5 Fragen, 5 Antworten: Julia Castro

Hi @ all,

heute gibt es wieder ein “5 Fragen, 5 Antworten”-Interview – und zwar von Proriderin Julia Castro. Die Halb-Spanierin/Halb-Dänin verrät unter anderem, wie sie neue Tricks einübt (und welche Rolle Wischmops dabei spielen) und wie sich ihr Leben durchs Kiten verändert hat. Aber lest selbst – ich sag nur soviel: Es zahlt sich aus, denn Julia hat besonders ausführlich und persönlich geantwortet. Ich konnte so einiges draus lernen und freu mich jetzt schon, wenn ich sie wieder mal etwas fragen darf.

Julia Castro Beach
Julia Castro, Teamriderin für North Kiteboarding

5 Fragen an Julia Castro

Kennst du als Proriderin auch diese Sessions, bei denen überhaupt gar nichts funktioniert und es sich anfühlt, als würdest du mit dem Kiten nochmal ganz von vorne beginnen müssen?

  • Ich bezeichne mich selbst gar nicht als Proriderin, weil ich nicht danach lebe – ich würde eher sagen, ich bin sowas wie ein „Survivor“, hehe ;). Aber ok – auch als „Pro“ habe ich Sessions, bei denen absolut NICHTS funktioniert. Das ist aber eine gute Gelegenheit, ein paar Schritte zurück zu machen und sich dann wieder weiter nach oben zu arbeiten. Manche Kiter werden sogar richtig frustriert, wenn sie ihre Tricks nicht stehen … Aber glaub mir, sogar wenn man einmal nur Backrolls gemacht hat, war’s keine verlorene Session.
Astrid Glal
(c) Astrid Glal

 

Wie motivierst du dich für neue Tricks – und wie fängst du überhaupt an, etwas Neues zu üben?

  • Naja, nach meiner Schulter-Operation vor einem Jahr habe ich nicht wirklich neue Manöver ausprobiert. Ich habe immer noch Probleme, deshalb bin ich gerade dabei, mir meine Tricks so anzutrainieren, dass ich dabei keine Schmerzen habe. Also muss ich mich jetzt gerade umso mehr motivieren – vor allem, um Angst und Schmerzen zu besiegen.
    Aber ich sag dir etwas: Wenn man sich pushen muss, um etwas Neues zu lernen … dann sollte man sich vielleicht etwas Luft geben und auf das richtige Gefühl warten. Als „Pro“ muss ich mich natürlich pushen, aber ich muss trotzdem auf Körper und Geist hören, bis es dann passt. Es macht keinen Sinn, den Körper zu pushen, wenn der Kopf nicht bereit ist.
  • Bezüglich der Art und Weise, wie ich mit neuen Manövern beginne: Der erste Schritt ist, den Trick an Land auszuführen. Bevor ich den Trick am Wasser angehe, schnappe ich mir alles, was irgendwie als Kite-Bar herhalten kann (Stöcke, Wischmops oder meine imaginäre Bar) und ich übe den Trick 1.000.000 Mal, auf der Straße, im Bett, unter der Dusche … Visualisieren funktioniert für mich aber noch besser. Wenn ich den Trick verstehe, kann ich ihn auch machen.
    In Folge kommt es dann zum Aufbau des Manövers am Wasser. Soll heißen: Wenn man einen Raley to blind (Video R2B) machen will, dann sollte man wissen, dass man einen anderen Raley springen muss als für einen „einfachen“ Raley oder einen S-bend. Also würde ich mal einen Raley machen und darauf achten, wie sich das anfühlt. Wenn gut: Dann vielleicht noch zwei weitere Versuche. Wenn schlecht: So lange ausprobieren bis es sich gut anfühlt. Wenn ich dann ein paar Raleys gemacht habe, von denen ich denke, dass sie sich für einen R2B eignen, konzentriere ich mich aufs „blind“. Das ist der schwierigste Part – aber es geht ums Üben, sich nicht fürchten und FRAGEN. Das beste, was man tun kann, um sich zu steigern: Jemanden darum bitten, sich seine Versuche anzusehen bzw. diese zu filmen.

