkräfte des Kites auf die Mitte des Körpers – mit den Armen alleine würde man ihn auf Dauer nicht halten können. Soviel dazu. Nur – welches Trapez soll es sein?

Sitztrapeze können nicht nach oben rutschen

Den Kitekurs absolviert man üblicherweise im Sitztrapez. Warum? Es umschließt nicht nur die Taille, sondern verfügt auch über Beingurte, die dafür sorgen, dass das Trapez nicht nach oben rutschen kann – so kann man sich ganz aufs Fahren konzentrieren – was anfangs zweifellos sehr praktisch ist. Der Haken für den Chickenloop liegt etwas tiefer als beim Hüfttrapez – muss man stark depowern, macht man (im Gegensatz zum Hüfttrapez) weniger schnell einen Buckel. Was als Anfänger noch ganz angenehm ist: Steht der Kite im Zenit (und das tut er in der Lernphase oft!), ist ein Sitztrapez eindeutig bequemer – eben weil es durch die Beingurte nicht nach oben rutscht. Ein Nachteil bei Sitztrapezen – und ein, wie ich finde, äußerst wichtiger Punkt: sehr viele kommen mit dem Sitztrapez nie aus der typischen “Anfänger-Kackhaltung” (sorry ;)) raus. Das sieht halt einfach nicht sexy aus (worüber man sich spätestens ärgert, wenn man Fotos davon zu Gesicht bekommt ;)).

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Sitztrapeze – so wie sie die beiden links im Bild tragen – werden meist bei Schulungen eingesetzt. (c) Helmut Fuchs

Hüfttrapeze sind sportlicher

Ein Hüfttrapez sitzt – wie der Name schon sagt – auf der Hüfte bzw. darüber (je nach Kitezug, Windstärke etc. ;)), hat keine Beingurte und der Haken befindet sich weiter oben als bei einem Sitztrapez. Prinzipiell sagt man, dass beim Wakestyle ein Hüfttrapez von Vorteil ist (ein- und aushängen, viel mehr Bewegungsfreiheit). Außerdem verlangt es dem Fahrer am Wasser mehr Körperspannung ab – sprich, der Trainingseffekt ist um einiges höher (Hallo, Bauchmuskeln!).

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Viele stellen sich die Frage: Sitz- oder Hüfttrapez? Für Unhooked-Tricks bevorzugen die meisten Kiter Hüfttrapeze. (c) Helmut Fuchs

Sitz- oder Hüfttrapez? Meine Erfahrung

Ich persönlich bin sofort nach meinem Kitekurs auf ein Hüfttrapez umgestiegen – gar nicht aus Absicht, sondern mehr aus Zufall. Ich mochte es aber beim Fahren von Anfang an sehr gerne und bin danach nie wieder die Sitzvariante gefahren, weil ich die Bewegungsfreiheit mit dem Hüfttrapez genossen habe. Allerdings hat mir mein erstes Hüfttrapez höllische Schmerzen bereitet (die ich natürlich immer erst nach den Sessions gespürt habe – dem Adrenalin sei Dank) – weil es einfach nicht gepasst hat. Es war nämlich ein Männertrapez, und die sind anders geschnitten als Frauentrapeze. In meinem Fall hat sich der folgende Umstieg auf ein Mädelstrapez damals angefühlt wie ein dreiwöchiger Wellnessurlaub. Mittlerweile trage ich wieder ein Trapez, das eigentlich für Männer gedacht ist, aber mir trotzdem perfekt passt.

Wie auch immer, ich glaube, man liest es eh schon raus: Ich bin einfach ein Hüfttrapez-Verfechter. Erstens wegen der Risikoverminderung in puncto Kackhaltung, zweitens, weil ich damit (meiner Meinung nach) viel schneller gelernt habe und nicht zuletzt, weil es meist einfach cooler aussieht. Punkt.

Der Beweis: Sitztrapeze können auch cool aussehen. Hier zB in eine Boardshort eingebaut.
Der Beweis: Sitztrapeze können auch cool aussehen. Hier z. B.  in eine Boardshort eingebaut.

Aber: Ich kenne auch einige sehr gute Fahrer, die auf das Sitztrapez schwören – weil sie es bequemer finden oder es einfach bevorzugen, dass der Schwerpunkt des Trapezes am Körper weiter unten liegt. Es gibt auch Sitztrapeze, die in einer Boardshort integriert sind – damit fällt der bullige Käferlook weg, den viele Trapeze verursachen (wisst ihr, was ich meine?). Und: Rein aus Egogründen ein Hüfttrapez zu tragen und im Geheimen von einem Sitztrapez zu träumen, bringt niemandem etwas. Im Endeffekt geht es darum, was man damit macht. Manche Hersteller produzieren auch Hybrid-Trapeze, d. h. Mischungen aus Sitz- und Hüfttrapez (siehe Foto oben).

Nochmal kurz zusammengefasst – Pro und Contra Sitz- bzw. Hüfttrapez:

Sitztrapez

  • kann durch die Beingurte nicht nach oben rutschen – auch nicht, wenn der Kite im Zenit steht
  • Depowern ist einfacher, da der Schwerpunkt tiefer liegt
  • höheres Sicherheitsgefühl, besonders für Anfänger
  • beim Fahren ist weniger Körperspannung nötig – d. h. geringerer Trainingseffekt und Risiko der Kackhaltung 😉
  • verminderte Bewegungsfreiheit

Hüfttrapez

  • mehr Körperspannung notwendig – mehr Trainingseffekt und bessere Haltung
  • mehr Bewegungsfreiheit – wichtig für Tricks
  • besser geeignet für Unhooked-Manöver (Ein- Aushängen)
  • erfordert mehr Anstrengung
  • kann durch den Zug des Kites nach oben rutschen

Das Wichtigste – ganz egal ob Hüft, Sitz oder Hybrid: Passen muss das Ding! Wer will schon sein Hüfttrapez an den Zähnen spüren oder sich mit dem Sitztrapez untenherum alles abschnüren? Also,

Am wichtigsten ist, dass das Trapez gut sitzt – sonst macht's keinen Spaß.
Am wichtigsten ist, dass das Trapez gut sitzt – sonst macht’s keinen Spaß.

merke: Trapeze immer, immer, immer anprobieren und – wenn möglich – unbedingt auf Herz und Nieren testen! Ob ein Trapez für einen geeignet ist, zeigt sich nämlich nur in Aktion am Wasser – und nicht an Land. Das passende Trapez ist infolge auch ein wesentlicher Faktor in Sachen Lernfortschritte bzw. Performance.

An die Mädels: Traut euch ruhig auch, Trapeze für Männer anzuprobieren. Die gibt’s zwar nicht in so schönen Farben wie Pink, Mint und Co. – aber ein Harness, in dem man sich gut fühlt, ist unendlich viel wert.

Soviel zum Thema Trapez von meiner Seite. Hab ich etwas vergessen? Welche Erfahrungen habt ihr schon mit Trapezen gemacht bzw. welche Variante bevorzugt ihr?

Und – ganz, ganz wichtig zum Schluss: Gibt es noch FAQ rund ums Kitesurfen, die euch immer wieder begegnen, die ich aber nicht gelistet habe? Dann nur her damit 🙂

Aloha, Anja

P. S.: In Vol. 2 geht’s um die Frage: Vier- oder Fünfleiner? Bin natürlich auch gespannt, wie ihr darüber denkt.

 

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2 Kommentare auf "Serie: FAQ rund ums Kitesurfen. VOL. 1: Sitz- oder Hüfttrapez?"

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