Und dann, last step: Keine Angst haben! 🙂

(c) Sabrina Savnik
(c) Sabrina Savnik

 

Welche Teile deines Lebens bzw. deiner Persönlichkeit haben sich durchs Kiten am stärksten verändert?

  • Mein ganzes Leben hat sich verändert. Von der Schule über die Art zu leben, die Art zu denken bis hin zur Kleidung, einfach alles! Ich habe früher Hürdenlauf gemacht und mein einstiger Lebensplan war es mal, nach Madrid zu ziehen, in ein Elite-Sportzentrum in der Nähe einer passenden Uni, und dort für vier Jahre zu trainieren. Nachdem ich mit dem Laufen aufgehört habe, habe ich in Cadiz, Malaga und Dänemark gelebt. Ich habe viele, viele Länder bereist. Ich habe maximal drei Wochen an einem Ort verbracht und ich mache meine Uni-Sachen online (was das Schwierigste ist).
    Bei so einem „bewegten“ Leben muss ich fast jeden Tag darüber nachdenken, was ich am nächsten Tag tun werde, wo ich hinreise, was ich für meine Karriere tun kann und was diese wiederum bremst … Zugegeben, ich vermisse es ein wenig, zu wissen, wie der nächste Tag aussehen wird. Ich meine, jeden Tag das Gleiche zu tun, einen Plan zu haben. Aber ok, jede Art zu leben hat Vor- und Nachteile.

 

(c) Jiri Horak
(c) Jiri Horak

 

Frauen, die kiten, erleben es häufig, von den Jungs am Wasser wie Babys behandelt zu werden – es gibt Männer, die davon ausgehen, dass alle Mädels Kite-Anfänger sind. Was würdest du sagen – wie wehrt man sich gegen solche Macho-Typen?

 

  • OMG!!! Das ist SO nervig. Das gibt es an jedem Strand und manchmal ist es echt zu ärgerlich. Ich versuche wirklich, das Image von kitenden Frauen dahingehend zu pushen, dass wir genauso respektiert werden wie die Jungs unter sich. Als ich mit dem Kiten begonnen habe, habe ich Brunas (Bruna Kajiya, Anm. d. Red.) Videos angeschaut und der Satz „We are more than that“ war sehr prägend für mich. Ich denke, wichtig für uns Frauen ist, die Kontrolle zu erlangen – über die Elemente, den Kite, den Wind. Ich gehe immer erst einmal zum Spot, und wenn mir dann jemand auffällt, der sich respektlos verhält, mache ich einen coolen Trick direkt vor seiner Nase. In einem solchen Moment ist das die einzige Art, sich Respekt zu verschaffen. Lasst uns daran arbeiten, Mädels!

Wie würdest du deine perfekte Session beschreiben – wie viel Wind, welche Kitegröße, welches Equipment, welche Temperatur, welcher Spot?

  • Wind für den Neuner, flaches Wasser, sideonshore, 28 Grad. So etwas könnte man wahrscheinlich im Norden von Fuerteventura oder Brasilien anfinden. Zum Equipment: Mein North Dice ist in jeder Größe toll. Dann würde ich noch mein Gambler 136 dazunehmen (ich werde auch das 139er testen, um mal ein größeres Board zu probieren) und mein Apex Ion Harness 🙂
ronald chu
(c) Ronald Chu

 

Danke an Anja und kitejoy fürs Interview, danke an alle, die es lesen und danke auch an meine Freunde, Supporter, Sponsoren und Partner!

Julia Castro

 

Wer mehr über Julia Castro erfahren möchte – hier gibt’s noch jede Menge Infos und Bilder:

http://fuertejulia.tumblr.com/
https://www.facebook.com/juliacastrokiteboarding/
https://www.instagram.com/fuertejulia/

Beitrags-Titelfoto: (c) Ronald Chu

 

Noch mehr Interviews gefällig? 😉 Hier geht’s zu 5 Fragen, 5 Antworten von Profi-Kiterin Malin Amle.

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